Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
May R. Berenbaum
Blutsauger, Staatsgründer, Seidenfabrikanten
(Insects and their Impact on Human Affairs)

Spektrum-Verlag
1997
526 Seiten
öS 423,-


Von Alfred Ohswald

  Die schier unendliche Vielfalt an Insekten, ihren Verhaltensweisen und ihren Einfluß auf die Menschen werden in diesem Buch in leicht lesbarer Form vorgestellt.
  So war zum Beispiel die Seidenraupe bei der Entwicklung des Computers indirekt beteiligt, weil die ersten Lochkarten für einen Webstuhl entwickelt werden.
  Fadenkreuze werden aus den Spinnfäden der bekannten, überaus giftigen Schwarzen Witwe hergestellt.
  Das schnelle Zuschlagen der Gottesanbeterin inspirierte einen Kung-Fu Meister zu der Kreation eines nach diesem Insekt genannten Kampf - Stil.
  Anfang des 19. Jahrhunderts waren in England dunkle Versionen des Birkenspanners unter Schmetterlingssammlern eine seltene Rarität. Doch bald waren dies häufiger als die hellere Version. In den Industriegebieten von Birmingham war die dunkle Färbung als Tarnfarbe wegen Ruß, Rauch und dem Absterben der hellen Flechten an Bäumen nützlicher. Als Gesetze gegen Umweltverschmutzung für reinere Luft sorgten, nahm auch der Bestand an hellen Birkenspannen wieder zu.
  Im Mittelalter wurde Insektenschwärme durch kirchliche Gerichte angeklagt und, trotz eines eigens für sie gestellten Verteidigers, manchmal Exkommuniziert.
  Der spätere Teufel Beelzebub war ein Gott und der Herr der Fliegen bei den Philistern in der Stadt Ekron.

Von Bruno Hopp am 17.03.1999

  Das die Beschäftigung mit Insekten, ihrem Verhalten und den Beziehungen zum menschlichen Verhalten nicht nur was für sonderliche Charaktere ist, kann Mensch bei diesem schönen Buch gut lernen. Eine gut lesbare, leicht verständliche Einführung in die Insektenwelt, wobei das "igitt, so n Krabbelviechzeuch..." auch nicht zu kurz kommt. Neben dem ewig menschlichen "wech damit" durch chemische Keule anderen Mittel werden die zahlreichen Eigenschaften von einzelnen Insektenarten vorgestellt.
  Die wissenschaftliche Systematik, Sinnesphysiologie und Ökologie werden verständlich. Wer hätte z.B. gedacht, dass ohne bestimmte Wespenarten die Welt keine Tinte kennen würde?? Dann hätte die Entwicklung der Schrift sicher einen anderen Verlauf genommen. Auch die Honigproduktion der Bienen, die Entstehung der Seidenindustrie werden beleuchtet. Der Einsatz von "Ungeziefer" zu militärischen Zwecken ebenso wie medizinisch wirksame Heilmittel werden an einzelnen Beispielen erklärt. Die Rolle von "Schädlingen" als Krankheitsübertrager, als Räuber von Nahrungsvorräten und Pflanzenschädling wird klar dargestellt. Die komplizierteren Zusammenhänge von Symbiosen, von Parasiten und Sozialverhalten werden mit Beispielen schön erklärt. Selbst die Rolle von Insekten als Objekte in der Kunst (Malerei, jap. Schnitzkunst, Kinofilme...) oder z.B. als Wappentier wird angesprochen.
  Das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches ist eine hervorragende Suchhilfe, aber die hervorragenden Literaturhinweise am Ende jedes Kapitels machen es leicht, für Schule und Studium die entsprechenden Themen sich selbst weiter zu erarbeiten.
  Meine persönliche Meinung: ein hervorragendes Buch, das in bester Weise leichtverständliche Formulierungen mit einem anspruchsvollen Thema verbindet. Der sehr sachliche Stil der Autorin wirkt nie trocken sondern ist durch ein paar Witze je Kapitel aufgelockert. Die Autorin ist Mitglied der Academy of Sciences der USA und leitet ein entomologisches Forschungsinstitut. Wer also an naturwissenschaftlichen Themen Interesse findet, kann dieses Buch mit Gewinn lesen. Absolut empfehlenswert!

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.