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Agatha Christie
Sie kamen nach Bagdad
(They Came to Baghdad)

Fischer
2008
Übersetzt von Elleonore von Wurzian
192 Seiten
ISBN-13: 978-3596168897
€ 7,95


Von Klaus Makollus am 30.11.2012

  Victoria Jones begleitet eine steinreiche Amerikanerin in den Irak. Doch kaum ist sie in Bagdad, der Hauptstadt des Landes, angekommen, bricht ein Unbekannter tot in ihrem Hotelzimmer zusammen. Naiver und verliebter Backfisch, der sie ist, kann Victoria in der Folgezeit mithelfen, eine politisch orientierte internationale Verbrecherorganisation dingfest zu machen.
  Das englischsprachige Original stammt aus dem Jahre 1951. Christie konnte damals wohl nicht ahnen, daß sich in der irakischen Hauptstadt sechs Jahrzehnte später tagesaktuelle Weltpolitik abspielen würde.
  Als es auf dem Markt erscheint, ist die Christie mit dem Archäologen Max Mallowan verheiratet. Dieser private Hintergrund ist dem Buch überdeutlich anzumerken. So deutlich wie in sonst keinem anderen Buch wird hier Bezug auf die Arbeit des eigenen Ehegatten genommen.
 
  Hercule Poirot, Miss Marple, Tommy und Tuppence – die bekannten Helden der englischen Erfolgsautorin fehlen hier. Ein untrügliches Zeichen, daß das Buch eher den Charakter eines Spionagethrillers denn eines Kriminalromans hat. Ein bißchen Romanze (wilden, hemmungslosen Sex wird man bei der Christie nicht erwarten dürfen), ein wenig angedeutetes Verbrechen – auch Christie weiß, wie man (verkaufsfördernd) eine Geschichte schreibt.
 
  Der Kopf der Verschwörertruppe heißt Edward Goring. Da die Sekundärliteratur die politische Ausrichtung seiner Gedankenwelt als faschistisch beschreibt, darf man schon ein wenig spekulieren, ob Reichsfeldmarschall Hermann Göring Pate für den Namen gestanden hat.
 
  Ansonsten bietet das Buch gute Unterhaltung. Es ist allerdings auch nicht weiter verwunderlich, daß das vorliegende Werk nicht zu den Hauptattraktionen im Werk der Christie zählt. Es bietet gute literarische Hausmannskost. Am Ende wird erzählt, was passiert ist, ohne daß die Gründe plausibel und überzeugend angeführt werden. Es gibt viele Bücher Christies, die deutlich besser sind.

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