Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Christian Klinger
Winzertod
Marco Martin ermittelt

Steinverlag
2012
273 Seiten
ISBN-13: 978-3901392276
€ 13,90


Von Alfred Ohswald am 24.06.2012

  Nach drei Krimis mit dem Wiener Kriminalpolizisten Alfons Seidenbast, führen in „Winzertod“ zwei neue Hauptfiguren durch die Handlung. Die wirkliche Hauptfigur ist der im Untertitel erwähnte Marco Martin, seines Zeichens Privatdetektiv. In einer parallel laufenden Nebenhandlung ermittelt Gruppeninspektor Krasberger in einem anderen Fall. Natürlich werden die beiden Fälle am Ende irgendwie bei der Hauptfigur Martin zusammengeführt, allerdings auf eine sehr wenig elegante Weise. An diesem Punkt hat sich der Autor leider zu wenig Mühe gegeben und es ist damit wohl der deutlichste Schwachpunkt des Krimis.
  Martins Neugier wird bei einem Brandfall mit einem Todesopfer durch die nicht ganz eindeutigen Umstände geweckt. Nebenher übt er aber auch seinen Beruf weiter aus und verfolgt etwa einen vermeintlich untreuen Ehemann.
 
  Der Untertitel erinnert an die legendäre österreichische TV-Serie „Kottan ermittelt“, ob gewollt oder nicht kann ich nicht beurteilen. Obwohl – wie viele österreichische Krimis – nicht ohne ein gewisses Augenzwinkern erzählt, steht bei „Winzertod“ doch eindeutig die Krimihandlung und die darin verwickelten Charaktere im Vordergrund.
  Langweile kommt, trotz nicht selten vorkommenden Abschweifungen, nicht auf. Nicht zuletzt die immer wieder eingesetzten Cliffhänger beim Wechsel der Erzählperspektive oder am Ende der Kapitel halten die Leser bei der Stange. Die Absatz- und Kapiteleinteilung ist an einigen Stellen etwas unglücklich. Die Nummerierungen etwa sind mindestens Überflüssig.
  Besonders gut gelungen sind die Dialoge im Dialekt. Eine gute Mischung aus Dialekt und Hochdeutsch schafft den Spagat zwischen Atmosphäre und Lesbarkeit ausgezeichnet. Ob Leser aus Deutschland damit zurechtkommen, vermag ich nicht zu beurteilen. Bei manchen für den wieder Dialekt typischen Ausdrücken könnten sogar manche Österreicher ihre Probleme bekommen. Allerdings kommt es nicht häufig genug vor, um den Lesefluss wirklich zu beeinträchtigen.
  Durch die Hauptfigur wirft Klinger auch einen kritischen Blick auf den Bauboom in Wien und konterkariert diesen Standpunkt aber auch durch den Standpunkt anderer Charaktere. Ohnehin wettert Klinger nirgends so penetrant gegen die Zustände, wie etwa Stefan Slupetzky in „Lemmings Zorn“ gegen Lärmbelästigungen aller Art zu Felde zieht. Generell ist die Thematik Bauen und Wohnungen ständig ziemlich deutlich präsent.
  Da der eher kleine Steinverlag sich wohl kaum ein großartiges Lektorat leisten kann, sollte man über ohnehin seltene, etwas unglückliche Formulierungen hinwegsehen. „Was für ein Schlawiner, urteilte Martin über diesen:“ (S. 122) ist zwar korrektes Deutsch aber nicht sonderlich elegant. Keiner der genannten Kritikpunkt stört aber den Lesefuß und deshalb sind sie nicht wirklich relevant.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.