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Don Delillo
Valparaiso

Kiepenheuer & Witsch
2000
144 Seiten
DM 38,-


Von Volker Frick am 13.03.2000

  Die elektronischen Tentakel umfangen das globale Dorf - auch Sie sind angeschlossen, und finden sich wieder im Tal des Paradieses.
  Das erste Theaterstück von Don Delillo, 'The Day Room', eine metaphysische tour de force, liess einen zurück mit der Vermutung, das Verrückte die Realität besser manipulieren als jeder Gesunde. Wir wissen, für Don Delillo begann die Massenkultur mit der Live-Ermordung von J.F. Kennedy und deren Folgeveranstaltung: der Ermordung des vermeintlichen Attentäters Lee Harvey Oswald vor laufenden Fernsehkameras.
 
  Das zweite Theaterstück von Don Delillo führt uns vor Augen einen gewöhnlichen Geschäftsmann, der sich auf eine gewöhnliche Geschäftsreise begibt, in eine Stadt mit einem Namen, den auch drei oder vier Städte in anderen Teilen der Welt tragen. So findet Michael Majeski sich wieder in einer falschen Stadt mit dem richtigen Namen. Mit dem Fall der Mauer, dem Ende des Kalten Krieges treten wir vollständig ein in die Massenkultur, die Grenzen lösen sich auf, missing identity.
  Als ein medial erschaffener Jedermann des späten 20. Jahrhunderts wird uns durch Michael Majeski vorgeführt: das Ende des Kalten Krieges hat die Differenz zwischen substanziellen und unsubstanziellen Nachrichten aufgehoben. Denn als er zurückkehrt hat sich alles geändert. Wie er und seine Frau miteinander sprechen. Wie sie in aller Öffentlichkeit Dinge sagen, die sie sich privat nie sagen würden. Wünsche und Begehren verschärft durch Technologie - denn wie das Theaterstück, so hat auch das Interview Struktur, Set, Skript, und ein Live-Publikum. Wie nichts ungesehen sein darf. Wie nichts ungesagt bleiben kann. Alles unterbelichtetes beschossenes Filmmaterial.
  "Valparaiso" zeigt die Krise unseres partikularen historischen Moments durch die Geschichten von charismatischen und chaotischen Charakteren. Massenkultur. Wie konstruieren wir persönliche Identität in einer medienverseuchten Kultur? Wie ist es uns möglich eine individuelle Identität zu definieren, in einer Welt, die ihre Verbindung zur Realität verloren hat? Wer sind wir? Offline.

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