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Kate Quinn
Daughters of Rome

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2011
410 Seiten
ISBN-13: 978-0-7553-8102-9
€ 8,99


Von Christel Schweitzer am 18.12.2011

  "So viele Sterne der Himmel, so viele Mädchen hat dein Rom." - Ovid
 
  Und unterschiedlicher können die vier jungen, reichen Patrizierinnen, die als Hauptfiguren den Roman bevölkern auch wirklich nicht sein.
 So unterschiedlich wie ihre Charaktere sind, so verschieden verlaufen auch ihre Schicksale, inmitten der historischen Ereignisse des Jahres 68-69, des sog. Vierkaiserjahres, der Stoff aus dem der Plot des vorliegenden Romans gewebt wurde.
 
  Die Protagonistin ist Marcella, die jüngere der beiden Cornelii Schwestern, die verheiratete, aber einsame, selbsternannte Historikerin. Erhaben, kühl, logisch, introvertiert, immer die Szene beobachtend, so erscheint sie in Gesellschaft, aber auch in Gegenwart ihrer Schwester, Cornelia Prima und ihrer beiden Cousinen, Lollia und Diana. Bis sie eines Tages nicht mehr nur beobachten möchte, sondern selbst in die Geschehnisse einzugreifen beginnt:“When you’re not writing, Marcella, you’re whispering all over town…You really don’t write histories any more, do you?...Too pointless, just like you said. You’ve started writing history.“ (Seite 371)
 
