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Marquis de Sade
120 Tage von Sodom
(Les 120 Journées de Sodome ou L'Ecole du Libertinage)

Anaconda Verlag
2006
479 Seiten
ISBN-13: 978-3-86647-047-7
€ 7,95


Von Sascha Todtner am 04.08.2009

  Marquis de Sade steht auch heute noch für Grausamkeit und wird so gut es geht vermieden. Der Kölner Anaconda-Verlag hat als erster Verlag, der eine weite Leserschaft besitzt, sich an das Hauptwerk des skandalösen Franzosen gewagt – „Die 120 Tage von Sodom“. 1975 wurde dieses Werk von Pier Paolo Pasolini verfilmt und ist bis heute in Deutschland indiziert, ein Grund dieses Buch zu lesen und nachzufragen!
 
  Das Buch unterteilt sich in fünf Abschnitte: eine Einleitung und die Teil 1 - 4. In der Einleitung werden uns die Protagoniste, 4 skrupellose durch Verbrechen und Betrug zu Reichtum gekommene Protagonisten vorgestellt. Die Teile 1 - 4 sind Ausführungen über verschiedene Gelüste, die aber schnell progressiv "amoralischer" werden. Teil 2-4 sind dabei auch im abnehmenden Maße ausformuliert, da man muss sich bewußt sein, dass dieses Buch ein Manuskript in Arbeit war, welches der Verfasser nie beendet konnte und zudem lange Zeit verloren geglaubt war.
  Die hier vorliegende Version hält sich an den Privatdruck von 1904.
 
  Auf keinen Fall ist dieses Werk erotisch zu nennen, vielmehr ist es Kalkulation von Erniedrigungen und Grausamkeiten jeder Art die man sich nur ausmalen kann. Menschliche Perversion kennt keine Grenzen – so oder so ähnlich könnte man die Kernbotschaft des Werkes zusammenfassen. Diese gottverlassene Welt wird nach dem Recht des Stärkeren regiert und genau dies wird in diesem Buch von Marquis de Sade überzeichnet vorgeführt.
  Ironischerweise schrieb der Autor dieses Manuskript während seiner Haft in der Bastille, so zusagen in einer ähnlichen Situation.
  „Die 120 Tage von Sodom“ ist keinesfalls ein angenehmes schönes Buch, vielmehr ist es ein aufrüttelndes schockierendes grausames Buch voller Schmerz und Leid, das von Menschenhand anderen Menschen ohne Grund, einfach aus Freude am Leid anderer zugefügt wird und der Vergleich Pasolinis mit dem NS-Regime ist nicht gerade aus der Luft gegriffen. Dieses Buch ist ein notwendiges Übel, so könnte man es ausdrücken – selten hat ein Mensch derartig nüchtern und gleichgültig, auf eine qualitätsvolle literarische Weise, derartige Perversionen dargestellt und damit die Augen geöffnet.
  Dieses Buch ist in höchster Weise psychologisch, da es die Abgründe der menschlichen Seele auf detaillierteste Weise beschreibt und zeigt. Dennoch sollte das Werk des Franzosen nur gelesen, wenn man gute Nerven hat bzw. es zwischendurch schließen, da die geladene Wucht an Grausamkeit und Schmerz ansonsten schwer zu ertragen bis gar nicht zu ertragen ist.
 
  Dem Kölner Anaconda-Verlag ist auf jeden Fall ein großes Lob für den Mut dieses Werk in deutscher Sprache zu verlegen entgegenzubringen und damit den bereitwilligen Lesern, die sich damit beschäftigen wollen und können, die Möglichkeit zu bieten.
  Das Cover stellt die Venus Poussins dar und ist passend gewählt. Das Werk ist mit zeitgenössischen Illustrationen aus dem Doppelroman Justine/Juliette versehen.
 
  Genauso wie viele Schriftsteller der Aufklärung stellt Marquis de Sade mit seinem Roman „Die 120 Tage von Sodom oder Die Schule der Ausschweifungen“ die Gesellschaft bloß und blickt ins Innerste des Menschen um seine Grausamkeiten zu beschreiben.
  Ein Meisterwerk, das aber nur wenige lesen werden und können, da die detailreiche und doch nüchterne Beschreibung der Perversionen hart an der Grenze des Erträglichen und oft darüber hinaus geht – abartig wäre ein passendes Wort!
  Ein Werk, das nach wie vor polarisiert!

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