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Gabriel Barylli
Paradies

Styria
2012
263 Seiten
ISBN-13: 978-3-222-13356-5
€ 24,99


Von Sabine Breit am 09.06.2012

 „Maria auf dem Weg ins Paradies“
 
  O.K. damit wäre der neue Roman „Paradies“ von Gabriel Barylli zwar auf den Punkt gebracht, aber ihn darauf zu reduzieren würde ihm – sowohl dem Autor als auch dem Roman – nicht ganz gerecht werden. Allerdings tut dies der kurze Text auf der Rückseite des Buches auch nicht. Nach Durchsicht desselben habe ich mir von der Lektüre dieses Romans wenig bis gar nichts erwartet.
  Klingt nämlich nach dem 193. Lebens- und Beziehungsratgeber mit esoterischem Einschlag. „Paradies“ hat zwar von alledem ein wenig, also wer bei der Lektüre eines Lebens- und Beziehungsratgebers nach der 3. Seite einschläft und beim Gedanken an Esoterik und Spiritualität die Krise bekommt, der sollte sich über Baryllis „Paradies“ nicht hermachen. Wer aber offen für ein modernes Märchen ist, das im Kern wahrscheinlich jene Leser anspricht, die den frommen Wunsch nach Liebe und Frieden für alle Menschen hegen, wird dieses Buch gerne lesen, aber auch – und das wünsche ich mir – kritisch betrachten und hinterfragen. Meiner Meinung nach hat Gabriel Barylli einen schätzenswerten Ansatz ziemlich ausufern lassen.
  »Solange es auf dieser Welt noch einen einzigen Menschen gibt, der durch die Hand eines anderen Menschen Schaden erleidet, ist es mir nicht möglich, nicht wütend zu sein. Um in ihrem Zerstörungswerk ungestört zu sein, haben die Mächtigen entschieden, das Volk ruhig zu stellen. Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Mit Konsum, mit schlechtem Fernsehprogramm, mit Ereignissen wie Olympiaden und Weltmeisterschaften und Sackhüpfen im All Inclusive Club. Das Ziel unserer sogenannten Kultur ist die kritiklose, sprachlose Ruhe«
  Sätze wie diese wirken harmloser und unwichtiger, als sie tatsächlich sind, man sollte fett, unterstrichen und doppelt so groß drucken. Und würde man nur über diese wenigen Sätze Gedanken und Meinungen zu Papier bringen, man könnte ein weiteres Buch damit füllen.
  Diese und ähnliche Passagen des Romans haben mich begeistert und allein deswegen hat sich die Lektüre gelohnt.
  Was mich etwas befremdet ist der Versuch Baryllis, mit diversen Weltreligionen auf 263 Seiten abzurechnen, seine Protagonistin Maria auf direktem Weg ins Paradies ziehen zu lassen und ihr wie nebenbei auch noch den Kontakt zum Traummann und mit ihm ein verkitschtes Happyend ermöglicht.
  Das ist dann doch etwas „too much“ und nimmt dem Roman die Glaubwürdigkeit. Dass sich die Geschichte mal im wirklichen Leben und mal im virtuellen Cyberspace abspielt und fast nahtlos hin und her springt hat mich anfangs etwas irritiert, ist aber bei genauerer Betrachtung eine nette Idee des Autors, mit der er wohl dem Zeitgeist Rechnung trägt und für die Verfolgung einer uralten Sehnsucht moderne Technologien zu Hilfe nimmt. Nach anfänglicher Skepsis bin ich nun doch gespannt auf die beiden weiteren Teile der Trilogie der Sehnsucht.

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