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Anise Koltz
Blitzaufnahmen

2011


Von Volker Frick am 17.03.2011

  Anise Koltz, Jahrgang 1928 (Luxembourg), ist Dichterin, Übersetzerin (Le´opold Se´dar Senghor) und Fotografin. Mitbegründerin des Literaturfestivals Les Journées littéraires de Mondorf und eines der Gründungsmitglieder und Vize-Präsidentin der Académie Européenne de Poésie. Übersetzungen ihrer Gedichte erschienen in Belgien, Deutschland, Irland, Italien, Kolombien, Mazedonien, Portugal, Rumänien, Schweden und Spanien. Anise Koltz wurde mit zahlreichen Preisen für ihre Gedichte ausgezeichnet.
  In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts des vergangenen Jahrtausends erscheinen dann auch erste Gedichtbände von Koltz in Deutschland („Steine und Vögel“ (1964), „Den Tag vergraben“ (1969). Nachdem ihr Mann 1971 an den Spätfolgen der Folterungen durch die Nationalsozialisten stirbt, dichtet sie konsequent nur noch auf französisch - in Frankreich wird ihr Name in einem Atemzug mit Bachmann und Celan genannt.
  Sowohl erwähnte als auch weitere deutschsprachige Ausgaben von Gedichten dieser Autorin sind bestenfalls antiquarisch zu erheischen, umso erfreulicher die „Blitzaufnahmen“, eine Auswahl von Gedichten aus den Jahren 1993 bis 2007, im Original erschienen in neun Gedichtbänden. Für Auswahl und Übersetzung zeichnet Rüdiger Fischer.
  Es kurz und knapp begrifflich zu fassen – Haiku, Greguerías – ging fehl. Die Eröffnung lautet „Jeder Morgen / verspricht Ewigkeit“, den Vierzeiler beendet: „Jeder Sonnenuntergang / macht sie flammend zunichte“. Und das Gedicht 'Für die Ewigkeit' beginnt „Lebendig gepfählt / auf unsere Knochen / schreien wir / wer hört uns?“ - eine starke poetische Stimme, die den Leser fragend zurücklässt, da die Fragen, die Anise Koltz mit ihren Gedichten ansprechend aufwirft, schlichtweg, neben anderen, ursprüngliche Themen jedweder Lyrik sind. Falls die Sehnsucht die entkleidete Empfindung der Liebe ist, dann ist ihre Metastase Gott. „In jedem Stein / träumt ein Haus davon / zu werden.“
  Bilinguale Ausgaben von Gedichtbänden von Anise Koltz sind an dieser Stelle noch anzuführen, wie „Le cirque du soleil“(1966) oder „Sich der Stille hingeben“(1983), doch ist es bemerkbar: diesem Buch fehlen die Originaltexte nicht. Ungewöhnlich ob der Tatsache, dass ein nicht unerheblicher Teil der Publikationen des Verlag im Wald gleich mehrsprachige Editionen sind, z.B. sechssprachig: Gaston Puel, „Dieser Gesang zwischen zwei Sternen“ (2001).
  Die Transkription durch Rüdiger Fischer ist eine reine kristallklare Übertragung. Anise Koltz' Gedichte sind Ruf und Zeugnis der Sehnsucht, zugleich wissen sie vom Ziel als Ursprung.
  „In mir wohnt die Angst / ich strecke den Kopf / aus dem engen Schädel // Ein ganzes Land befreit sich / von seinem Diktator“.

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