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A. Dan / Maximilien Le Roy
Henry David Thoreau
Das reine Leben

Knesebeck
2012
88 Seiten
ISBN-13: 978-3868735093
€ 22,-


Von Hans Durrer am 22.01.2013

  „Henry David Thoreau gilt als einer der einflussreichsten amerikanischen Schriftsteller und Philosophen“, lese ich in der Pressemitteilung des Verlages und wunder mich wieder einmal, wie man so etwas eigentlich wissen beziehungsweise nachweisen kann. Mit anderen Worten: viel mehr als eine Behauptung ist das nicht. Das will nicht heissen, dass sich mit Thoreau zu beschäftigen nicht lohnen würde, ganz im Gegenteil, und der vorliegende Band ist für Leser, denen der Autor von „Walden oder Leben in den Wäldern“ und „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ nicht bekannt ist, eine gute Einführung.
 
  Henry David Thoreau, schreibt Le Roy im Vorwort, gelte als der Vater des „Zivilen Ungehorsams“ und das meint, „sich einer illegitimen autoritären Macht gewaltfrei zu widersetzen, indem man einem Dekret oder einem Gesetz etc. seine Zustimmung verweigert.“ Michel Granger, emeritierter Professor für amerikanische Literatur des 19. Jahrhunderts an der Universität von Lyon, sieht das allerdings etwas anders. Im Interview mit Le Roy am Ende dieses ansprechend gemachten Bandes, sagt er, dass Thoreau von „ungehorsam sein“ rede, doch nirgends den Begriff des Zivilen Ungehorsams“ verwende und fragt: „Warum also sollte man Thoreau auf diese Formulierung reduzieren, die sich auf eine Äusserung aus dem Jahre 1840 bezieht?“ Zudem: Thoreau befürwortete Gewalt durchaus und rief auch zum bewaffneten Widerstand auf. Und noch einmal Granger: „Wenn man die Entwicklung seines Denkens in den letzten zehn Jahren seines Lebens betrachtet, eignet sich der Begriff „Widerstand“ am besten für Thoreaus Position.“
 
  Thoreau war in erster Linie Schriftsteller und „Walden“, das er zwischen 1847 und 1854 geschrieben hat, wohl sein Hauptwerk und das kommt in dieser Graphic Novel etwas zu kurz. Andrerseits gibt es dann ja noch das aufschlussreiche Interview mit Michel Granger – eine sehr schöne, gute und hilfreiche Ergänzung, wo man wunderbar Aufschlussreiches erfährt wie zum Beispiel, dass die Hütte, die sich Thoreau im Wald baute, gerade einmal zwei Kilometer von seinen Eltern entfernt lag oder etwa, dass das weibliche Geschlecht in seinem veröffentlichten Werk gar nicht vorkomme und seine wenigen diesbezüglichen Tagebucheinträge „von einem im Allgemeinen sehr negativen Frauenbild“ zeugen würden.
 
  Sich selber charakterisierte Thoreau als Mystiker, Transzendentalist und Naturphilosoph, den vor allem die Frage beschäftigte, wie man richtig leben soll. Granger sieht Thoreaus Aktualität insbesondere in der „kritischen Hinterfragung in der Beschreibung des Individuums, das Herr seiner Selbst ist, wiederbelebt durch das Schauspiel der Natur. Dieses Individuum stellt sich der allgemeinen Meinung bei Bedarf entgegen, lehnt sich gegen politische Ungerechtigkeit und religiöse Heuchelei auf, verweigert sich der Jagd nach Geld und Arbeit und bietet ein Modell des einfachen und glücklichen Lebens, es ist frei von Konsum und sich dessen bewusst, was man mit der Ausbeutung der Natur aufs Spiel setzt.“
 
  „So lasst uns also unser Leben begreifend verbringen“, dichtete er in „Walden“. Ein erster Schritt dazu wäre, sich mit Thoreaus Gedankenwelt zu beschäftigen. Die vorliegende Graphic Novel von A. Dan und Le Roy ist dafür ein guter Einstieg.

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