Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Douglas Coupland
Generation A

Tropen
2010
Übersetzt von Clara Drechsler und Harald Hellmann
330 Seiten
ISBN-13: 978-3-608-50110-0
€ 19,95


Von Alemanno Partenopeo am 01.02.2011

  Mit „Generation X“, der „groundbreaking novel“, die 1991 bei der St. Martin`s Press in New York erschienen war, traf Douglas Coupland genau den Nerv der Zeit. Wie kein anderer Autor der 90er nahm er tatsächlich das Lebensgefühl einer ganzen Generation vorweg. Zudem schöpfte er so unvergessliche Begriffe wie „poverty jet set“, „mcjob“, „brazilification“, „decade blending“ oder „cult of aloneness“. Die amerikanische Originalausgabe stellte die Begriffe lexikalisch an den Rand des Fließtextes und erklärte sie so wie Wörterbucheintragungen, als gehörten sie bereits zum Reservoir des alltäglichen Lebens zumindest in den USA.
 Generation A as groundbreaking as?
  19 Jahre später sind die von Coupland geschöpften Begriffe tatsächlich schon alltäglich geworden und prägten nicht nur die Jugend der inzwischen alt gewordenen Generation X, sondern auch der Epigonen. Als Einleitung zu Couplands neuem Coup, dem Roman „Generation A“, zitiert der Autor Kurt Vonnegut, der schon 1994 einen Haufen Studenten zur Generation A erklärte, da er sie an den Anfang „einer Reihe spektakulärer Errungenschaften und Reinfälle wie einst Adam und Eva“ stellen wolle. Davor steht ein Zitat von Malcolm McLaren: „Terrorisiere, bedrohe und beleidige deine eigene nutzlose Generation. Plötzlich steht man für eine neue Idee, und irgendwelche Leute wollen mitmachen.“ Ersteres, nämlich die Beleidigung, dürfte Coupland mit seinem neuen Roman definitiv gelungen sein.
 Solon oder das isolierte Leben im 21. Jahrhundert
  „Ich sah, dass jeder von uns auf seine Weise ein völlig isoliertes Leben führte. Ich glaube, dass die moderne Welt die Menschen voneinander trennt – dazu ist sie da -, aber es gibt zahllose Möglichkeiten, aus der Gesellschaft herauszufallen, das Leben jedes Einzelnen von uns jedoch wies im Moment des Gestochenwerdens eine auffällige Gemeinsamkeit mit dem der anderen auf. Es war ein Augenblick, in dem wir mit dem Planeten in Beziehung traten (…).“ Generation A spielt auf einem Planeten Erde der Zukunft. Die Pharmaindustrie hat ein Medikament hergestellt, „Solon“, das als kleinen Nebeneffekt, alle Bienen der Welt auf einen Schlag ausrottet. Doch eines Tages werden unabhängig voneinander fünf Menschen von Bienen gestochen. Es sind also doch nicht alle Bienen ausgestorben und folglich gibt es noch Hoffnung für die Menschheit, die inzwischen längst von „Solon“ abhängig ist. Einer der verrückten Wissenschaftler entführt die fünf Gestochenen nun auf eine einsame Insel, um aus ihnen ein Gegengift zu abstrahieren, dabei müssen sie unter anderem ihre eigenes Hirnwabenbrot essen, was sie noch mehr miteinander verbindet.
 
 Die Lösung: wieder Geschichten erzählen
  Douglas Coupland legt mit seinem neuen Roman vor allem eine Kritik an der Internetgeneration vor, die sich einerseits international zu vernetzen weiß, andererseits aber nicht mehr miteinander spricht. Die Droge „Solon“ (Betonung auf „Solo“, italienisch für „allein“) könnte dabei natürlich mit dem „social network“ gleichgesetzt werden, von dem diese Tage so oft die Rede ist und was Coupland dabei in erster Linie anprangert ist sicherlich, der Verlust des Geschichtenerzählens. Das holt er selbst in seinem Roman dafür ausführlich nach, denn ein Großteil von „Generation A“ besteht aus Lagerfeuergeschichten, die sich die fünf ProtagonistInnen gegenseitig auf der einsamen Insel erzählen, um sich die Zeit zu vetreiben. Damit zögert Coupland einerseits die Spannung, aber andererseits auch die Geduld des Lesers ziemlich hinaus und strapaziert die hohe Erwartungshaltung, die man an einen Autor wie Douglas Coupland hat.
 Generation A, ein okzidentales Science Fiction Märchen
  Ein großes Kompliment gilt sicherlich den Leuten des Verlages, die ein lupenreines Cover gestaltet haben, das schöner nicht sein könnte. Es gibt also noch Hoffnung, auch für die Generation A, die so schlecht nicht sein kann. „Irgendwo im Inneren stecken Diamanten, aber Mann, sind die schwer zu finden“, schreibt Coupland. Der Zweck unseres Hierseins bestehe darin, dass ihr alle euch Geschichten ausdenkt und sie einander erzählt legt der Autor seinem Protagonisten Harj in den Mund. Das bezieht sich wohl nicht nur auf die Fünf auf der einsamen Insel, sondern auch auf den ganz normalen Alltag in New York City oder irgendeiner anderen Stadt der Welt. „(…)Geschichten erzählen erlaubt uns, zukünftige Entwicklungen vorauszusagen. Es ist der perfekte Weg, auf dem wir unsere Gehirne kurzschließen können“, meint Serge, ein anderer Protagonist, der sich noch entpuppen wird.
 Scheherezade oder 1001 Geschichten
  In 1001 Nacht muss Scheherezade (auch Schahrsad von persisch ???????? šahrzad) ihrem König eine Geschichte erzählen, bevor dieser ihr Todesurteil vollstrecken wird. Damit es nicht vollzogen wird, erfindet Scheherezade immer neue Geschichten in der Geschichte, um ihr eigenes Leben zu retten. So etwa kommt mir Generation A, ein okzidentales Science Fiction Märchen, das sich ausschließlich aus sich selbst regeneriert. Wollen wir hoffen, dass weder Scheherezade noch Coupland jemals die Geschichten ausgehen werden.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.