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Stefan Slupetzky
Lemmings Zorn
Lemmings vierter Fall

Rohwolt
2009
301 Seiten
ISBN-13: 978-3499248894
€ 8,95


Von Sabine Breit am 11.10.2011

  Mit dem vierten Fall des Lemming „Lemmings Zorn“ habe ich nun den dritten in Folge gelesen, mit ein wenig Skepsis, zugegeben, weil ja bekanntlich ein Autor doch seinem ihm eigenen Stil von Roman zu Roman treu bleibt, ihn verfeinert, ausreifen lässt und das dann mitunter langweilig werden kann. Nicht so bei Stefan Slupetzkys Lemming-Fällen. Ich möchte eher sagen, dass sein Protagonist mit jedem Fall besser wird, die Geschichten einander an Spannung überbieten, die Fälle äußerst gut konstruiert, diffizil genug, um dem Leser ein Krimi-Vergnügen der besonderen Art zu bieten, einfach genug, um nicht an den Haaren herbeigezogen zu wirken.
  In diesem vierten, dem letzten Fall des Lemming – Slupetzky scheut sich auch nicht davor, gegen Ende der Geschichte tatsächlich die Vermutung zu wecken, dies sei endgültig der Letzte – wird Leopold Wallisch Vater eines Buben, der hier auch eine Hauptrolle spielt bei der Jagd nach dem Mörder einer Selbstmörderin. Die Geburt des Kleinen überfallsartig und dramatisch zu Beginn des Romans versetzt den Leser sofort mitten in die Handlung und den Lemming in einen ihm bis dato völlig fremden Lebensabschnitt. Klara Breitner und der Lemming schaffen es nicht rechtzeitig ins Krankenhaus und so kommt Benjamin im Hof eines Klosters mitten in Wien zur Welt, mit Hilfe einer fremden Frau, die sowohl den Eltern als auch dem Neugeborenen in den darauffolgenden Monaten ans Herz wächst und zur Freundin der Familie wird. Trotzdem umgibt diesen „Engel“, wie die frisch gebackene Familie Angela Lehner nennt, ein Geheimnis, das der Lemming erst nach ihrem wenige Monate später erfolgten Selbstmord, Stück für Stück zu lüften vermag. Im Zuge seiner Ermittlungen stößt er auf viele unterschiedliche, mehr oder weniger in das Geschehen verstrickte Personen, die allesamt eines verbindet: Sie leiden an Lärm. Dieses in unserer Gesellschaft allgegenwärtige und doch so profane Problem macht Stefan Slupetzky zum Mittelpunkt dieser besonders spannenden, weil leider so alltäglichen Geschichte.
 Zitat: „Lärm, Wallisch, ist das billigste Betäubungsmittel, das wir kennen: Jeder kann es selbst produzieren, und man kann gleich so viel davon herstellen, dass es für Hunderte andere auch noch reicht. Die suhlen sich dann alle zusammen in ihrer akustischen Jauche, und wenn´s einmal zufällig still ist, kriegen sie einen Schrecken, einen regelrechten Horror Vacui vor der plötzlichen Leere in ihrem Schädel. Weil in der Leere – Gott behüt – so etwas wie Gedanken aufkommen könnten. Und Gedanken sind ja wohl das Letzte, was wir brauchen können in unserem schillernden westlichen Supermarkt.“
  Wiederum vermag der Autor es, den Leser und den Lemming in menschliche Abgründe blicken zu lassen, die einen schallend lachen und berührt weinen lassen. Diese Abgründe verbunden mit tatsächlichen Vorkommnissen, an die sich der Leser mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erinnern kann, eingebettet in den Wiener Schmäh, und verziert mit augenzwinkernden Seitenhieben auf das wichtigste Boulevardblatt Österreichs, ist hier ein Krimi entstanden, der es nicht umsonst auf die KrimiWelt - Bestenliste geschafft hat und für den Stefan Slupetzky unter Anderen auch den Leo – Perutz – Preis 2010 gewonnen hat.
  Man mag beim Lesen an Wolf Haas erinnert werden, in Wahrheit aber wird der Vergleich Haas - Slupetzky weder dem einen noch dem anderen Autor wirklich gerecht. Wolf Haas besticht durch seine ihm eigene Schreibweise, bei der er den Leser oft direkt anspricht, Stefan Slupetzky wiederum führt eine fast noch spitzere Feder als Erstgenannter die er geschickt mit dem unverkennbaren Wiener Schmäh verbindet.

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