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Veit Heinichen
Totentanz
Gesprochen von Stephan Schad

Goya Literatur
ISBN-13: 978-3-8337-2136-6
€ 24,95


Von Alemanno Partenopeo am 03.04.2010

  Auf dem Cover dieser Hörbuchausgabe befindet sich ein Bild der vor Jahren restaurierten Straßenbahn „Trieste-Opicina“, die von der Piazza Oberdan den Karst hinauf nach Opicina, ins slowenische Hinterland quasi, führt. Diese Fotografie wurde nicht zufällig gewählt, entwickelt sich doch im Showdown dieses Krimis eine rasante Verfolgungsjagd zwischen Proteo Laurenti, dem Commissario, und seinem Erzfeind und Rivalen. Dass dabei mit nicht ganz legalen Mitteln ein Waffenhändler zur Strecke gebracht wird, mag so manchen Leser freuen, die Staatsanwälte wären der kalabresischen Assistentin Laurentis, Giuseppina „Pina“ Cardaretto, aber ganz schön böse gewesen, hätte sich die Handlung tatsächlich so zugetragen. Außerordentliche Zeiten erfordern eben auch außerordentliche Maßnahmen und dafür ist die Kalabresin wohl genau die Richtige...
 
  Laurenti, dem 54-jährigen Commissario, den es in der vorliegenden Folge der Serie, so böse erwischt, dass er kurzfristig sogar ganz außer Gefecht gesetzt ist, hat aber noch viele andere Mitarbeiter an seiner Seite, die ihm helfen, den Fall zu lösen. Da wäre einmal seine rechte Hand, Marietta, die seit zwanzig Jahren schon über das Berufs- und Privatleben Laurentis Bescheid weiß. Der alte Haudegen, Oreste John Achille Galvano, immerhin schon 84 Lenze alt, sorgt immer wieder für unterhaltsame Kommentare und würde selbst den „obersten Rockträger“, den Papst, duzen, wenn sich nur die Gelegenheit dazu ergäbe. Und dann wäre da noch die kroatische Staatsanwältin aus Pula, Ziva Ravno, die zwar seit vier Jahren ein Verhältnis mit Laurenti hat, ihn aber dennoch nicht warnt, dass die Verbrecher sich gegen ihn verschworen hätten. Proteo Laurenti ist 15 Jahre älter als Ziva und noch dazu verheiratet und als sie ihm den Laufpass gibt, kommt er ganz schön ins Grübeln. Aber Ziva will halt noch was vom Leben, vielleicht kommt ja noch der Richtige...
 
  Die kleine Wehrkirche in Rastovje sei Bibel des einfachen und leseunkundigen Volkes, unglaublich schöne Fresken aus dem 15. Jahrhundert, die das Alte und das Neue Testament darstellen und noch dazu den „Totentanz“, der ans Herz ginge. Es liegt gleich hinter der Grenze und Ziva schlägt Proteo ausgerechnet diesen Treffpunkt vor, um sich ein letztes Mal mit ihm zu treffen. Noch ahnt er nicht, was sie ihm zu sagen hat, doch sein persönliches Armageddon ist die Offenbarung von Rastovje noch lange nicht, denn es erwartet ihn noch ein viel härterer Schicksalsschlag, als nur das Ende einer Affäre. Dabei spielt sein alter Erzfeind, dessen Namen hier nicht verraten wird, eine große Rolle und manche Leute bleiben auch dieselben, selbst wenn sie sich das Gesicht operieren lassen und sich den hehren Anschein von jemandem Offiziellen geben. Der schnöde Schein trügt, das muss nicht nur Proteo Laurenti schmerzhaft feststellen, wenn er sich in dieses Abenteuer begibt. Am Ende bringt Laura, Proteos Frau, das Zusammenleben mit dem Commissario auf den Punkt: „Totentanz? Wieso? Den habe ich doch schon zu Hause!“ Ein Krimi aus der Hafenstadt Triest, mit viel Lokalkolorit, trockenem Humor und einer Prise Ironie, zumindest wie es Stephan Schads Stimme interpretiert.

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