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XXY
(2007)

Indigo
2009
€ 17,95


Von Sascha Todtner am 04.08.2009

 Regie: Lucía Puenzo
 Darsteller: Inés Efron, Ricardo Darín, Valeria Bertucelli
 Studio: Indigo
 Spieldauer: 88 Minuten
 FSK: ab 12 Jahren freigegeben
 
  „XXY“ – der für den „besten fremdsprachigen Film“ eingereichte und mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnete Film der argentinischen Jung-Regisseurin Lucía Puenzo wartete mit einer komplexen, ehrlichen und sehr intensiven Geschichte von Selbstfindung und Individualität auf, welche vor allem durch die niemals voyeuristische Darstellung der Zweitgeschlechtlichkeit überzeugt und Fragen über Geschlechtlichkeit und den Umgang mit derselben aufwirft.
 
 Inhalt:
 
  Alex (Inés Efron) ist 15 und intersexuell, das heißt sie wurde sowohl mit weiblichen als auch männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren. Durch die medikamentöse Einnahme von Hormonen konnte die schrittweise Maskulinisierung unterdrückt und somit eine Leben als Mädchen ermöglich werden. Doch nun setzt Alex die Medikamente ab, eine Streit mit ihrem besten Freund aufgrund der Intersexualität und die Ankunft von Bekannten der Eltern treffen aufeinander. Die Eltern, welche aufgrund der „Andersartigkeit“ ihrer Tochter Buenos Aires verlassen haben um ein Leben in einem abgeschiedenen Haus an der Küste Uruguays niedergelassen haben. Doch auch hier scheiden sich die Geister, während der Vater Kraken (Ricardo Darín) von der Vollkommenheit Alex spricht, erkennt die Mutter die Probleme ihrer Tochter und spielt mit dem Gedanken einer Operation zu diesem Zweck sie einen befreundeten Schönheits-Chirurgen und seine Familie einlädt. Alex und Alvaro, den Sohn des Schönheitschirurgen, treffen nach einem Streit sich in einem Schuppen wieder, in dem sich Alvaro Alex, zuerst von ihrer „Männlichkeit“ überrascht, hingibt.
  In der Zwischenzeit hat durch Alex ehemaligen besten Freund die Dorfjugend von ihrer Zweigeschlechtigkeit erfahren und drei Proleten möchten sich vom Zwitter Alex überzeugen.
 
  Die Regisseurin Lucía Puenzo nähert sich dem sehr heiklen und häufig totgeschwiegenen Thema der Intersexualität mit einer selten dagewesen Sensibilität und stellt das Individuum Alex in den Vordergrund. Auch die neutrale Darstellung des Umgangs mit Hermaphroditismus, sowohl die Operation als auch die Akzeptierung, welche Alex für sich entscheidet und daraufhin die Medikamenten ganz absetzt, werden gezeigt und wertneutral betrachtet, wenn sich auch die Protagonistin gegen eine Operation und somit für ihre Individualität entscheidet.
  Gleichzeitig fokussiert sich der Film aber nicht nur auf die Protagonistin, sondern zeigt vielmehr das Gefühlsleben aller Beteiligter. Gerade die Charakterisierung Alvaros ist überzeugend und grandios. Die Erkenntnis seiner Homosexualität, welche er sich nicht eingestehen will und durch die Zweigeschlechtlichkeit Alex ihm die Möglichkeit der Unterdrückung offenbart, welche Alex beim Abschied bloßstellt und ihn somit mit der Wahrheit der Homosexualität konfrontiert, lässt aufgrund ihrer realistischen Darstellung eine Sympathie zum Darsteller zu.
 
  Vor allem die Hauptdarstellerin Inés Efron überzeugt in ihrer Rolle als gefühlgetriebenes zerbrechliches Wesen, welches zwischen den Geschlechtswelten steht und auf der Such nach sich selbst ist. Das intensive Spiel der jungen Darstellerin und die Harmonie der Darsteller lassen über Schwächen des Films, wie die klischeehafte Anal-Sexszene zwischen Alex und Alvaro hinwegsehen.
 
  Kritisch zu bemerken ist die Titelwahl „XXY“, welche als Symbol für das Klinefelter-Syndrom steht. Die Protagonistin Alex hingegen leidet an „AGS“ (Androgenitales Syndrom), was bedeutet dass der Chromosomensatz XX gleich einer Frau ist, aber androgyne Geschlechtsmerkmale aufweist.
  Die Autorin sieht ihren Filmtitel „XXY“ als Metaphern für das Leben zwischen den Geschlechtern und drückt dieses Bild durch das Leben der Protagonistin hervorragend aus.
  Die mutige Darstellung, die niemals in voyeuristische abgleitet, sondern immer auf einer emotionalen Ebenen bleibt und die Landschaftsbilder der Küste Uruguays stehen als Symbol für die Mentalität der Bewohner und auch der Umgang mit den Meerestieren am Beispiel der Schildkröte wird kritisch thematisiert.
 
  „XXY“ stellt eine Plädoyer für Akzeptanz, Selbstfindung und Selbstverwirklichung dar sowie eine Studie von verwirrten Gefühlen, Sehnsucht nach Nähe und Toleranz dar. Die überzeugende schauspielerische Darstellung, die tragende Kameraführung und die einfühlsame Handlung über ein selten angesprochenes Thema machen diesen Film zu einem Meilenstein des neuen argentinischen Kinos abseits des „magischen Realismus“.
 Ein Film, der Fragen über Individualität, Geschlecht und Sexualität aufwirft und mutig beantwortet.
 
 Disk:
 
  Die von „Kool Film“ unter „good!movies“ vertriebene DVD „XXY“ liegt in einer Single-Disk-Edition vor, welche in einem Juwel-Case geliefert wird und das Filmcover abbildet, welches ebenfalls auf der Disk zu finden ist.
  Das Menü zeigt die Einstellung, aus der das Cover entnommen ist und ist mit der Titelmelodie des Films unterlegt und bietet die Möglichkeit zwischen Hauptfilm, Sprach- sowie Kapitelauswahl und dem Bonusmaterial zu wählen.
  Die vorliegende Fassung kann sowohl im spanischen Original, als auch in deutscher oder französischer Synchronisation angesehen werden, bei welche sowohl mit deutschen als auch französischen Untertitel einblendbar sind. Jede Tonfassung kann sowohl in 2.0 als auch in 5.1 angesehen werden.
 Untertitel
  Als Bonus hat die DVD den Trailer, ein aufschlussreiches Making-Of sowie eine Fotogalerie zu bieten und ist damit eher durchschnittlich ausgestattet.

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