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Ilona Witten
Kalabrien

DuMont-Reisetaschenbuch
2006
240 Seiten
ISBN-13: 978-3-770159895
€ 12,-


Von Alemanno Partenopeo am 09.04.2010

  Geographisch reicht die Region Kalabrien von der Basilikata bis zur äußersten Stiefelspitze, wo sich auch die Hauptstadt Reggio di Calabria und auf der anderen Seite des „Stretto di Messina“ Sizilien befindet. Kalabrien wird von zwei Meeren, dem Ionischen und Tyrrhenischen, umgeben und verfügt außerdem über den Appeninischen Gebirgszug, sowie über den Pollino und die Sila, sowie einige Nationalparks wie etwa den Parco Nazionale di Aspromonte oder die Riserva Marina, wo man auch heute noch nach Seesternen und Seepferdchen tauchen kann. Kalabrien war lange Zeit nicht nur Teil der Magna Grecia oder des Byzantinischen, Oströmischen Reichs, sondern seit jeher Siedlungs- und Eroberungsgebiet verschiedenster Kulturen, seien es Araber, Normannen, Griechen, Römer Franzosen oder Spanier. Von dem einstigen Reichtum der Region kann man sich auch heute noch überzeugen, denn Kalabrien ist nicht nur von zwei wunderschönen Meeren umsäumt, sondern auch immer noch mit vielen kulturellen Reichtümern ausgestattet.
 
  Scylla und Charybdis sind zwei Schlagwörter, die nicht nur Personen, die in einem Dilemma stecken, bestens kennen, doch, dass diese beiden Orte auch tatsächlich existieren und nicht nur in der Sage von Odysseus vorkommen, hätten wohl die wenigsten geahnt, weniger noch, dass es das legendenhafte Scilla auch heute noch gibt und sich an der Meerenge zwischen Sizilien und Kalabrien befindet. Das echte oppidum Scyllaeum berindet sich auf einem Felsen und trägt als markantestes Zeichen das Castello Ruffo. Auch wenn bei Homer Skylla ein schreckliches Meeresungeheuer mit zwölf Tatzen und sechs Köpfen war, so ist davon heute auch im Castello Ruffo nur mehr wenig zu merken und auch vom obersten Felsen aus lässt sich nur sehr schwer das sizilianische Gegenstück Charybdis ausmachen. Gemeint waren mit den beiden Monstern selbstverständlich die gefährlichen Strudel, denn da wo die zwei Meere, das Ionische und Tyrrhenische zusammenkommen wird die Durchschiffung auch für jedes moderne Schiff zu einer wahren Eskapade.
 
  „Nächtlich am Busento wispern bei Cosenza dumpfe Lieder, aus den Wassern schallt es Antwort und in den Wirbeln klingt es wider, und den Strom hinauf, hinunter ziehen die Schatten tapf`rer Goten, die den Allarich beweinen, ihres Volkes besten Toten“ heißt es bei August von Platen und die Anspielung auf das Grabmal Allarichs inmitten des Busento, eines Flusses, der durch die kalabrische Provinzhauptstadt Cosenza fließt, mag manchem Besucher prächtiger erscheinen als die geographische Stelle selbst. Vom Busento sieht man heute nur mehr ein kleines Gerinnsel durch die Stadt fließen, teilweise ist das Flussbett sogar begrünt und man kann sich nur schwer einen „Strom“ vorstellen. Ähnlich wie diese Vorstellung dürften sich wohl auch so manche andere gängigen Vorurteile als null und nichtig erweisen, denn wer einmal mit den Kalabresen ins Gespräch kommt, wird schnell feststellen, dass sie gar nicht so verschwiegen sind, wie die Weltpresse gemeinhin verkündet. Natürlich gibt es die „`Ndrngheta“ (von Griech.: „andreios“ für männlich, tapfer), aber wer in Kalabrien Urlaub macht, wird davon kaum etwas merken und auch die Ursprünge des Brigantentums, das besonders in Kalabrien weit verbreitet war, lassen sich heute für den gemeinen Besucher kaum ergründen. Viel auffälliger ist da der allgemeine Druck des familiären Lebens, der Kirche und moralischer Vorstellungen, die auch heute noch für eine der niedrigsten Scheidungsraten (3,8%, Landesdurchschnitt: 10,2%) Italiens sorgen. Loyalität gilt in Kalabrien in erster Linie nämlich der Familie und nicht dem Staat, denn sie ist es auch, die einen Arbeit und Brot versorgt. Malocchio (böses Auge/Blick) und babbaluti (Krüge mit Fratzen) sorgen dafür, dass das Unheil abgelenkt wird und diesbezüglich wechseln wir das Thema zum weiteren Inhalt dieses farbigen Reiseführers.
 
  Abgesehen von einer kurzen Einführung in Land und Kultur und vielen Farbfotos bekommen die Käufer dieses DuMont Reise-Taschenbuch durch die vielen Karten und genauen Routenbeschreibungen einen praktischen und sinnvollen Überblick über die kalabrische Geographie und seine offensichtlichsten Schätze. Mit Hilfe dieses Reiseführers kann man nämlich nicht nur die schönsten Badestrände Italiens selbst entdecken, sondern auch einige Wanderungen in das Sila oder Pollino-Gebirge unternehmen, sowie die Thermen Kalabriens besuchen. Selbst ein Rafting auf dem Lao-Fluß in der Nähe des Gebirgsdorfes Morano wird angeboten und lässt einen auch in der sonnenarmen Zeit an einen Urlaub in Kalabrien denken. Die Sonne selbstverständlich scheint das ganze Jahr, auch wenn es im Dezember und Januar immerhin 14 Niederschlagstage/Monat gibt, Sonnenstunden pro Tag gibt es aber auch in diesen in unseren Landesbreiten eher tristen Monaten immerhin vier/Tag. Das reicht doch für einen Ausflug in die Grotta delle Ninfe, wo schwefelhaltige Quellen sprudeln und in der Antike einst die Sybariten badeten, die besonders für ihre Promiskuität berühmt waren….
 
  Für einzelne Städte gibt es in diesem Reiseführer sogar eigene Stadtpläne und natürlich nützliche Tipps für die Einkehr und Logie. Alles in allem also eine runde Sache, das zeigt schon der Strand und die Chiesa Santa Maria dell`Isola von Tropea auf der Titelseite, dass Kalabrien mehr als nur das blauste und klarste Wasser Italiens zu bieten hat, sondern eben auch jede Menge Kultur und Geschichte, die es lohnt entdeckt zu werden. Gurka`te bakala e levate arrenghe! Arretenente! Wer Genaueres über die gesamte Region, den sogenannten „Mezzogiorno“, also Apulien, Basilikata, Kalabrien und Kampanien wissen möchte, dem sei der ebenfalls bei DuMont erschienene „Richtig Reisen“ Reiseführer empfohlen. Der 2002 erschienene Süditalienführer von Eva Gründel und Heinz Tomek verarbeitet in aller Kürze mit viel Würze die wichtigsten Informationen über das „beste Stück vom Stiefel“ (351 Seiten, ISBN4351-5, 11€) und eignet sich hervorragend für eine ausgedehnte Reise von der Costa Amalfitana Kampaniens über Apulien und die Basilikata bis zum Aspramonte-Massiv Kalabriens.

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