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Edmund Jacoby
Mythen und Sagen des Nordens 2
Die keltische und hochmittelalterliche Überlieferung

Gerstenberg
2008
ISBN-13: 978-3836990981
€ 20,95


Von Alemanno Partenopeo am 14.05.2009

  „Sag, was ist es, das Dir so viel Schmerzen bereitet?“ Wer schon immer ein Faible für die Artussage und die darin vertretenen Ritter und Recken hatte, ist hier genau richtig. Nicht nur die Vorgeschichte wird hier erzählt, etwa „Uther Pendragon“, „Elfen und Feen“ oder der „Rinderraub von Cooley“, sondern auch die Artussage selbst in „Artus und Avalon, „Das Leben des Artus“ oder „Merlin“(was allerdings falsch auf CD2 statt CD1 angeschrieben wurde). Endlich erfährt man auch wer die sagenumwobene Frau vom See ist, warum sich die Tafelrunde aufgelöst hat und was aus den Rittern der Tafelrunde danach wurde. Die meisten haben sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral gemacht und sind nie mehr zurückgekehrt. Suchen sie noch immer?
 
  Unterhaltsam erzählt wird auch die Geschichte von Gawain, der nicht nur der edelste Ritter, ein „Frauenversteher“ sogar, sondern auch ein Frauenheld gewesen sein soll. „Harte Kämpfe, heiße Liebe“ seien quasi sein Motto gewesen und als er im Krieg gegen Lancelot an der Seite Artus` durch die Hand Lancelots selbst stirbt, geht er als treuester aller Orkney-Brüder in die Geschichte der Sagenwelt ein. Der Widersacher und Ehebrecher Lancelot du Lac, der durch seine Liebe zu Ginevra, der Frau König Artus´, das Ende der Tafelrunde verursacht, wird als Mann mit großem Brustkorb und somit auch großem Herz beschrieben. Dass ihn die Liebe traf, dafür ist er genauso wenig verantwortlich wie Ginevra, die übrigens die Ehe mit Artus nie vollzogen habe und dadurch gewissermaßen auch entschuldigt wird, zumindest des Ehebruchs. Denn entgegen ihr, hatte Artus einige außereheliche Abenteuer, ohne mit seiner eigenen Frau je geschlafen zu haben. Dem jungen Lancelot jedenfalls wird von Iwein schon als Knabe eingebläut: „Liebe nur dann, wenn du dadurch ein besserer Mensch wirst.“ Als er Ginevra für Artus aus der Trauerburg, wo sie von Menegand festgehalten wird, endlich befreit, steht ihm der Sinn aber nach etwas ganz anderem und sie kehren nur über Umwege nach Camelot zurück.
 
  Dann gibt es da noch den tölpelhaften Parzival, dem Außenseiter unter den Tafelrittern, dem es ausgerechnet gelingen sollte, den Heiligen Gral, den alle suchten, zu finden. Er scheint mehr ein „Dorftrottel“ zu sein, auch ist er in ein Clownkostüm gekleidet und erweckt durch seine Naivität maximal Mitleid, aber vielleicht gewinnt er ja gerade dadurch das Gralskönigtum, von dem alle späteren christlichen Könige und Kaiser ihre Würde entnahmen? Seine Eltern hießen nicht umsonst „Herzeloide“ (sic!) und Gamoreth: sie wollten ihm das Leid des Krieges ersparen und deswegen näht ihm Herzeloide auch das Narrenkostüm, doch Parzival will ausgerechnet Ritter werden und verursacht seinen Eltern damit großes Herzensleid. Einfältig wie er ist, besiegt er sogar den Roten Ritter, da er die ritterlichen Tugenden stets befolgt, die da sind: Gnade gegenüber dem Feind, schweigen und keine überflüssigen Fragen zu stellen. Doch genau das Befolgen dieser drei Tugenden wird ihm gegenüber Amfortas, dem Gralsritter, als Herzenskälte vorgeworfen, ja sogar als „herzloser Tölpel“ wird er beschimpft. Als er dann endlich die Frage stellt, wird Amfortas erlöst und Parzival sein würdiger Nachfolger. „Sag, was ist es, das Dir so viel Schmerzen bereitet?“ Die Moral der Geschicht´: der reine Narr und Tor gewinnt auf ganzer Linie, triumphiert, denn nur wer reinen Herzens ist, gewinnt dereinst das Himmelreich.
 
  Weiteren Abenteuern darf man auf dieser CD lauschen, wenn etwa Lohengrin seine Elsa von Brabant verlässt und auf seinem Nachen von Schwänen gezogen davonzieht. „Nachdem du mir mein Geheimnis nicht lassen konntest, verlasse ich Dich.“ So manche Ehe mag sich an dieser Geschichte ihr Vorbild nehmen, auch wenn wohl nicht jeder Ehemann solch schwerwiegende Geheimnisse verbirgt wie Lohengrin. Auch die Geschichte Merlins wird erklärt, denn ausgerechnet er, der immer vor den Frauen warnte, auch Artus vor Ginevra, verfällt am Schluss selbst einer Zauberin. „Wo man wenig weiß, blüht die Spekulation“, sagt der Erzähler, aber nirgendwo ist Unwissen so schön, wie in diesen Sagen und Legenden, die von einer angenehmen Stimme erzählt und interpretiert werden. Tatsächlich stimmt es, dass Geschichten wahrer werden, je schöner sie erzählt sind. Davon kann man sich auf dieser CD-Sammlung von Gerstenberg wohlfeil überzeugen.
 
  Philipp Schepmann, *1966, geboren, absolvierte seine Ausbildung an der Folkwang Hochschule Essen. Er arbeitet als Schauspieler und Hörfunksprecher. Edmund Jacoby, *1948, studierte Philosophie und Geschichte und promovierte mit einer Arbeit über das Verhältnis von Marx und Hegel. Er war Lehrbeauftragter an der Frankfurter Universität, bevor er Verlagslektor wurde und veröffentlichte u. a. Arbeiten zum politischen Denken der Weimarer Klassik.

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