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The Doors
When You're Strange

2009
€ 15,99


Von Alemanno Partenopeo am 16.12.2010

  Noch vor kurzem im Kino, jetzt schon auf DVD und Blu Ray erhältlich wartet der Film des 57-jähirgen Tom Dicillo mit einigen Überraschungen auf und die Ausgaben von ARTHAUS sogar mit einigen Extras, wie etwa einem Interview mit Jim Morrisons Vater und Schwester, Interview mit Tom DiCillo, Fotogalerie, Trailer, Wendecover. Der einstige Kameramann von Jim Jarmusch weiß nicht nur durch seine Montage zu glänzen, sondern auch durch einige geniale Einfälle, wie etwa den autofahrenden Jim Morrison der Ankündigung seines eigenen Todes im Auto zuhörend. Und Gas gebend durch die Wüste Arizonas.
 
 Jim Morrison beim Segeltörn
 
  Ein weiterer Knüller ist natürlich die begleitende Stimme von Johnny Depp, der aus dem Off kommentiert und die unzähligen Live-Aufnahmen der Doors, die Tom Dicillo zu einem einzigartigen Dokument verknüpft. Bisher ungesehene Kurzfilme von Morrison und noch nie gesichtetes Archivmaterial, das „The Doors“ auf der Bühne, hinter der Bühne und in privaten Momenten (zum Beispiel Morrison beim Segeln) zeigt, tun ihr übriges, diesen Film nicht nur für Fans zu einem wahren Meisterwerk werden zu lassen. Waren die Tausenden Fans etwa tatsächlich nur gekommen, um Jim Morrison zuzusehen, wie er sich ekstatisch in Agonie auf dem Boden von unzähligen Bühnen Amerikas wälzte? Die Nekrophilie steht den Zuschauern stets in den Gesichtern, aber wohl nirgends wird einem das so bewusst, wie bei den Aufnahmen der Doors-Konzerte, die Dicillo zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk neu verknüpfte.
 
 Der Krieg ist vorbei
 
  „The war is over, baby“ singt Morrison im Lied vom unbekannten Soldaten („Unknown Soldier“) und auch hier, im Video, sieht man einen sterbenden Morrison. Der Vietnam-Krieg wurde nicht zuletzt aufgrund des Drucks der amerikanischen Bevölkerung beendet, aber die Sechziger waren vor allem auch ein Jahrzehnt der Gewalt und nicht der friedlichen Konfliktlösung. Jim Morrison von den Doors wollte seine Zuhörer aufwiegeln, um weiß Gott was zu machen, wahrscheinlich wusste er es selbst nicht, als er in der berühmten Szene in Miami, umringt von Polizisten, statt seines Mikrophons zuerst etwas anderes in der Hand hält. Morrison schrie zwar etwas von Revolte und wollte sein Publikum gegen die Polizisten aufhetzen, gleichzeitig beschimpfte er aber auch seine Generation, ohne die er eigentlich gar nichts gewesen wäre. Jedenfalls kein Rockstar. Aber das wollte er ja ohnehin nicht werden, vielmehr jedoch ein Dichter.
 
 Rebel without a cause?
 
  In der Ed Sullivan Show singt er denn auch „Girl, we couldn`t get much higher“ in die Kamera, aber man hat fast das Gefühl, als würde er die Anweisungen von Ed Sullivan dieses eine Wort auszulassen schlicht und einfach vergessen haben. So als wäre er nur ein Rebell aus Zufall gewesen, aus Unachtsamkeit, Vergesslichkeit, denn eigentlich war Morrison viel zu feinfühlig ein Sexsymbol zu werden, ein Image gegen das er sich zeitlebens zur Wehr setzte. Rebel without a cause? Morrison sah mit 27 schon aus wie ein alter Mann, man muss sich das vorstellen, wie man sich selbst in so kurzer Zeit herunterwirtschaften kann zu einem körperlichen und geistigen Wrack. Und wie so oft in der griechischen Tragödie rafft sich der Held noch einmal auf und versucht sich in der letzten Szene gegen das ihm von den Göttern bestimmte Schicksal aufzulehnen und muss doch scheitern. Während „L.A. Woman“, das letzte Album der Band boomte, setzte er sich nach Paris ab, ein neues Leben als Dichter zu beginnen.
 
 Das Grab ist leer
 
  Paris sollte die letzte Hoffnung, aber auch die letzte Station seines Lebens werden. Am Ende steht auch für Dicillo die Büste des Grabsteins von Pere Lachaise, der Pariser Friedhof im 20. Arrondisement auf dem Morrison auch heute noch begraben liegt. In den Achtzigern kursierte ein Gerücht, dass kein Geringerer als Michael Jackson diese Büste geklaut haben soll, denn wer heute den Jakobsweg nach Paris auf sich nimmt, wird einen schlichten Grabstein finden. Im Hinterkopf der Büste waren – wohl von einem Fan – die Worte eingeritzt: „The Grave is empty“, das Grab ist leer. Dies zeigt auch der Film von Tom Dicillo, zumindest Morrisons Geist ist immer noch am Leben und mehr noch seine Poesie, die ihm vielleicht wirklich noch als Dichter gerecht wird. Auch das zeigt Tom Dicillo: einen armen, verwaisten Poeten, den die Götter liebten und wohl deswegen so früh zu sich holten, um seine Verse besser hören zu können und ihnen zu lauschen. „People are strange, when you're a stranger/Faces look ugly when you're alone/Women seem wicked when you're unwanted/Streets are uneven when you're down/When you're strange…“.

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