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Fred Pearce / Zac Goldsmith
Die Erde früher und heute
Bilder eines dramatischen Wandels

Fackelträger Verlag
2007
288 Seiten
ISBN-13: 978-3771643492
€ 39,95


Von Hans Durrer am 16.06.2009

  Es ist die allererste Aufnahme, eine ganzseitige Aufnahme des Stadtzentrums von Dubai, die mich für dieses Buch einnahm. Dieses aus der Luft fotografierte Zentrum besteht aus einer mehrspurigen, richtungsgetrennten, von Hochhäusern gesäumten Autobahn – Menschen lassen sich keine ausmachen; mich fasziniert dieser Anschauungsunterricht aus der Höhe, ob ich allerdings drunten auf dieser von Stein, Stahl, Zement und Beton errichteten Welt sein möchte, da bin ich mir nicht so sicher.
 
  „Bilder eines dramatischen Wandels“, so der Untertitel, charakterisiert dieses äusserst informative Werk treffend. Gegliedert ist es in die Themen Umweltbedingte Veränderungen, Verstädterung, Eingriffe in die Natur, Naturgewalten, krieg und Krisen sowie Freizeit und Kultur. Man könne heutzutage mit 90-prozentiger Sicherheit davon ausgehen, schreibt Zac Goldsmith, der Herausgeber von „The Ecologist“, „dass der Mensch für den Klimawandel der letzten 50 Jahre verantwortlich sei. Und er fügt an: „Durch das Nebeneinander von ‚Früher’- und ‚Heute’-Bildern können wir nicht umhin, die häufig zerstörerischen Veränderungen zur Kenntnis zur Kenntnis zu nehmen, und wir werden durchaus auch mit der dunkleren Seite des Massenwohlstands konfrontiert.“
 
  Wohl wahr, doch dieses Buch zeigt nicht eine simplifizierte ‚Früher war alles noch intakt und deshalb besser’ Sicht der Dinge, es zeigt auch Beispiele davon, wie das Eingreifen der Menschen segensreich war. So war zum Beispiel Mexiko-Stadt im Jahre 1986 ein Ort, von dem es hiess, einen Tag lang seine Luft einzuatmen, ersetze den Konsum einer Schachtel Zigaretten. Davon kann heutzutage keine Rede mehr sein, wie die Aufnahmen auf Seite 74 und 75 eindrücklich demonstrieren.
 
  Es ist dies ein in vielerlei Hinsicht lehrreiches Buch. So kann man zum Beispiel unter der Rubrik Umweltbedingte Veränderungen sehen, wie das Carysfort Reef in den Florida Keys, obwohl es heute als Meeresschutzgebiet gilt, seit den 1970er Jahren seinem Ende entgegengeht, oder wie der Platz des Himmlischen Friedens in Peking aussieht, wenn ein Sandsturm über ihn hinwegfegt. Und wer sich einmal vor Augen führen will, was das Ansteigen der Temperaturen für die Bergwelt bedeutet, sollte sich die Seiten 32 und 33 anschauen: „Das Bergrestaurant Stieregg auf über 1'600 Metern Höhe in den Schweizer Alpen war seit 1952 in Betrieb. Menschen kehrten hier auf dem Weg zum Grindelwald-Gletscher an den Hängen des Eiger regelmässig ein. Aber seit einigen Jahren zieht sich der Gletscher zurück. Und was noch kritischer ist: Der darunter liegende Permafrost schmilzt. Viele Berghänge wie dieser sind stabil, weil der Untergrund dauerhaft gefroren ist. Mit dem Ansteigen der Temperaturen bricht allerdings der Boden und das vormals feste Gestein wird ein instabiler Geröllhang. Es braucht nicht viel, und er verwandelt sich in eine Lawine, die nicht weniger verheerend ist als eine Lawine aus Schnee.“
 
  Es kann nicht genug betont werden: dies ist kein Buch, das schwarz/weiss malt, dies ist ein Buch, das umfassend informiert. Kurz und gut: dies ist ein im besten Sinne wesentliches Buch. Und dies meint: Bilder und Texte ergänzen sich hervorragend und wenn man das Buch zuklappt, tut man dies mit dem Gefühl Faszinierendes und Nützliches gelernt zu haben. Wussten Sie zum Beispiel, dass städtische Gebiete nur gerade zwei Prozent der vom Land bedeckten Erdoberfläche einnehmen, jedoch mehr als die Hälfte der Menschheit auf diesen zwei Prozent lebt? „Nicht selten wachsen Städte, obwohl sie ‚ungesund’ sind und die Bewohner vielen Krankheiten und starker Umweltverschmutzung ausgesetzt sind.“ Und doch zieht es uns Menschen in die Städte. „Die Strassen sind vielleicht nicht mit Gold gepflastert, aber sie sind wenigstens gepflastert.“ Und überhaupt: „Städte haben auch eine enorme Fähigkeit, sich neu zu erfinden und zu verbessern.“ Eindrückliche Beispiele sind etwa Bilbao, Seoul, die alten Westindien-Docks in London, Seattle und und … die eindrücklichen Bilder dazu finden sich in diesem in jeder Hinsicht empfehlenswerten Buch.

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