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Karoline Gimpl
Andalusien
Kathedralen, maurische Paläste und Gärten im Süden Spaniens

DUMONT Kunstreiseführer
2009
368 Seiten
ISBN-13: 978-3-446-23061-3
€ 26,70


Von Alemanno Partenopeo am 09.04.2010

  „Man sieht nur, was man weiß“ und wie reich wird man beschenkt, je mehr man von einer Sache weiß und damit lernt sie zu verstehen. Die Dumont-Kunstreiseführer tragen zweifellos dazu dabei, dass auch Blinde wieder sehen lernen, denn die ausführlichen Beschreibungen von Kirchen, Museen und Palästen akkumulieren ein Wissen, das auch noch so schwer verständliche Zusammenhänge zumindest erklären helfen.
 
  Die erste Station wird – nachdem ausführlich auf Geschichte, Natur und Kultur Andalusiens eingegangen wurde – in Sevilla und seiner Umgebung gemacht. Die Hauptstadt glänzt nicht nur durch eine Kathedrale und die Giralda, sondern auch das Barrio de Santa Cruz oder den Parque de Maria Louisa. Die berühmte Antigua Fabrica de Tabacos, die von George Bizet als Schauplatz seiner berühmtesten Oper „Carmen“ gewählt wurde, beherbergt übrigens seit 1949 die Universidad de Sevilla und jetzt müssen sich hier die StudentInnen die Finger wund drehen und nicht mehr die Tabakarbeiterinnen des 19. Jahrhunderts. Flamenco wird hier natürlich immer noch getanzt, wenn auch nicht unbedingt in der Universität, so finden sich doch immer noch – neben den Stierkampfarenen – Theater und Kleinbühnen, wo diesem schönsten spanischen Tanz gehuldigt wird. So gibt es etwa im Stierkämpferviertel El Arenal die Bühne „Tablao El Arenal“, wo der Flamenco in geeigneter Atmosphäre beim Abendessen beobachtet werden kann. Denn selbst ein Blinder wird erkennen, dass der Stierkampf nichts anderes als ein Tanz ist und beide menschlichen Ausdrucksformen sich in El Arenal in unmittelbarer Nachbarschaft befinden.
 
  Eine weitere Haltestelle ist Cordoba und der Norden Andalusiens, wo man einen Spaziergang über die Römerbrücke oder ins Alcazar de los Reyes Crisitianos zum Barrio San Basilio machen kann. Hier, in Cordoba, befindet sich auch ein jüdisches Viertel und im Umland der Weinanbau von Montilla oder die Ortschaften Baena, Luque und Zuheros oder Priego de Cordoba, das durch seine andalusische Barockarchitektur bekannt ist. Reich bebildert ist übrigens nicht nur dieser Teil des Reiseführers, der sich dem Norden Andalusiens widmet. Weitere kulturelle Höhepunkte Andalusiens sind die Renaissancestädte Baeza und Ubeda, aber auch der Osten mit Almeria und seiner Wüstenumgebung (die einzige Wüste Europas in Tabernas) hat mit einigen Überraschungen aufzuwarten: Los Millares gehört zu den bedeutendsten Fundstellen der Kupferzeit und die Küste wird ebenso gelobt wie der Praje Natural Karst en Yesos von Sorbas. Hier befinden sich Höhlen, mehr als 600 Grotten wurden gezählt und Stalagmiten und Stalaktiten en masse können vom interessierten Besucher bewundert werden.
 
  Auch Granada liegt in Andalusien und wurde wohl vor allem durch seine maurischen Spuren bekannt: „Quien non ha visto Granada, no ha visto nada“ kontern die Granader den angeberischen Hauptstädtern aus Sevilla und fürwahr bietet ihre Stadt dem Besucher einige architektonische und kulturelle Highlights. Der „Granatapfel“ liegt zwischen drei Hügeln und wird von zwei Flüssen durchzogen, im Hintergrund ragen die oft schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada auf und über der Stadt thront die rote Maurenburg Alhambra, das meistbesuchte Monument Spaniens (!). Hier fand auch die Reconquista ihr Ende und als der maurische Herrscher Boabdil abzog und sich auf einem Hügel noch einmal nach seiner geliebten Alhambra umdrehte, um eine Träne zu vergießen, dem wird heute noch durch zwei Orte gedacht, die den Namen „El ultimo suspiro del moro“ (der letzte Seufzer des Mohren) und „Cuesta de las Lagrimas“ (Höhe der Tränen) tragen. Tatsächlich bedeutete der Verlust der Morisken, der zwangsgetauften Muslime, die die städtische Mittelschicht bildeten, bald darauf den wirtschaftlichen Zusammenbruch Granadas, die Stadt wurde zu einem Provinznest, das in Dornröschenschlaf verfiel, schreibt die Autorin dieses lesenswerten Reiseführers über Andalusien.
 
  Weitere Stationen bilden dann noch Malaga und die weißen Dörfer sowie „Von der Sierra Nevada an die Costa Tropical“. Der reich bebilderte und farbige Reiseführer gehört sicherlich zum besten und ausführlichsten was man über Andalusien momentan finden kann, zudem werden viele wertvolle Internetadressen für die Vorreservierung oder auch andere praktische Informationen angeführt, die einem auch bei der Vorbereitung der Reise schon helfen. Einzelne Stadtpläne erleichtern die Orientierung ebenso wie die kulturellen Ausführungen und inhaltlichen Erklärungen oder die vielen Burgpläne. Natürlich wird im Anfangskapitel auch in die Geschichte Andalusiens eingeführt , sowohl in historischer als auch kunsthistorischer Hinsicht. Eine Galerie der bedeutendsten Persönlichkeiten ergänzt dieses Kompendium der Sonderklasse.

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