Fritz Muliar Denk ich an Österreich Eine Bilanz
Residenz 2009 272 Seiten ISBN-13: 978-3-7017-3142-8 € 21,90
Von Manuela Sokele am 09.05.2010 Mit „Denk ich an Österreich“ hat Fritz Muliar unter Mitarbeit von Helmuth A. Niederle sein letztes Buch knapp vor seinem Tod am 4. Mai 2009 (Herzversagen) beendet. Auch wenn nach dem letzten Kapitel „Wien, im April 2009“ steht, so hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass dieser Ausnahme-Schauspiele und ganz besondere Mensch es irgendwie gespürt haben muss, dass er nicht mehr viel Zeit hat, dass dieses Buch erst nach seinem Tod erscheinen wird. Denn er hätte – wie er immer wieder erwähnt – doch noch so viel zu sagen gehabt. Auch beim Lesen des „politischen“ Teils des Buches schien es mir, als ob ich eine Art politisches Testament, eine Art Ratschlag an die Regierung dieses überaus intelligenten Schauspielers in Händen halten würde. Es ist aber auch eine Abrechnung. Fritz Muliar, der bekanntlich sagte, was er dacht, nimmt sich auch hier kein „Blatt vor den Mund“, um klar und deutlich zu sagen, was er von der Politik des von ihm so geliebten Landes hielt. So hart die Kritik an der Politik ist, so gefühlvoll ist die „Liebeserklärung“ ans Theater, an seine letzte Theaterheimat, die Josefstadt, und an die Kollegen die ihm mehr als Bühnenpartner waren. Auch hier schien es mir, als würde der Künstler ein letztes Wort an seine Freunde richten. Einer seiner letzten Wünsche, nämlich an seinem 90. Geburtstag am 12. Dezember 2009 neben seinem „jungen Lieblingskollegen“ Michael Dangl in der Premiere von „Mr. Greens zweite Chance“ auf der Bühne zu stehen. Fritz Muliar war trotz – oder gerade wegen - seiner schweren Zeit im Krieg immer ein Mensch, der seinen Überzeugungen treu geblieben ist, egal um welchen Preis; und dafür wurde er von den einen geliebt, von den anderen gehasst. „Denk ich an Österreich“ ist somit nicht nur eine Bilanz, wie es am Cover steht, sondern sicher auch eine Art Testament, die Fritz Muliar seinem geliebten Österreich hinterlässt.
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