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Marc Malès
Die Packard Gang

Schreiber & Leser
144 Seiten
ISBN-13: 978-3-941239401
€ 17,80


Von Alemanno Partenopeo am 15.11.2010

  Dieser packende Comic aus der noir Serie des Schreiber & Leser Verlages verdient den Titel „Graphic Novel“ im wahrsten Sinne des Wortes. Marc Malès schafft es einen packenden Gangster-Thriller auf Papier zu bannen, der es sowohl psychologisch als auch actionmäßig voll in sich hat und bis zum letzten Moment spannend bleibt. Die S/W Gestaltung seiner Zeichnungen passt sich dabei perfekt dem Sujet des Gangster-Thrillers an und vermittelt eine authentische Atmosphäre des Amerikas vor der großen Wirtschaftskrise 1929. Auch wenn die Handlung selbst dabei natürlich völlig zeitlos bleibt, denn es geht um die inneren Konflikte, Schuld und Sühne, späte Rache, Läuterung, vor allem aber um die Wissensbegierde des veralteten und frustrierten Cops Barton, der es einfach nicht lassen kann, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wie sich erweist, wird seine Reise in die Vergangenheit, ein sehr heilsames Erlebnis für ihn und am Ende wartet vielleicht sogar auf ihn, die große Liebe seines Lebens.
 
  Religiös ist auch der Beginn der „Packard-Gang“. Bibelzitate schmücken die erste Zeichnung des französischen Comiczeichners Marc Malès und Bibelzitate stehen auch am Ende seiner Hommage an die amerikanischen Polizisten und Kriminellen. Damit nicht genug schwirrt auch eine weiße Friedenstaube durch die ganze Geschichte und am Ende der Geschichte taucht sie wieder auf, fast so wie der Heilige Geist, der Gutes vollbracht hat. Das soll aber keineswegs abschreckend wirken. Jeder reuige Sünder ist ein Gewinn für Gott und wer die Einsicht hat, sei es auch noch so spät, dem wird verziehen werden. Das zumindest vermittelt die packende Story um die Packard-Gang: Der Bankräuber Foster hat seine Strafe verbüßt und sich aufs Land zurückgezogen, eine brave Frau geheiratet und einen braven Job als Warenzusteller gefunden. Abends vor dem Schlafen gehen – in übrigens getrennten Betten – liest er seiner Frau aus der Bibel vor und schläft glücklich und ausgeglichen vor Mitternacht ein. In diese Idylle platzt der Polizist Barton, ein schlecht gelaunter, grummeliger alter Mann, der sich gerne mal Pornozeitschriften oder ab und an auch eine Nutte leistet. Die Gegensätze der beiden Charaktere könnten nicht besser geschildert werden: auf der einen Seite der reuige Sünder, verkörpert durch den Bankräuber Foster, auf der anderen Seite der strenge Arm des Gesetzes, Barton, ein zynischer perverser alter Sack, der der Läuterung Fosters einfach keinen Glauben schenken kann und will, weil er selbst schlecht ist.
 
  Als Barton den Warenzusteller Foster bei einem seiner Ausfahrten begleitet und auf dem Beifahrersitz seines alten, schäbigen Pickups Platz nimmt, setzt er sich beinahe auf die Bibel. „Als Kind haben meine Eltern mir auch ständig damit zugesetzt. Mir sind aber zuwenig Bilder drin“, meint der frustrierte Inspektor. Aber Foster antwortet schlagfertig: „Das kommt darauf an, was man unter Bildern versteht, finde ich.“ Tatsächlich gibt es wohl keine schöneren Bilder, als die, die im Kopf entstehen, wenn man ein Buch liest. Dennoch sollte man sich diese Graphic Novel nicht entgehen lassen, denn sie ist wirklich gut für jedermann`s Seelenheil. „Ein Widerspenstiger macht einen Weisen unwillig“, wird Ecclesiastes von Foster zitiert und auch wenn das Verständnis dieser Phrase dem Leser vorerst einige Schwierigkeiten macht, so wird einem doch bald klar, dass auch ein schlechtes Gewissen einen zu guten Leistungen anspornen kann. „Stell keine Frage, dann hörst du keine Lügen“ ist dabei aber sicherlich die falsche Einstellung. Denn wer lernen will, muss fühlen. Die Packard-Gang ist eine ausgezeichnet erzählte und gezeichnete Geschichte über die Läuterung eines Bankräubers und Mörders, aber auch die des Inspektors und vermeintlichen Vertreters von Recht und Ordnung. Nur wer selbst unschuldig ist, werfe den ersten Stein. „Denn auch die Sünder lieben ihre Liebhaber“, Lukas 6.27-37 …

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