Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
John Brunner
Der Schockwellenreiter
(The Shockwave Rider, 1975)

Übersetzt von Horst Pukallus
385 Seiten


Von Alfred Ohswald am 31.03.2000

  Nick wächst als Waisenjunge auf und wird auf der Schule von einer geheimen Regierungsstelle entdeckt, die auf der Suche nach überdurchschnittlich intelligenten Kindern sind. In diesem "Tarnover" genannten Geheiminstitut wird das Lernen in jeglicher Form gefördert, weil die Regierung sowohl außen- wie auch innenpolitisch auf die kommenden Superhirne zurückgreifen können will.
  Doch mit der Zeit merkt der inzwischen zum Datenverarbeitungsspezialisten gewordene Nick, daß Moral dort kaum eine Rolle spielt und beschließt auszusteigen. Mit Hilfe seines Wissens verschaffte er sich im alles umspannenden und kontrollierenden Datennetz eine neue Identität und verschwindet. Um seine Spur zu verwischen, wiederholt er das in relativ kurzen Abständen und paßt auch seinen Lebensstil an die jeweils angenommene Persönlichkeit an.
  Als er durch eine Frau einen guten Job bekommt, lernt er deren unkonventionelle Tochter Kate kennen und verliebt sich nach einiger Zeit in sie. Gerade noch rechtzeitig wird er unbeabsichtigt von einer Arbeitskollegin gewarnt, daß ein Mann von Tarnover in der Firma ist. Er bricht in Panik aus und flieht zu Kate in die Wohnung. Gemeinsam fliehen sie weiter und sollen bald unerwartete Hilfe bekommen.
 
  Der für seine gesellschaftskritische Science Fiction Autor John Brunner hat in "Der Schockwellenreiter" das 1970 erschienene Sachbuch "Der Zukunftsschock" (Orig. "Future Shock") von Alvin Toffler literarisch verarbeitet. In vielen Dingen erweist er sich bemerkenswert Treffsicher, so bei der Bedeutung eines alles umspannenden Computernetzes, die Mobilität der Bevölkerung und die Problematiken des Informationszeitalters.
  Das Ganze ist halbwegs geschickt in die Geschichte eines Außenseiters verpackt, wobei aber der Autor etwas zu oft mit Kommentaren abschweift. Die Geschichte selbst ist auch eher durchschnittlich und reicht nicht an die Qualität der Zukunftsvision heran. Man merkt zu deutlich, daß sie nur als Vehikel für die Gesellschaftskritik herhalten muß. Auch die Charaktere sind nicht besonders bemerkenswert und nerven hin und wieder mit ihren oberlehrerhaften Dialogen, die mehr wie eine Belehrung des Lesers, als tatsächliche Gespräche untereinander wirken.
  Der Roman kann sicher als ein bedeutender Beitrag in der Science Fiction bezeichnet werden, zu einem rundum gelungenen Werk hat es aber nicht ganz gereicht. Es stellt sich die Frage, ob dem Leser nicht gleich mit Alvin Tofflers Buch besser gedient wäre.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.