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Fritz Zorn
Mars

Fischer
224 Seiten
DM 14,90


Von Volker Frick am 21.03.2000

  Auf der Krebsstation wär' Leben eine prima Alternative und Krankheit keine Metapher.
  Der Autor Fritz Zorn (ein Pseudonym) hinterliess ein Buch mit dem Titel "Mars". In seiner Einleitung schreibt Adolf Muschg, Krebs sei eine "Krankheit in Anführungsstrichen" und "ein asozialer Prozess der biologischen Norm". Der im Alter von 32 Jahren verstorbene Fritz Zorn schreibt, "dass die Schäden, die durch eine falsche Erziehung hervorgerufen worden sind, so gross werden können, dass sie in ihren extremsten Formen (wie das nun bei mir der Fall zu sein scheint), sich auch als neurotisch bedingte Krankheiten, zum Beispiel Krebs, manifestieren können."
  Den Tumor am Hals bezeichnet er als "verschluckte Tränen", was an die Sprechweise des Es, wie Georg Groddeck es sah, gemahnt: "Es versteht sich von selbst, dass das Es, wenn es mit einfachen Mitteln seine Ziele nicht erreicht (...) zu Kehlkopfgeschwüren, zum Krebs greift." Die Diskrepanz zwischen Innen und Aussen und der Wahnsinn der Normalität. Und wenn der Krebs als "Granit der materiellen Vorgänge"(Viktor v. Weizäcker) aufgelöst wird und wir beginnen dem Gedächtnis der Natur, den "morphischen Resonanzfeldern"(Rupert Sheldrake), zu lauschen? Solschenizyn auf die Frage, wie er so unheilbar erkrankt ("Krebsstation") habe überleben können, gegenfragt, wer denn sonst die Bücher hätte schreiben sollen, die er noch schreiben hat müssen...
  Fritz Zorn schliesst sein Buch mit dem Satz "Ich erkläre mich als im Zustand des totalen Krieges." Nur blanke Wut in Worte gegossen, verstehbar, und umso unerträglicher dieses Dokument eines Menschen, dem es nicht gelungen ist sich zu erreichen, wo alles Krankheit zum Tode ist. Unangemessen zu reagieren entblödet nicht sich zu entblössen. Wo das eigene Leiden nicht verantwortet wird flieht das Leben. Was bleibt sind zwei anonyme Daten auf einem Stein. Ein Buch. Und ein Empfehlungsschreiben.

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