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Jorge Luis Borges
Das Aleph

Fischer Verlag
2006
176 Seiten
ISBN-13: 978-3-596-10582-3
€ 8,95


Von Sascha Todtner am 09.07.2009

  Jorge Luis Borges zählt zum Olymp der Literatur des 20 Jahrhunderts, Kenner seines Werks stellen ihn auf eine Stufe mit Franz Kafka, nachfolgende Generationen von südamerikanischen Literaten nennen ihn als Vorbild. Mit dem vorliegenden Band „Das Aleph“ und „Fiktionen“ ist er über die Grenzen hinaus in aller Welt bekannt und verehrt.
 
  „Das Aleph“ beinhaltet 18 Erzählungen und liegt hier in der Fassung von 1952 vor. Die Geschichten loten die gesamte Bandbreite des Universums aus, begonnen bei der Unsterblichkeit über die philosophische Frage nach dem Sein bis zum Tod.
  In einer rätselhaften präzisen und doch einzigartigen mysteriösen Sprache, fabelhaft von Karl August Horst Gisbert Haefs ins Deutsche übertragen, schildert der Autor seine philosophisch-religiöse Auffassung der Welt und des Universums im existenzialistischen Sinne einer literarischen Form: der Erzählungen. In gewisser Weise erinnert der mysteriöse Stil an den deutschen Klassiker der phantastischen Literatur Gustav Meyrink und seinen Roman „Der Golem“, auch wenn „Das Aleph“ gerade durch die kurzen episodenhaften Erzählungen glänzt.
 
  Borges’ Werk ist getränkt von Wissen und es ist jedem Leser anzuraten vor Beginn der Lektüre soviel Wissen wie möglich angesammelt zu haben. Den unvorbereiteten Leser unterstützt der Kommentar, der sich im hinteren Teil des Buches befindet. Jorge Luis Borges Erzählungen bedienen sich nicht der umgangssprachlichen Phantastik – noch am ehesten in der Erzählung „Der Unsterbliche“ – sondern spielen mit dem Leser und seinem Verständnis von Realität und Surrealität, welches er in den Geschichten ineinanderfließen lässt. In Nachfolge der deutschen Romantik und ausgehend von alltäglichen Situationen beginnt der Autor eine Labyrinth zu bauen, ein Netz zu spinnen in welchem sich das Mysterium des Phantastischen entfalten kann, während der Leser ohne den Faden der Adriane verzweifelt versucht das Rätsel zu lösen. Doch schon nach den ersten zwei Erzählungen befällt den Leser die Erkenntnis, dass das Rätsel göttliche Arbeit sei, die Lösung aber nur handwerkliches Schaffen und deshalb das Mysterium als Geheimnis anzuerkennen.
  Dieser kleine Erzählungsband sollte als Ziel verstanden werden nicht alles begreifen zu können – in gewisser Weise der christliche Ansatz von der Unerkennbarkeit Gottes. Sollte es die Unterteilung von Schriftstellern in religiöse und atheistische geben, so würde man Jorge Luis Borges, den Sohn von Militärs und Großgrundbesitzern, sicherlich zu erster Gruppe zählen und trotzdem bleibt diese Symbolik subtil im Hintergrund.
  Vor allem „Das Haus des Asterion“, „Deutsches Requiem“ und „Der Mann auf der Schwelle“ sowie die Titel gebende Erzählung „Das Aleph“ stellen zwar schwerverständliche, aber einzigartige Kleinode der phantastischen Literatur dar, die ausgehend vom europäischen Verständnis der Phantastik sich neu entspinnen und verweben in einem Teppich aus orientalischen Märchen.
  Gerade der orientalisch-islamische Raum nimmt im Werk Borges’ einen großen Raum ein und gerade deshalb ist es für den Leser nötig ein Verständnis für die Andersartigkeit der Erzählungen aufzubringen.
 
  „Das Aleph“ ist ein kompliziertes, tiefgründiges Werk abseits des phantastischen Mainstreams, welches ein enorm großes Allgemeinwissen erfordert, ohne welches sich der Leser in der Vermischung der Welten verliert.

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