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Martin Mucha
Papierkrieg

Gmeiner Verlag
2010
372 Seiten
ISBN-13: 978-3839210543
€ 11,90


Von Alfred Ohswald am 31.12.2010

  Der notorisch mittellose Arno Linder ist Alt-Philologe und mit recht geringem Gehalt an der Universität tätig. Eines Tages findet er in einer Nachbarwohnung einen Ermordeten und ein reichlich zugedröhntes Mädchen. Aufgrund ihres Autos vermutet er zu recht reiche Eltern und bringt sie noch Hause, nachdem er die Mordwaffe sicherheitshalber ebenfalls mitgenommen hat. Tatsächlich stellt ihm ihr Vater, ein wohlsituierter Wirtschaftsanwalt, Geld in Aussicht, sollte seine Tochter aus der Geschichte herausgehalten werden können.
  Aber die Sache zieht weitere Kreise, als Linder anfangs vermutet. Der Ermordete hatte seine Finger anscheinend in einer gefährlichen Sache drin und neben der Polizei hat Linder bald auch die russische Unterwelt am Hals.
 
  Die Geschichte ist spannend, nicht ungeschickt konstruiert und recht flott erzählt. Aber leider ist die Hauptfigur reichlich unglaubwürdig.
  Von einem bettelarmen, musikalisch in den späten 60ern hängen gebliebnen 68er, der zu allen Klischees auch noch einigermaßen häufig Kifft, sobald er ein paar Euro in der Tasche hat, entwickelt sich der Alt-Philologe recht schnell zu einer Art Superheld. So baggert ihn eine intelligente Traumfrau geradezu unvermittelt an und er schlägt schon mal einen Leibwächter der russischen Mafia zusammen.
  Überhaupt passieren manche Dinge etwas arg unvermittelt. Hier hätte durchaus mehr Mühe in den Handlungsaufbau investiert werden können. Sonst ist das ja, wie oben erwähnt, eine der Stärken dieses Romans.
  Sollte Martin Mucha sich stilistisch etwas an Dashiel Hammett und Raymond Chandler orientiert haben, ist die Sache gründlich in die Hose gegangen. Seine Metaphern sind oft banal und nicht besonders glücklich gewählt („Der Schlaf hing mir wie Blei um den Hals“).
  Generell hätte etwas mehr Überarbeitung und/oder Lektorrat nicht geschadet, wie der folgende Ausschnitt deutlich zeigt:
  „Ich erzählte Eugen so viel, wie ich für klug empfand. Er strich sich über die Haare an seinen Schläfen, heizte eine weitere Chesterfield an und blies den Rauch aus. Nachdem er mit drei Zügen die Hälfte der Zigarette zu Asche verwandelt hatte, blies er den Rauch aus und begann zu sprechen. ‚Das klingt aber ungemütlich. Würd ich nicht mitmischen wollen.’ Eugen schaute nachdenklich in sein Bierglas. ‚Du hast also mit den Bullen zu tun. Das ist kein Spaß mit denen.’ Er zündete eine neue Zigarette an, und nachdem er den Rauch ausgeblasen hatte, legte er los.“

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