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Maja Haderlap
Engel des Vergessens

Wallstein Verlag
2012
427 Seiten
ISBN-13: 978-3-8353-0953-1
€ 18,90


Von Sabine Breit am 11.02.2013

  Eine Kindheit in den Kärntner Bergen in einer Familie, die der Minderheit der Kärntner Slowenen angehört. Der Vater traumatisiert von den Erlebnissen bei den Partisanen, bei denen er einen Teil seiner Jugend verbrachte. Die Großmutter des Lebens müde, auf den Tod wartend und trotzdem lange Zeit die wichtigste Bezugsperson für die Enkeltochter.
  Die Mutter, die alledem hilflos gegenüber steht und sich oft in Streitigkeiten mit dem Vater verliert ohne ihm Verständnis entgegenzubringen. Dieses Verständnis versucht umso mehr die Tochter aufzubringen. Sie versucht ihre eigene Geschichte zu verstehen, ihre Familiengeschichte in Worte zu fassen, die Geschichte der Großmutter und des Vaters zu erfahren und deren Folgen zu ergründen und zu respektieren.
  Für diesen Prozess benötigt sie viele Jahre. Jahre, in denen sie immer wieder von schlimmen Träumen heimgesucht wird. Auch als sie schon in Wien ist um zu studieren, lassen die Träume sie nicht los. Sie bringt sie zu Papier, sowie auch ihre Gedanken, die sich manchmal überschlagen und schwer zu fassen sind, ihre Gefühle, die ihr immer wieder Streiche spielen und die Erlebnisse, die sie in ihrer Kindheit und Jugend sehr oft mit dem Tod konfrontierten.
  Sie findet über die Sprache einen Weg, den Tod der Großmutter zu verarbeiten, die Ausbrüche des Vaters annähernd zu akzeptieren und sich mit der Mutter auszusöhnen.
 
  Maja Haderlap findet mit ihrem Roman einen Weg, furchtbare Vorkommnisse der Kärntner Geschichte poetisch niederzuschreiben, die durch ihre Poesie noch furchtbarer und gleichzeitig erträglicher scheinen. Bei Ihren Versuchen, von Nachbarn, Freunden und Verwandten etwas über das Leben der Partisanen zu erfahren, stößt sie, je weiter die Erlebnisse zurück liegen, immer öfter auf eine Mauer des Verdrängens und Vergessens.
 
  Doch das kann und will sie nicht akzeptieren. Es muss weiter erzählt und aufgeschrieben werden, was die Väter und Großväter der Kärntner Slowenen auf sich genommen haben für Freiheit und Anerkennung.
  Als in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Krieg in Jugoslawien ausbricht kann sie erkennen, dass die Erinnerungen ihrer Nachbarn und Verwandten sehr schnell wieder an die Oberfläche kommen und speziell denen unerträglich sind, die Krieg am eigenen Leib erfahren haben.
 
  Ein notwendiger Beitrag (nicht nur) für jene, die österreichische und Kärntner Zeitgeschichte nur mehr aus dem Geschichtsbuch kennen. Darüber hinaus ein preiswürdiger Beitrag zu dem, was Identität ausmacht. Abseits allen völkischen Brimboriums.

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