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Manfred Koch
Hexenspiel. Psychokrimi

Molden Verlag
2011
164 Seiten
ISBN-13: 978-3-85485-291-9
€ 19,95


Von Günther Stockinger am 24.06.2011

  Manfred Koch, Jahrgang 1950, Grazer und seit 1971 in Salzburg ansässig, war Werbetexter, Dramaturg und Regieassistent. Er schrieb jahrelang eine satirische Kolumne in den Salzburger Nachrichten, war Mitbegründer und Autor des Salzburger Affronttheaters, wofür es 1995 den Kabarettpreis „Salzburger Stier“ gab.
  Kochs Theaterpranke ist auch in seinem zweiten Psychokrimi (nach „Totenstille“, 2008) spürbar. Sorgfältig komponiert, dramaturgisch ausgefeilt entfaltet Koch ein vielfältiges Panorama heimischer Befindlichkeiten.
  Wie im klassischen Drama führt ein Prolog in die psychische Befindlichkeit einer der Protagonistinnen der Geschichte ein, bevor nach Wochentagen geordnet, die Story ihren Lauf nimmt. Der „Fall“ (eigentlich mehrere „Fälle“) spielt sich in knapp einer Woche ab, von Montag bis Freitag.
  Die einzelnen Tage werden in Unterkapiteln aus jeweils anderer Erzählperspektive dargestellt, so dass die Fälle dem Leser/der Leserin aus jeweils anderer Sicht geboten werden. Dieser technische Kniff trägt zur Kurzweil bei.
 
  Klaus Wagner, einfacher Polizist in Salzburg/Taxham, steht am Beginn seines 14-tägigen Urlaubs. Er ist nicht mehr jung und wird an vielen Orten seiner Heimat an Kindheits-, Jugend and andere Episoden seines Lebens erinnert. Wagners Leben ist das eines durchschnittlichen Österreichers der ersten Generation nach dem 2. Weltkrieg. Vater ebenfalls einfacher Polizist, autoritär, Einfamilienhausbau „mit ihren eigenen Händen“, Konflikte des jungen Klaus mit seinem Vater, Abwendung vom Elternhaus. Den Tod seiner Schwester Julia hat er nie verwunden, sie kehrt im Buch in seiner Psyche immer wieder. Rückkehr in sein Elterhaus nach dem Tod seines Vaters.
  Wagners Mutter, durchschnittliches österreichisches Frauenleben, ist 86 und leidet an Alzheimerschüben. Gleichzeitig rekapituliert sie in den hellen Momenten ihr und ihrer Familie Leben. Koch gelingt es auf diese Weise durchschnittliches, „normales“ Leben knapp auf den Punkt zu bringen.
 
  Die „Fälle“ selbst sind da bloß der Aufhänger: Zwei Mädchen verschwinden, die Boulevard-Presse schürt die Angstvorstellungen der Bevölkerung auf bekannte Weise, der Mechanismus der Boulevardberichterstattung wird augenfällig bloßgelegt. Auch dies ein Verdienst Manfred Kochs. Tagebucheinschübe einer Freundin der beiden halten den Leser/die Leserin auch aus dieser Sicht auf dem Laufenden und geben nebenbei etwas Einblick in die Salzburger Satanistenszene.
  Koch ist vorerst am Rande mit dem Verschwinden der beiden Mädchen befasst, gerät im Verlauf der Geschichte aber immer stärker in den Sog des Falles. Eine überraschende Wendung am Freitag, dem letzten Kapitel, sorgt für den Höhepunkt in diesem Psychokrimi, bevor mit einer Art Epilog die Story ihr Ende findet.
  Insgesamt ein stimmiges Buch, in dem grafisch das Buchcover mit dem Inhalt geschickt verbunden wird: Ameisen sind in der Tat fleißige Tiere. Chapeau, Manfred Koch.

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