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Edvard Koinberg
Herbarium Amoris
Das Liebesleben der Pflanzen

Taschen Verlag
2009
320 Seiten
ISBN-13: 978-3836517812
€ 29,99


Von Hans Durrer am 02.06.2009

  Dieser eindrückliche Bildband folgt Carl von Linnés Blühkalender (Calendarium Florae) aus dem Jahre 1756. Von Linné (1707-1778) war ein schwedischer Botaniker und Mediziner, der anhand seiner Sammlung von über 20'000 Pflanzenarten aus aller Welt die Pflanzen kategorisierte und zwar – das Verständnis von Pflanzen als sexuelle Wesen geht auf ihn zurück – nach Anzahl und Anordnung ihrer Sexualorgane
 
  Alle Pflanzen sind gegen einen schwarzen Hintergrund fotografiert – das ist dem genauen Hinsehen nicht nur förderlich, sondern drängt es einem geradezu auf. Dabei wird einem bewusst und man staunt, in welch mannigfaltiger Weise (in Form und Farbe) Pflanzen in Erscheinung treten. „Der Ausgangspunkt meiner Bilder“, hält Edvard Koinberg fest, „war der Gedanke, dass die Pflanzen und ihre Sexualität aus dem Dunkel in ihr eigenes Licht hinaustreten sollten.“ Das ist eindrücklich gelungen.
 
  Koinberg hat sein Projekt 1999 begonnen, und zwar im Garten seines Sommerhauses in Uppsala, in der gleichen Landschaft, in der Carl von Linné lebte und wirkte und von wo auch die meisten Pflanzen im Buch herstammen.
 
  „Wenn man täglich eine gewisse Zeit mit seinen Pflanzen verbringt, beginnt man zu sehen, dass sie ein eigenes Leben haben, das dem unseren nicht ganz unähnlich ist. Sie werden geboren, altern und sterben, und sie reproduzieren sich während ihres kurzen Lebens auf der Erde. Auch die Sexualität der Pflanzen ist der unseren nicht unähnlich, und die Befruchtung einer Pflanze stimmt in mehrfacher Weise mit unserer menschlichen überein. So gross sind die Unterschiede in der Natur nicht“, schreibt Koinberg.
 
  Dem Band sind Essays von Henning Mankell, ja, dem Krimi Autor, und Tore Frängsmyr, emeritierter Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Uppsala, beigefügt, die beide informativ und lehrreich sind. So erfährt man zum Beispiel von Mankell, dass Linné in einem Schweden von heutzutage schwer vorstellbarer Armut aufwuchs und davon geprägt war. „Wenn man von Linné spricht, darf man nie vergessen, dass er sein ganzes Leben hindurch, in diesem ganzen leidenschaftlichen Dasein mit harter Arbeit, Schreiben und Reisen, nach dem Nützlichkeitsaspekt bei allem suchte, was in der Natur wuchs“. Frängsmyr wiederum stellt den Systematiker Linné vor, von dem bereits zu Lebzeiten der Spruch kursierte: „Gott erschuf, Linné ordnete (Deus creavit, Linnaeus disposuit).“ Zudem finden sich auf den letzten Buchseiten hübsche Beschreibungen der abgebildeten Pflanzen. So liest man etwa, dass Pfingstrosen in China als Symbol von Reichtum und erfüllter Liebe gelten „und präsentieren dementsprechend auch offenherzig ihre Geschlechtsorgane in Form von üppigen Staub- und Fruchtblättern.“
 
  Speziell an diesem Band ist vor allem, dass man diese Pflanzen, die ja aus ihrem natürlichen Umfeld herausgenommen worden sind, wohl so noch nie hat sehen können. Auf den Punkt gebracht: Edvard Koinbergs Blick durch das Kameraobjektiv lehrt uns das Sehen.

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