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Heinrich Steinfest
Die Haischwimmerin

Piper
2011
350 Seiten
ISBN-13: 978-3-492-05407-2
€ 19,99 [D} 20,60 [A]


Von Rudolf Kraus am 29.01.2013

  Der Amanita muscaria var. muscaria, auf deutsch Fliegenpilz, spielt in Heinrich Steinfests Kriminalroman „Die Haischwimmerin“ eine wichtige Rolle, die sich aber gut verborgen im Hintergrund hält.
  Zentraler hingegen die Verbrecherrepublik Toad’s Bread, eigentlich eine unterirdische Stadt im sibirischen Dschugdschurgebirge, die auch einen unterirdischen Wald voller geheimnisvoller purpurner Lärchen beherbergt. Dort finden sich noch mehr Geheimnisse, eigenartige Bewohner und vor allem viele Fragen und ebenso viele Antworten oder manchmal doch eine Antwort zu wenig.
  Verweise auf Matrixfilme sind ebenso angebracht wie originell, wenn sie aus dem Mund einer taubstummen Suppenköchin stammen, wie geniale Professoren aus der ehemaligen Sowjetunion, aus einer Zeit, wo gut und böse noch zuordenbar und vorhanden war und das Kapital noch nicht die Welt übernommen hatte. Aber dazu später oder ein andermal wie es so schön heißt.
  Denn dieser Roman ist die langersehnte Fortsetzung von „Die feine Nase der Lilli Steinbeck“ (Zitat Piper-Verlag), also eine Art Prequel, das die Geschichte der jungen Lilli einfängt, die kurz davor stand, eine Familie zu gründen. Der Mann an ihrer Seite, Ivo Berg, und das gemeinsame Kind im Bauch gehen bei einem Unfall verloren. Lilli bleibt als Andenken die klingonische Nase und Ivo wird zum Baumpfleger (eine Art österreichischer Baron auf den Bäumen).
  Die Gegenwart führt die beiden in Toad’s Bread zusammen. Ivo auf der Suche nach der Dahurischen Lärche, die eine Art Wundermittel enthalten soll, und Lilli auf Mördersuche. Dazu gesellen sich eine Menge interessanter Typen. Zum Beispiel Spirou, ein dreizehnjähriger Junge und Nachahmer gleichnamiger Comicfigur, sowie der schon aus dem ersten Lilli Steinbeck-Roman bekannte Detektiv Kallimarchos, nun ein unverwundbarer Gott der Ewenken, und Yamamoto, ein Kriminalkommissar im Dienste der Verbrecherrepublik:
 „Aus seinem Lachen hätte man ein gutes Haiku formen können, ein dreizeiliges Lachen, wo sich eins ins andere fügt, ohne etwas zu erklären.“
  Daneben gibt es natürlich noch andere Charaktere, wie auch schon eingangs erwähnt, aber in erster Linie wird erzählt und zwar recht breit und in einer doch überschaubaren Linie. Steinfest neigt zwar immer dazu, etwas auszuschweifen, dennoch verlässt er nicht den Hauptstrang seiner vielschichtigen Geschichte.
  Die Haischwimmerin ist grotesk und charmant, satirisch und humorvoll, originell und geistreich mit sehr viel hintergründiger Bedeutung und Analyse, eben ein echter Steinfest.

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