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Ingmar Bergman
Laterna Magica

Alexander Verlag
2003
400 Seiten
ISBN-13: 978-3895810930
€ 19,90


Von Sascha Todtner am 29.07.2009

  1987 – 20 Jahre vor seinem Tod erscheinen unter dem Titel „Laterna Magica“ die Memoiren des schwedischen Oscar-Preisträgers Ingmar Bergmans, der mit dieser Autobiographie ein bindungslos ehrliches Bekenntnis für Theater und Kino ablegt und erneut sein schriftstellerisches Talent unter Beweis stellt. Ein Leben in Worte gefasst von einem der größten Filmregisseure der Geschichte.
 
  „Laterna Magica“ schildert, eingeschlossen vom Rahmen der Kindheit, Episoden aus dem leben des Autors und Regisseurs. Es wird vom protestantisch geprägten Elternhaus, welches nur nach Außen hin den Schein einer glücklichen Familie weckte, ebenso erzählt, wie vom Streit mit dem Vater, dem Selbstmordversuch des Bruders und der wahrscheinlichen Affäre der Mutter. Bergman schildert seinen Werdegang, der von zahlreichen Misserfolgen geprägt war und nur durch Hilfe und die Lehre anderer gerettet wurde. Filmbeschreibungen, Hintergründe wechseln mit Alltagsgeschichten und Beschreibungen vom Aufflammen der Liebe bis zum Absterben derselben, aber auch von der Leidenschaft zum Theater und zum Film.
  Ein Leben in Worten – eine Autobiographie eines der größten Genies unserer Zeit, als Kreis konzipiert, beginnend bei der Geburt und wieder endet dort. Eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, die dem Leser das scheinbare Gefühl gibt den Mann hinter den Filmen zu kennen.
 
  Die Autobiographie des Schweden Ingmar Bergmans besicht durch eine klare präzise Sprache, die in gewisser Weise fast schon seinem filmischen Stil ähnelt. Der Handlungsstrang bildet, beginnend bei der Geburt, einen Kreis, der einzelne Episode aus dem Leben des Regisseurs erzählt um schlussendlich, gleich dem Film „Schreie und Flüstern“, bei einem Tagebucheintrag seiner Mutter am Tag seiner Geburt zu enden. Dabei schreibt Ingmar Bergman erschreckend ehrlich und dermaßen selbstdistanziert, dass der Begriff der Selbstkritik nicht fern liegt. Vor allem im Bezug auf seine fünf Lebensgefährtinnen bzw. Ehefrauen übt er durch seine distanzierte Haltung Kritik an sich selbst. Auch sein Umgang mit seinen Kindern wird in der Szene, als Vater und Sohn Ingmar nach dem Tod der Ex-Frau und Mutter Gun Grut aufeinandertreffen und sich nichts zu sagen haben, sehr negativ beleuchtet. Gerade diese Selbstkritik, diese Distanz macht die Autobiographie Bergmans zu etwas besonderem, da sie die Person Bergman als Mensch mit Fehlern und Schwächen darstellt, der keinesfalls mit sich im Reihen war und nur eine Handvoll seiner Filme selbst im Rückblick wirklich gelten lies.
  Interessant ist auch die Darstellung des Vaters, der immer, bis auf eine Szene, als gewalttätiger labiler Mensch dargestellt wird, der seine Familie tyrannisiert und erst im Alter für bemitleidenswert anerkannt wird.
  „Laterna Magica“ ist entsprechend dem Titel ein Bekenntnis zum Theater, zum Film – den Leidenschaften des Filmschaffenden, der sowohl in Schweden als auch in Deutschland für seine Theaterproduktionen bekannt war.
  Die Memoiren gehen Hintergrundinformationen, erzählen aus dem Leben und beschreiben gleich einem Film einzelne Szenen, die zusammen ein Bild, einen Film, eine erzählte Geschichte ergeben. Genau diese stilistische Besonderheit stellt gerade am Anfang des Buches ein kleines Hindernis dar, welches aber einmal überwunden dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut und zugleich einen wichtigen Mosaikstein im Schaffen Bergmans darstellt.
  Der Berliner Alexander Verlag, der sich vor allem im Bereich Theater, Film und Literatur seit 25 Jahren profiliert hat, gibt das Buch in einer wunderschönen broschierten Ausgabe, die durch das qualitätvolle Papier überzeugt, heraus.
 
  Die Autobiographie „Laterna Magica“ von Ingmar Bergman überzeugt sowohl sprachlich, als auch inhaltlich auf ganzer Linie. Die nüchterne Betrachtung des eigenen Lebens und Wirkens zeugen hier von besonderer Größe und bestechen durch ihre Ehrlichkeit. Jedem Liebhaber des bergmanschen Werks sollte dieses Buch in seiner Bibliothek nicht fehlen, aber auch für Leser, die sich nicht intensiv mit dem Regisseur beschäftigt haben, bieten die Memoiren des Filmschaffenden Anreize.
  Ein großartiges Buch!

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