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Agustín Sánchez Vidal
Kryptum

dtv
2008
Übersetzt von Silke Kleemann
746 Seiten
ISBN-13: 978-3423210867
€ 8,95


Von Andreas Rüdig am 23.06.2009

  Tief unter der spanischen Stadt Antigua schlummert ein mysteriöses, uraltes Geheimnis. Während eines Papst-Besuches bricht es mit aller Gewalt an die Oberfläche. Die Kryptologe David Cameron hat nicht nur ein berufliches Interesse daran, das Geheimnis zu lüften.
 
  Vidal ist Spanier. Er wurde 1948 in Salamanca geboren. An der Universität Zaragoza arbeitet er als Professor für Film- und Medienwissenschaft. Er gilt als Experte für Luis Bunuel. „Kryptum“ ist zwar sein erster Krimi; Vidal verfaßte aber auch schon Drehbücher für Film und TV sowie Monographien zur Literatur-, Kunst- und Filmgeschichte.
 
  Der vorliegende Roman ist sehr umfangreich. Er ist historischer Roman und heutiger Thriller, Liebesgeschichte und Familiendrama, erfundene Geschichte und teilweise wie ein Sachbuch strukturiert
 
  Lesefreundlich ist dieses Gemisch nicht. Die Handlung geschieht auf 2 Zeitebenen, nämlich im Mittelalter und in der Gegenwart. Das Geschehen wirkt dabei etwas sprunghaft, so, als wolle Vidal schlaglichtartig nur die wichtigsten Szenen darstellen. Diese ständigen Szenenwechsel bergen aber auch eine große Gefahr. Der Leser verliert sehr leicht die Übersicht. Wer agiert gerade? Wie sind seine Beziehungen zu den anderen Handelnden? Auch wenn es schwerfällt: Man muß dieses Buch schon konzentriert lesen, um nicht irgendwie den Faden zu verlieren.
 
  Das Buch enthält auch Wesensmerkmale vieler amerikanischer Thriller: Es gibt einen Geheimdienst, der Geheimniskrämerei, unlautere Machenschaften und ein unkontrolliertes Eigenleben (quasi als Staat im Staat) zugetraut wird. Eine kleine Gruppe von Menschen, die einen Eiertanz aufführen, weil es gilt, emotionale Rücksichtnahmen zu nehmen, nimmt den obligatorischen Kampf gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner auf. David gegen Goliath, Gut gegen Böse – in der Literatur gibt es diesen Kampf oft.
 
  Was haben die katholische Kirche, Geheimdienst und Geheimorganisationen (wie Orden, Studentenverbindungen oder Freimaurer) gemeinsam? Man kann ihnen sehr leicht Machtstreben und Karrieresucht vorwerfen. Es fällt leicht, ihnen mangelnde Transparenz und reaktionäres Gedankengut zu unterstellen. Das Buch erinnert mich schon sehr an diesen literarischen Kunstgriff.
 
  Soviel Herzblut der Autor auch in dieses Buch gesteckt haben mag (in einer Nachbemerkung berichtet Vidal darüber), so sollte doch jeder Leser selbst entscheiden, ob er sich dieses umfangreiche Buch wirklich zumutet.

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