Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Voltaire
Candide - oder der Optimismus
(Candide, ou l'optimisme, 1759)

MarixVerlag
2006
Übersetzt von Ulrich Bossier
226 Seiten
ISBN-13: 978-3865390943
€ 20,-


Von Sascha Todtner am 08.06.2009

  Voltaire – der Vorreiter der Menschenrechte, der geistige Vater der Französischen Revolution, der große Philosoph. Gleich nach dem Erscheinen wurden seine Werke, unter anderem auch „Candide ou L’Opitimisme“ und seine deutsche Übersetzung „Candide oder Der Optimismus“, vom Vatikan auf den Index gesetzt. Bekannt für seinen allgemein verständlichen Stil, seine kritische Ironie und seinen aufzeigenden Sarkasmus, wurde Voltaire zum Symbol für den einfachen Bürger und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.
 
  Die Satire „Candide oder Der Optimismus“ handelt vom titelgebenden Helden, der nachdem seine Leidenschaft für die Tochter des Barons Kunigunde entdeckt wird, vom Schloss verbannt mit Fußtritten verbannt wird. Auf dem Schloss war Candide vom Lehrer der Adelssprösslinge mit dem sprechenden Namen Pangloss in den Lehren Leibniz von der Besten aller möglichen Welten unterrichtet worden.
  Nach der Verbannung gerät Candide in die Hände bulgarischer Soldaten und wird von diesen grausam behandelt, kann aber fliehen und findet auf dem Weg seinen Lehrer Pangloss, der ihm von der Zerstörung des Schlosses und der Ermordung der Adelsfamilie erzählt. Mit Pangloss begibt er sich auf den Weg nach Lissabon und wird dort wegen seiner Zustimmung zu den ketzerischen Lehren Pangloss nach dem berühmt-berüchtigten Erdbeben von 1755 bei einer Autodafé ausgepeitscht, während sein Lehrer gehängt wird. Durch Zufall wird er von einer Alten gerettet, die ihn mit Kunigunde wieder zusammenführt, welche bei der Schlosseroberung nur verletzt wurde und nun die Mätresse eines Juden und des Inquisitors ist. Candide tötet sowohl den Juden als auch den Priester als dies ihn im Gemach der Baronin antreffen und flüchtet mit der Alten und seiner geliebten Kunigunde nach Cádiz, wo er seinen Begleiter Cacambo trifft und flüchtet mit seinen Gefährten nach Paraguay. Als das Schiff vor Buenos Aires ankert muss Candide und Cacambo vor den Schergen des Gesetzes flüchten, die ihn aufgrund des Mordes zur Verantwortung ziehen wollen. Kunigunde wird von der Alten dazu überredet eine he mit dem Gouverneure von Buenos Aires einzugehen.
  Der naive Held und sein Begleiter fliehen zum Jesuitenstadt, wo Candide den Bruder von Kunigunde findet, aber ihn mit einem Dolch ersticht, als dieser in Rage gerät. Weiter gelangen die beiden Abenteurer in das Land El Dorado, was am ehesten der Besten aller Welten gleicht, doch Candide liebt Kunigunde zu sehr, dass er ihr verweilen könnte und beschließt deshalb mit Geschenken beladen Kunigunde zu retten. Auf dem Weg gehen ihnen nach der Reihe die Schätze verloren, aber Cacambo und Candide beschließen sich in Venedig zu treffen, nachdem Cacambo Kunigunde beim Gouverneur ausgelöst hat.
  Schlussendlich findet Candide Kunigunde in Konstantinopel, sowie seinen alten Lehrer Pangloss, der doch nicht starb, die Alte, den Bruder und Cacambo. Aber ob die die Beste aller Welten ist?
 
  Voltaire erzählt mit zynischem Spott von der optimistischen Lehre des Leibniz und führt diese durch die zufälligen Zufälle seines naiven Helden Candide ad absurdum. Wie kann in einer Welt, die die Beste aller Möglichen sein soll, so viel Böses und Ungerechtes existieren? Wie können Menschen einander unrecht tun, einander belügen, betrügen, bestehlen, töten? Ja, selbst der gutherzige naive Candide tötet 3 Menschen.
  Das Buch legt Kritik gegenüber der Kirche und ihren Machenschaften, siehe den Inquisitor, der sich eine Mätresse hält oder die Hinrichtung des Pangloss wegen des Erdbebens, offen und wird nicht zuletzt deshalb auf den Index gesetzt.
  Generell nimmt das Erdbeben des Jahres 1755 in Lissabon eine wichtige Stellung im Leben des Philosophen ein. Wie kann Gott, der doch ein gütiger barmherziger Gott ist, so viele unschuldige Menschen vernichten? Der bis dahin in Europa propagandierte Optimismus des deutschen Philosophen Leibniz bricht mit diesem Ereignis in sich zusammen und Voltaire nimmt dies zum Anlass um die Ausflüchte des Philosophen zu kritisieren und stürzen.
  Seiner Ansicht nach ist jeglicher Optimismus falsch, da er zu hohe Erwartungen schafft und diesen nie gerecht werden kann.
  Die stereotypischen Protagonisten machen aus der philosophischen Kritik eine wunderbaren Satire, die als unlogischer Abenteuer- und Liebesroman mit zynischer Genauigkeit beschrieben werden und selbst dem nicht philosophisch interessierten Leser das Werk schmackhaft machen und dadurch zum Lesen anregen.
  Voltaires Roman überzeugt nicht nur durch seine philosophische Überlegung, sondern vielmehr durch den beißenden Spott der Satire und seinen klaren präzisen leicht verständlichen Stil.
 
  Die hier vorliegende Ausgabe erschien in der Reihe „Bibliothek der verbotenen Bücher“ und liegt wie die anderen Bücher der Reihe in einer Leinenausgabe mit wunderschönem Schutzumschlag vor. Versehen wurde das Werk mit einem gut erklärten Vorwort zu Voltaire und seinem Werk, das dem unvorbereiteten Leser die Lektüre erleichtert, sowie mit einem Nachwort des Herausgebers über die Intention dieser Reihe und einem kurzen Abriss über die Geschichte des vatikanischen Index.
 
  Ein philosophisches Meisterwerk der Aufklärung in Form eines spannenden amüsanten Romans über die Unmöglichkeit der Theorie von der Besten aller möglichen Welten. Klar und zynisch und obwohl seines Alters immer noch aktuell und amüsant.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.