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Kazuo Koike / Kazuo Kamimura
Karma
Lady Snowblood, Band 2

Carlsen
2006
Übersetzt von Dorothea Überall
512 Seiten
ISBN-13: 978-3-551-77782-9
€ 16,90


Von Sascha Todtner am 16.08.2009

  Nach dem Sensationserfolg von Quentin Tarantinos „Kill Bill Vol.1“ als auch „Kill Bill Vol.2“ und der Faszination für die japanische Comic-Kultur ist der Manga „Lady Snowblood“ der beiden Autoren Kazuo Koike und Kazuo Kamimura ein Klassiker der fernöstlichen Graphic-Novel-Kunst und ein Meisterwerk des Rache-Motivs. Mit dem zweiten Teil vervollständigt Carlsen die klassische Handlung der „Lady Snowblood“ Yuki und ihres Rachefeldzugs.
 
  Nachdem am Ende des ersten Bands „Kind der Rache“ Yuki sich in den Händen des Erpressers befindet, tötet sie diesen bemitleidungswürdigen Menschen und erweist ihm bevor er stirbt noch einen letzten Dienst der Nächstenliebe, bevor „Lady Snowblood“ ihr Schwert für einen weiteren Auftrag zücken wird.
  Ein westlich gesinnter Unternehmer hat den Plan der Errichtung eines Schlachtenpanoramas des amerikanischen Bürgerkriegs, dass dem verabscheuungswürdigen Vergnügungsgewerbe der Yakuza als Alternative entgegengestellt werden soll. Yuki erfüllt den Auftrag in üblicher Manier und versucht den Auftrag ihrer Mutter – die geschworene Rache zu nehmen, doch für dieses Unterfangen muss der Aufenthaltsort der beiden noch verbliebenen Mörder ihrer Mutter ausfindig gemacht werden.
  Die ihr zu Dank verpflichteten Bettler verraten ihr den Aufenthaltsort eines berühmten Schriftstellers mit dessen Hilfe sie die gesuchte Nemesis befriedigen könnte. Dazu müsste sie den Poeten davon überzeugen ihre Geschichte niederzuschreiben um die Verräter aus ihren Verstecken zu locken.
  Wie geplant wird die Geschichte Lady Snowbloods von Meister Miyamara veröffentlicht und schon bald darauf melden sich die angeblich dezimierten Yakuza wieder, doch steckt nicht vielleicht einer der Mörder dahinter?
  Der letzte Akt „Die Tränen des Bambus“ erzählt die Geschichte der letzen verbliebenen Rache und ihrer Vollendung, die Yuki die ersehnte Ruhe bringen wird.
 
  Nach „Das Kind der Rache“ ist „Karma“ der zweite von Carlsen verlegte Band und zugleich letzte der klassischen Erzählung, dessen Handlung auch der Film aus dem Jahr 1973 beeinflusst hat.
  Auch der zweite Band überzeugt auf ganzer Linie und führt zum fulminanten Finale des Karmas, welches melancholisch-depressiv mit einem Streifen Hoffnung endet – dem Gedanken daran, dass die Geschichte der Lady Snowblood niemals vergessen werden wird. Zusätzlich verleiht die Fortsetzung dem Charakter Yuki eine Tiefe, die schon im ersten Band als absolut angesehen wurde, aber durch die Darstellung in den einzelnen Akten immer mehr Nuancen und Aspekte desselben aufgreift und detaillierter zeigt. Aus der vom Gedanken der Rache besessenen Lady Snowblood wird ein mitfühlendes Wesen, das selbst dem eigenen Entführer noch einen Gefallen tut, als sie dessen Geschichte und dessen Hintergrund kennenlernt, ja sogar die Ermordung dieses Menschen bedauert.
  Wenn sie im ersten Band die nationalkonservative Seite durch ein Blutbad an westlich orientierten Politikern angerichtet hat, so greift sie dieses Mal das Weltbild ihres einstigen Auftraggebers an, indem sie die pro-westliche Seite unterstützt, da Yuki sich für politische Gesinnungen nicht interessiert oder wie sie es selbst bezeichnet: „Es ist das Schicksal von Lady Snowblood jeden Auftrag zu beenden, den sie annimmt.“
  Der weibliche Samurai auf Rachefeldzug vermag es bis heute zu faszinieren und durch die in einzelne Episoden geteilte Handlung, die zwischen Rückblenden und der Haupthandlung abwechseln, einer jungen Frau, welche durch die Erfüllung ihres von Geburt an auferlegten Auftrags zur Emanzipation findet und damit zu sich selbst findet.
  Die spannende und zugleich rasante Handlung sowie die offene Darstellung von Gewalt und Sexualität sowie die düsteren schwarz-weiß Zeichnungen, die aus verschiedenen Perspektiven selbst dem geschulten Auge oftmals ein Rätsel aufgeben, lassen den Comic niemals langweilig erscheinen.
  Auch die für die damalige Zensur schon übertriebe und provokante Darstellung der Sexualität und die feministische Variation des Samurai-Rache-Stoffs haben die nachfolgenden Mangaka beeinflusst und ebenso wenig von ihrer Aktualität verloren wie die Spannung, die selbst nachfolgende Generationen von Leser ab 16 Jahren noch in ihren Bann ziehen wird.
  Meist haftet dem Begriff „Klassiker“ etwas Langweiliges, Staubiges an – dieser Manga beweist das Gegenteil, indem er den Leser mitreißt in einen Strudel von Gefühlen, wie Mitleid, Liebe, Hass, Wut und der alles bestimmenden Rache.
 
  Die hochwertige Aufmachung des Buches ist entsprechend dem ersten Band in schwarz-gelb gehalten und zeigt ebenfalls Lady Snowblood in einer Dolch zückenden Pose. Der Manga wurde nicht gespiegelt, also in der japanischen Originalleserichtung abgedruckt und enthält wie der erste Band zwei Farbdrucke der Titelfigur auf den ersten beiden Seiten. Zusammen mit dem Zusatzband „Auferstehung“, der außerhalb des klassischen „Lady Snowblood“-Zyklus steht und eine Wiederentdeckung darstellt, bilden die drei Bände „Kind der Rache“sowie „Karma“ die Trilogie des japanischen Comic-Klassikers.
 
  „Lady Snowblood – Band 2: Karma“ ist die eine gelungene und rasante Fortsetzung des ersten Bands, das auf ein grandioses Finale zusteuert und neben der spannenden und mitreißenden Handlung vor allem durch die graphische Gestaltung jenseits von Kitsch und Klischee als schonungslose Darstellung der Realität fasziniert.
  Ein einmaliger Kult-Manga, der mit den Klischees und Tabus bricht um etwas Neues und Einzigartiges zu schaffen!

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