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Kevin Canty
Mondschein und Aspirin

Rowohlt
1997
188 Seiten
DM 34,-


Von Volker Frick am 14.03.2000

  Haben Sie Kevin Canty gelesen? Wenn nicht, sollten Sie es tun. Ihn lesen. Warum?
  Na, immerhin wurden seine Stories mit den Namen von Richard Ford und Raymond Carver in einem Atemzug genannt. Was natürlich nicht ganz hinhaut, denn Canty, gleich der amerikanischen Erzählerin Beth Nugent, bedient sich psychischer Strukturen, wenn auch, ein Manko, aus genealogischer Sichtweise.
  Na klar, klassisch-realistische Erzählkunst aus Amerika. Neonbeleuchtete Katastrophe der Nacht und der Alltag pulsiert fiebrig und flüchtig am Abgrund, hautnah auf dem schmalen Grad des Moments, der trügerisch, da vergänglich.
  Zart poetisch, lyrisch sanft, lakonisch schön und zerstörerisch sind die Geschichten von Kevin Canty. Diese Frau zum Beispiel, Candy, die mit dem Bruder ihres Mannes das übliche Spiel spielt, oder jene Frau, die telephoniert und da steht ihr zweijähriger Sohn mit einer Plastiktüte über dem Kopf im Flur, verschwindet wieder, und sie telefoniert weiter.
  Luftholen, weiterlesen. Traumblitze. Man kann sie nicht aufhalten. Man ist nur Zeuge. Dieser Junge, der bei einem geistig und körperlich behinderten Mädchen, ergo einem Kind, sexuelle Erfüllung findet. Schaurig schön und direkt aus dem Leben gegriffen.
  Auf Aspirin verzichte ich vorbehaltlos, sicherlich nicht auf den Mondschein. Trügerisch, so als ob die Protagonisten nur "Gas geben" müssten und alles würde sich ändern. Im Hintergrund die Handys, die real jeglicher Kommunikation Hohn sprechen. Vor der, besser: unter der Hand, "into the great wide open", der erste Roman von Kevin Canty. Er scheint eine Liebesgeschichte, erschienen am 14.01.2000, und auch von schlechten Eltern. Eine nachrangige Empfehlung, an der Sie nicht vorbeikommen.

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