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Stefan Zweig
Angst

Fischer
1991
121 Seiten
DM 12,90


Von Darko Spoljar am 19.03.2000

  Der hierzulande wohl nicht so sehr bekannte österreichische Autor Stefan Zweig hat eine so interessante Lebensgeschichte und war zumindest auch ein solch ein interessanter Mensch, wie es seine Novellen sind. Der Reclam-Verlag (soll mal einer sagen, diese "dünnen, gelben Heftchen für die Schule sind doch Sch... "!) hat sich in den letzten Seiten bemüht, den Autor näher zu beleuchten.
  Zweig war ein Philanthrop, der half, wo er nur konnte, der an Menschen glaubte und sie förderte, der in jedem ein Talent zu sehen glaubte. Auch seine vielen Reisen durch fremde Länder (unter anderem Brasilien, welches er sehr schätzte) zeugten wohl den Menschen der er war, doch sein Dasein endete tragisch, nahm er sich doch - zusammen (!) mit seiner zweiten Frau - kurz vor seinem 60. Lebensjahr das Leben. Soviel zur Geschichte des Autors.
 
  In seiner Novelle "Angst" wird die Geschichte der Frau Irene, die aus einem reichen Hause stammt, erzählt und die ihren Mann mit einem anderen betrügt. Als sie eines Tages dann aus dem Hause ihres Liebhabers schreitet, wird sie von einer in billigen Kleidern umhergehenden Frau erwischt, die sie schroff anschreit und behauptet Frau Irene würde ihr den Mann wegnehmen. Da die Fremde genau weiß, das Irene Geld hat, erpresst sie die Ehebrecherin und verlangt einiges an Geld von ihr. Aus Angst, diese Fremde könnte alles dem Mann Irenes erzählen, gibt sie ihr das Geld und rennt voller Panik nach Hause, wo sie ihren Mann und ihr gemeinsames Kind vorfindet.
  So wie die Angst langsam anfängt, schreitet sie in extremer Weise fort, denn die Frau des Liebhabers taucht plötzlich unscheinbar bei Irene auf und erpresst sie um noch mehr Geld.
  Irene - wieder voller Verzweiflung und aus Angst, das ihr Mann nicht plötzlich aus seinem Arbeitszimmer auftaucht - gibt ihr dieses und hofft damit auf ein Ende, aber dieses ist noch lange nicht in Sicht. Immer wieder taucht die ruppige Frau auf und zwingt Irene ihr noch mehr Geld zu geben, bis Irene schließlich keines mehr hat, doch das Spiel geht weiter. Jeder Tag und jede Nacht werden für Irene zum Verhängnis. Ständig lebt sie in Angst, dass die Fremde wieder und wieder auftauchen würde. Auch ein Hilfe-Gesuch bei dem Liebhaber nützt Irene nichts und ihrem Mann entgeht diese Veränderung natürlich nicht.
  Das Ganze steigert sich noch in der Szene, wo Irene schon kein Geld mehr besitzt (und nach mehr müsste sie den Ehegatten fragen), die andere dann jedoch den Ehering verlangt, denn der würde sicherlich auch einiges einbringen. Und als Irene sich weigern will, hört sie plötzlich die Schritte ihres Ehemanns...
 
  "Angst" erzeugt wirkliche Angst und zwar nicht nur bei Irene, sondern auch beim Leser der von dieser unsagbar spannenden Lektüre nicht die Finger wird lassen können. Genauso wie die Protagonistin, fiebert auch der Leser mit. Der Horror findet im Kopf statt und wird ständig gesteigert.
  Zweig versteht es vollkommen, die Klaustrophobie zu beschreiben, in die sich Irene eingezwängt fühlt, veranschaulicht aber auch, in welchen engen Sack sie sich selber schnürt, weil ihre Lügen sie immer mehr einkreisen, bis es schier keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Bis ins kleinste Detail beschreibt der Autor die Panik seiner Heldin, schildert die Angst in all ihren Einzelheiten, beschreibt Situationen, wo man nur noch hoffen kann, dass sich die Heldin mit letzter Kraft und in letzter Sekunde noch irgendwie aus der Schlinge zieht.
  Der Charakter der Erpresserin trägt natürlich auch noch ihr Übriges bei; nicht nur, dass sie alles von Irene verlangt, sie verlangt es auch noch auf eine direkt-schroffe Art, welche die Ehebrecherin noch zusätzlich vor Angst lähmt.
  Genial sind auch die Abschnitte, wo Irene mit ihrem Mann zusammen ist und die beklommene Atmosphäre unweigerlich auf den Leser überspringt und dann diese Stille...
  Wie das ganze nun endet und welch überraschende Wendung alles nimmt, wird natürlich hier nicht preisgegeben, verraten darf man allerdings nur, dass der "Aha-Effekt" am Ende groß und der Leser um einen weiteren ausgezeichneten Autoren reicher ist.
 
 Fazit:
  Unglaublich spannende Novelle über Ehebruch, Lüge und die Angst, die bis ins Unerträgliche driftet.

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