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Claudia Kern
Das Schwert und die Lämmer

Blanvalet
2011
480 Seiten
ISBN-13: 978-3442374397
€ 9,99


Von Alfred Ohswald am 22.12.2011

  Die junge Magd Madlen hat ihren Mann bei einem Unfall verloren, ihre beiden Söhne halten sich wegen einer Schreiner-Lehre im nahen Köln auf. Unter dem Vorwand einer Pilgerreise will sie ihnen einen Besuch abstatten.
  In der großen Stadt kommt sie bald in Schwierigkeiten und trifft dann zufällig auf ihre Söhne bei einer größeren Menschenansammlung, die dem jungen charismatischen Prediger Nicolaus lauscht. Er ruft alle Armen, Kinder und sonstigen Außenseitern auf, ihn zur Befreiung der heiligen Stadt Jerusalem zu begleiten. Sowohl Madlen als auch ihre beiden Söhne Hugo und Konrad erliegen seiner ungewöhnlichen Überzeugungskraft.
  So ziehen tausende „Kreuzfahrer“ mit Nicolaus durchs Land und von Stadt zu Stadt werden es mehr. Fast überall finden sie freundliche Aufnahme und reichlich sendenfreudige Menschen, um alle ausreichend zu ernähren. Aber desto weiter sie nach Süden kommen, desto größer werden die Probleme. Ablehnend gesinnte Fürsten lassen sie nicht einmal in die Nähe mancher Städte und die spendenfreudigkeit lässt auch zunehmend nach. Mit der Rationierung kommt es zu ersten, noch unterschwelligen Reibereien und als sie von den Brüdern eines Klostern abgewiesen werden, kommt es zum ersten Mal zu einer Eskalation der Gewalt.
 
  Die sonst im Umfeld der Fantasy und Science-Fiction schon bekannte Autorin hat sich hier nach ihrer Fantasy-Trilogie „Der verwaiste Thron“ an ein historisches Thema herangewagt. Anfangs kommt die Handlung etwas zäh in Gang und wird erst im letzten Drittel wirklich flotter. Es entsteht ein wenig der Eindruck, dass hier aufgeholt werden sollte, was in der ersten Hälfte ein wenig zu umfassend erzählt wurde. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird mit einem durchaus gelungenen historischen Roman über den bekanntesten deutschen Kinderkreuzzug belohnt.
  Die historische Quellenlage dazu ist im Übrigen recht dünn und so hat die Autorin da recht große Freiheiten. So lässt sie den Kreuzzug wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen über den Gotthard-Pass den ziemlich katastrophalen Übergang über die Alpen wagen, anstatt über den vermutlich eher zutreffenden Brenner-Pass. Aber derartige Details stören in keinster Weise.
  Was Claudia Kern wirklich hervorragend gelungen ist, ist die uns heute weitgehend absurd und oft geradezu komisch anmutende Gläubigkeit an einen sehr realen Gott, der immer und überall seine Hände im Spiel hat der damaligen Menschen, die sich durch nichts und niemand ins Wanken bringen ließ und völlig immun gegen kritische Gedanken war. Die Fürcht vor der Hölle war eine sehr reale, alltägliche Angst. Das alles schlüssig und für die heutigen Leser nachvollziehbar darzustellen, gelang wenigen Autoren so gut, wir ihr.

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