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Sandra Strigl
Traumreisende
Eine narratologische Studie der Filmen von Ingmar Bergman, André Téchiné und Julio Medem

Transcript Verlag
2007
234 Seiten
ISBN-13: 978-3899426595
€ 27,90


Von Sascha Todtner am 29.07.2009

  „Traumreisende – Eine narratologische Studie der Filmen von Ingmar Bergman, André Téchiné und Julio Medem“ stellt, wie schon im Titel erklärt, einen Vergleich zwischen dem „besten Filmregisseur aller Zeiten“ Ingmar Bergman und zwei bekannten Größen des europäischen – speziell des französischen und spanisch-baskischen – Autorenkinos, André Téchiné und Julio Medem, dar. Dabei gelingt es der Autorin trotz verschiedener biographischer Hintergründe, nationalem Einfluss oder cinematischen Erbes, in dessen Fußstapfen sich der Regisseur befindet, die Gemeinsamkeiten herauszufiltern und doch in ihrer Individualität zu behandeln.
 
  Die Autorin Sandra Strigl gliedert diese Arbeit in 3 Teile, wobei der erste die drei Regisseure Bergman, Téchiné und Medem im Überblick vorstellt sowie auf die einzelnen Werke, die im Nachfolgenden von Bedeutung sind, eingeht, der zweite trägt den Titel „Das Erzählen in Bildern“ und erläutert die filmtechnischen Besonder- und Eigenheiten der einzelnen Filmschaffenden und ihre narratologische Bedeutung bzw. Interpretation, auf diesen Teil folgt der letzte und dritte Teil, der sich dem „Erzählen in Tönen“, also der Filmmusik und ihrem Einfluss auf das Geschehen, beschäftigt.
  Der erste Teil geht kurz und prägnant auf die drei Regisseure, ihre Biographie und Filmographie ein und beschreibt dann die für den weiteren Verlauf wichtigeren Filme, wie Bergmans „Wilde Erdbeeren“, „Persona“, „Schreie und Flüstern“, bei Téchiné auf „Meine liebste Jahreszeit“, „Wilde Herzen“ und „Alice und Martin“, sowie Medems „Kühe“, „Das rote Eichhörnchen“, „Tierra“, „Die Liebenden des Polarkreis“ und „Lucia und der Sex“, ein. Die vorgestellten Filme stehen per Exemplum für das vielschichtige Werk der Filmschaffen und werden im nachfolgenden zweiten und ausführlichsten Teil von der Autorin auf Gemeinsamkeiten in Bezug auf Einfluss und Darstellung von Zeit, Beziehungs-Bildern, Identitäts-Bildern und dem Titel gemäß Traum-Bildern untersucht und in Beziehung zueinander gesetzt, dabei geht die Autor sowohl auf die biographischen Hintergründe als auch die künstlerischen Strömungen ein, die die Regisseure beeinflussten, wie den „Surrealismus“ oder das schwedische Erbe bei Bergman, die „Nouvelle Vague“ bei Téchiné oder dem spanischen Film, der Medem beeinflusst.
  Der letzte Teil analysiert den Einfluss und vor allem die Arbeit des Regisseurs mit Musik in seinem Werk. Hier gelingt es der Autorin trotz der großen Unterschiede Gemeinsamkeiten zu finden, aber dennoch die Unterschiedlichkeit nicht zu verbergen.
  Abschließend folgt noch ein zweiseitiges zusammenfassendes Schlusswort, das einem Résumé gleichkommt und noch mal die drei Regisseure nebeneinander betrachtet.
 
  „Traumreisende – Eine narratologische Studie der Filme von Ingmar Bergman, André Téchiné und Julio Medem“ erklärt auf eine gut strukturierte Weise, die einer Diplomarbeit oder Dissertation gleicht, die Zusammenhänge zwischen dem Großmeister des europäischen Autorenkinos Ingmar Bergman als Repräsentant der „klassischen“ Ära und Téchiné und Medem als Vertreter der „jungen Generation von Autorenfilmern“.
  Hervorzuheben ist auch die neutrale wissenschaftliche Betrachtung der drei ausgewählten Bespiele und der strukturierte Aufbau, sowie der Umgang mit Fachausdrücken, die entweder im Text oder per Fußnote erklärt werden und somit das Leseverständnis und den Lesefluss nicht beeinträchtigen.
  Selbstverständlich ist es für den Leser einfacher sich in der Materie zu Recht zu finden, wenn er sich zuvor ein wenig mit dem Regisseur und seinem Werk auseinandergesetzt oder einige der Filme gesehen hat. Sollte dies nicht der Fall sein, so tut dies der Beschäftigung auch keinen Abzwang, da die Autorin sowohl sprachlich als auch inhaltlich ein detailliertes Bild sowohl vom Werk, als auch vom Urheber gibt. Einzig und allein im letzten Teil, der die Musik behandelt wäre es von Vorteil entweder die erwähnten Filme gesehen oder die Musik gehört zu haben, da sich vor allem der unmusikalische Leser ansonsten sehr schwer damit tut, der Autor auf ihrer Analyse zu folgen.
  Sprachlich überzeugt das Werk damit, dass die Autorin sich stets auf dem schmalen Grat zwischen wissenschaftlicher und doch allgemein-verständlicher Sprache befindet und diesen in keine der beiden Richtungen überschreitet und damit eine Symbiose bildet, die in diesem Gebiet selten zu finden ist.
  Inhaltlich versucht die Autorin klar und logisch nachvollziehbare Interpretationen aufzuzeigen (die trotz allem ein gewisses Maß an Allgemeinbildung und teilweise darüber hinaus in Sachen Filmgeschichte und Aufbau fordern und deswegen eine vorherige Beschäftigung vor allem mit dem Thema des surrealistischen Films erwarten), die schlussendlich im Fazit enden, „dass der Film nicht nur das Individuum mit seinen existenziellen Fragen spiegelt, sondern auch Gesellschaft und Kultur als ganzes, und somit auch Aufschluss über Entwicklung auch außerhalb des filmischen Diskurses geben kann, dafür stehen die Filme von Ingmar Bergman, André Téchiné und Julio Medem.“
 
  „Traumreisende – Eine narratologische Studie der Filme von Ingmar Bergman, André Téchiné und Julio Medem“ von Sandra Strigl nähert sich in gut strukturierter Form, klarer und präziser Sprache und inhaltlich – detailliertem Wissen einem spannenden Thema, das, wenn der Leser sich darauf einlässt, alles andere als eine trockene Analyse dreier filmischer Werke ist.

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