  Ihre Antagonistinnen sind ihre Schwester und ihre beiden Cousinen. Diese sind genauso präsent und aktiv wie Marcella: Cornelia Prima ist die Älteste der vier, die anfangs noch elegant und ehrgeizig, wenn auch gleichzeitig häuslich, praktisch, keusch und sehr um ihre guten, patrizierhaften Umgangsformen bemüht, erscheint, so ändert sich ihr Verhalten im Verlauf der Geschichte, die ihr sehr übel mitspielt: Sie ist mit Lucius Calpurnius Piso Licinianus glücklich verheiratet, der ein enger Vertrauter Galbas (Servius Sulpicius Galba) ist, bis Rom Nero stürzt und Galba vom Heer als erster Kaiser des Vierkaiserjahres (68/69 n.Chr.) ausgerufen wird. Galbas rigorose Maßnahmen führen in Rom zur Unzufriedenheit unter den Angehörigen der kaiserlichen Leibwache. Schlussendlich wird er auf Betreiben Othos 69 n.Chr. in Rom ermordet; und mit ihm sein möglicher Nachfolger Piso, der vor den Augen seiner Frau Cornelia, Marcella und deren Cousinen getötet wird:“Gone with my chance of being Empress, maybe.“ (Seite 114)
  Als Otho (Marcus Salvius Otho), ein ehemals Vertrauter des Kaisers Nero, Nachfolger Galbas im Vierkaiserjahr 68/69 n.Chr. wird, bedeutet das für Lollia die dritte Ehe innerhalb kürzester Zeit.
  Lollia ist die Enkeltochter eines ehemaligen Sklaven, der es mit Geschäftssinn und guten Verbindungen zu einem wahren Reichtum gebracht hat und so in eine Patrizierfamilie einheiraten konnte. Nun versucht er auch für seine hübsche, kokette Enkelin stets die beste Partie zu finden. Dies bedeutet, dass Lollia ihre Ehemänner wechselt, wie die Kaiser in Rom ein – und ausziehen. Lollia ist zwar die verwöhnteste von den vier jungen Frauen, aber auch jene, die das Leid, das um sie herum herrscht, sieht und tatkräftig eingreift, ohne ein großes Getöse darum zu machen:“She knew how to do it, too, no matter what her cousins might say about how she never got her hands dirty. They’re one to talk. I might like my parties and pleasures when times are good, but at least I know how to roll up my sleeves when necessary. Her grandfather had taught her that – he had been a slave, after all, and slaves didn’t forget where they came from.” (Seite 145)
  Sie verleugnet ihre Herkunft nicht und ist sich vollauf bewusst, dass ihre Ehemänner sie nur wegen ihres Großvaters Vermögen heiraten. Pragmatisch ist sie und unabhängig möchte sie bleiben, trotz Ehemännern. Sie schafft es sich eine gewisse Autonomie zu erhalten, ob finanzielle Unabhängigkeit von ihren Männern, oder emotionale Ungebundenheit. Dies umso mehr, als sie sich in ihren Leibsklaven Thrax, einen jungen, gutaussehenden Gallier verliebt. Eine Liaison, die selbst im hedonistischen Rom streng verboten ist.
  Auch Othos Regentschaft ist von kurzer Dauer und als er Vitellius und dessen Legionen in der Schlacht unterliegt, folgt Vitellius auf den Kaiserthron.
  So wie Nero verrückt, Galba geizig, Otho ein charismatischer Blender gewesen ist, so ist Vitellius ein gutmütiger Bauer, der der Völlerei und dem Pferderennen zugetan ist, nur Kaiser ist er keiner.
 Diana, die jüngste der vier jungen Frauen sieht ihr Schicksal mit Vitellius verbunden. Sie ist jung, stürmisch, temperamentvoll und selbstbewusst. Hübsch ist sie auch, doch von Männern möchte sie nichts wissen, ihr Herz gehört den Pferden.
  „„But Diana didn’t care a fig for any oft the suitors panting on her doorstep. The only thing that made her eyes shine was horses, horses and chariots wheeling around…As far as she was concerned everything else could go to Hades, including all the men begging to marry her“ (Seite 13)
  Diana baut ihr eigenes Rennteam auf. Doch ihre Pferde sind so gut, dass sie bald in Opposition zum Team des Kaisers tritt. Vitellius hat an Dianas erfrischend ehrlicher Art einen Narren gefressen und vergibt ihr so manche verbale Entgleisung, als sie aber ihre eigenen Pferde im Wagenrennen lenkt und gewinnt, konfisziert der Kaiser die vier schnellen Rösser in einer Art Strafakt. Dianas Welt droht zusammenzustürzten, doch bevor das passiert, stürzt Vitellius vom Kaiserthron.
  Marcella, wiederum denkt über Diana etwas herablassend:“All the freedom you want, and you use it to make horses run in cicles, …I make emperors run in circles.“ (Seite 286) oder „If you’re not four legged, …then Diana isn’t interested.“ (Seite 139)
  Marcella, versteckt sich hinter der Fassade der verheirateten Frau. Zwar ist die Ehe mit Lucius kalt und langweilig, aber doch recht praktisch um sich vor Verehrern zu schützen. Vespasians jüngerer Sohn Domitian schert sich nicht darum und, obwohl Marcella Domitians aufdringliches Werben anfangs noch als jugendliche Schwärmerei abtut, ist sie um so mehr erstaunt, als er sie nach der Thronbesteigung seines Vaters zu seiner Frau nimmt, ohne sie vorher davon zu unterrichten.
  „I’m going to be Empress, if Domitian has his way, Marcella thought in utter horror. And I will not have the power to bring down anyone.” (Seite 381)
  Vespasian, der sich zunächst gegenüber den neuen Herrschern loyal verhalten hat, wird im Juli 69 n. Chr. von seinen Truppen zum römischen Kaiser ausgerufen.
  Aus den Kämpfen der vier Kaiser geht schließlich Vespasian als Sieger hervor und begründet die flavische Dynastie. Hierunter fallen als Begründer Vespasian sowie in der Folge Titus und Domitian
  Am Ende der Geschichte bekommt jede der vier jungen Frauen vom Leben genau das, was sie verdient:“Cornelia had a home and husband again; Lollia had peace and love; Marcella had power, though it had proved to be a two-edged sword. And Diana? …I’m going to breed the best horses in Rome.” (Seite 401)
 
  Kate Quinn ist ein mitreißender, farbenprächtiger, spannender, interessanter und über weite Strecken historisch fundierter Roman gelungen.
  „Most of this book’s main events - … - are true to history, and so are many of the characters in Daughters of Rome.“ (Seite 405)
  Auf diese Art und Weise hätte ich in der Unterstufe Gymnasium die Geschichte der Antike nur allzu gerne gelernt.

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