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Stephen King
Der Anschlag
(11/22/63, 2011)

Heyne
2012
Übersetzt von Wulf Bergner
1056 Seiten
ISBN-13: 978-3453267541
€ 26,99


Von Alfred Ohswald am 02.03.2012

  Jake Epping ist ein mit seinem Leben recht zufriedener Lehrer, bis ihm Al, der Besitzer seines Lieblingsinbisslokals ein überaus seltsames Geheimnis offenbart. In einem Hinterzimmer seines Lokals befindest sich eine Art Zeitreiseportal. Man landet immer am selben Tag im Jahr 1958, wenn man hindurchtritt und es vergehen immer nur 2 Minuten in der Gegenwart, wenn der Zeitreisende zurückkommt, egal wie lange er in der Vergangenheit war. Der Zeitreisende altert allerdings schon und es können auch Gegenstände mit zurück in die Zukunft genommen werden. Bei jeder Reise in der Vergangenheit ist dort allerdings wieder alles wie zuvor. Dinge, die erledigt werden sollen, müssen also jedes Mal erneut getan werden.
  Al hatte am Ende einen großen Plan und wollte das Attentat auf JFK im Jahr 1963 verhindern. Dabei kam ihm dann aber eine Krebserkrankung in die Quere und darum bittet er Jack darum, diese Aufgabe zu übernehmen. Schließlich willigt Jack ein und macht eine Art Probelauf, indem er versucht, einen trinkenden Gewalttäter daran zu hindern, fast eine gesamte Familie auszurotten.
 
  „Der Anschlag“ gehört sicher zu Kings besseren Romanen, ist aber eher ein Thriller mit phantastischen Elementen, als einer seiner typischen Horrorromane. Wer King wegen mangelnder stilistischer Qualitäten ablehnt, wird wohl auch hier nicht bekehrt werden, aber erzählen kann der Mann ohne jeden Zweifel. Nur sitzt man bei ihm in einem mitreißenden Hollywoodschinken für das große Publikum und nicht in einem chinesischen Autorenfilm mit Untertiteln (wobei ich nichts gegen chinesische Autorenfilme sagen will!). Und wie in einem guten Hollywoodfilm versteht es King hervorragend, virtuos in der Gefühlswelt der Leser zu spielen ohne in den gefährlichen Abgrund des Kitsches zu stürzten. Typisch dafür ist das Ende, in dem es sich King nicht so leicht macht, seinen Helden rundum glücklich davonkommen zu lassen und stattdessen ein herrlich bittersüßes Happy-End präsentiert.
  Kings für die USA schon ausgeprägt linke Haltung – dort wird diese Weltsicht als liberal bezeichnet – war nie ein großes Geheimnis. Er hat sich auch manches Mal persönlich engagiert, wenn es etwa um die Versuche religiöser Fundamentalisten ging, bestimmte Bücher aus den Schulen oder öffentlichen Bibliotheken zu verbannen. Diese Geisteshaltung spiegelt sich in etwa auch in seinem Helden in „Der Anschlag“ wieder. Wie man besonders am Originaltitel leicht erkennen kann, hat der Roman natürlich auch einiges mit 9/11 zu tun, obwohl es an der Oberfläche praktisch nicht erkennbar ist.
  Für alte Kings-Fans gibt es ziemlich am Anfang ein Wiedersehen mit Derry und ganz kurz begegnet Jake Epping sogar Bevery und Richie aus Kings schon legendärem Roman „Es“.

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