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Victor Bockris
Patti Smith
Die unautorisierte Biografie

Wolfgang Krüger Verlag
2000
336 Seiten


Von Volker Frick am 17.04.2000

  Revolutionary. Reactionary. Contemporary. So steht's auf der neuen Platte Gung Ho' von Patti Smith. Auf dem Buch von Victor Bockris über die einzige Überlebende des Rock'n'Roll-Zirkus steht: Die unautorisierte Biografie.
 
  Nun, diese Hohepriesterin', diese Schamanin' oder schlichtweg Künstlerin feiert in diesem Jahr ihren 54sten Geburtstag, und für einen Menschen, der ewig zu leben wünscht, ist das gar nichts. Und doch. Immer schon anders, malt und zeichnet sie, transformiert sich zur Lyrikerin, betritt die Bühne, trägt vor, untermalt von schrägen Gitarren, steht dann auf der Bühne und macht Musik: Die Patti-Smith-Group, und die E-Gitarre ist die einzige Waffe. Nie offiziell verlautbart hört niemand noch etwas von ihr.
  Nach vier Alben Mitte bis Ende der Siebziger und einem Sturz von der Bühne nebst Genickwirbelbruch erscheint 1988 Dream of Life'. Patti Smith hat Fred Sonic' Smith, Mitbegründer der MC 5, geheiratet, ist zweifache Mutter geworden, und hat entdeckt, das sie eine Frau ist. Dann stirbt ihr Mann, dann stirbt der Fotograf und Mitstreiter Robert Mapplethorpe, dann stirbt auch ihr Bruder. Gone again' erscheint 1996, ein Jahr später Peace and Noise'.
  Victor Bockris erzählt uns eine ganze Menge über diese Punk-Göre, und das kann er. Sehr lesbar das Buch, schliesslich hat er ja auch schon Monografien über Velvet Underground, Keith Richards, William Burroughs, Andy Warhol und Blondie verfasst.
  Patti Smith als Chamäleon. Immer shocking', aber vollständig dem eigenen verschwommenen Image als Künstlerin erlegen. Hier eine Hommage an Jim Morrison, da die Huldigung von Rimbaud, oder eine Ode an den früh verstorbenen Prinzen von Dänemark, Brian Jones von den Stones. Und kaum sonst einer im Rockbusiness, der soviel masochistische Selbstausbeutung als Kunst beschwört.
  Victor Bockris erzählt uns das Leben der Patricia Lee Smith, und zurück bleibt der Leser oder die Leserin mit einem Bild, das sehr uneinheitlich ist. Was soll ich von dieser Frau noch halten? Ihre Musik, ihre Erscheinung, ihre Stimme, ihr Engagement, ihr Aufschrei, ihr opiatgeschwängertes Gebrabbel, ihre umwerfende und aggressive Lyrik, ihr Beharrungsvermögen, ihr dandyhaftes Schlampentum, ihre Eigenständigkeit... all das war und ist einzig.
  Victor Bockris zeichnet mit groben Strichen diese Frau als durchgeknallte Ikone des prä-MTV-Zeitalters. Lesbar ist dieses Buch, wie gesagt, aber letztlich, so denke ich, ist es noch allemal besser ihr selbst zu lauschen. Patti Smith spricht für sich selber, und die neue Platte möchte ich Ihnen dann viel lieber ans Ohr legen als dieses Buch vor Augen.

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