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Odile Caradec (Text) / Claudine Goux (Illu.)
En belle terre noire / In schöner schwarzer Erde

Verlag im Wald
2008
Übersetzt von Rüdiger Fischer
172 Seiten
ISBN-13: 978-3929208948
€ 15,-


Von Volker Frick am 06.05.2009

  Ein wunderschöner Anfang wäre es gewesen, an diesem Nachmittag im roten Sessel unter dem Dachfenster, den schlafenden Sohn in den Armen, den grauen Himmel zu sehen, der sich aderngleich auf dem Fenster niederschlägt, und den Nachhall der Gedichte von Odile Caradec in Worte zu fassen. Den schlafenden Sohn in den Armen, blieben die Worte ungeschrieben.
  Odile Caradec macht es sich nicht viel einfacher. Zwar schaut es so aus, als ob ihre Worte hinlänglich beiläufig sprachlich daherstolpern, aber nein, Odile Caradec ist eine große alte Dame der Dichtkunst. Jahrgang 1925, stellt dieser Band nicht erstmalig eine Auswahl von Gedichten dieser Dichterin vor, aber zweifellos in einer atemberaubend überzeugenden Zusammenstellung des Verlegers und Übersetzers in Personalunion: Rüdiger Fischer.
  Der Tod als Fest des Lebens, den Tod gewiss das Leben feiernd, der Tod ist ohn' Frag' das Thema dieser Dichterin, obwohl die Auswahl der Gedichte gleich auf mehrere (zum Teil vergriffene) Bücher und Veröffentlichungen in Zeitschriften, wie jener mit dem wunderschönen Titel „7 à dire“, zurückgreift.
  „Auf dem Friedhof ist keine Menschenseele“ lautet die letzte Zeile des Gedichtes „September, man begräbt“, und bei Nennung nur einiger Gedichttitel wie „Schäferin der Toten“, „Der wunderbare Verstorbene“, „Der lesende Tote“ oder „Grabspruch für einen jungen Totengräber“ könnte man meinen, diese Dichterin kann nur ein Lied singen, zumal Gedichttitel wie „Die verlorenen Stimmen“, „Den Fluß überqueren“ oder „Trinkspruch für einen Sterbenden“ diesen Eindruck durchaus nicht abschwächen. Da diese Gedichte in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind, ist das Thema des Todes angesichts des hohen Alters der Dichterin nicht zwingend überraschend, da doch auch Gedichte mit Titeln wie „Altern“, „Weiter altern“, „Osteoporose-Lied“ und „Wünsche für eine Aufbahrung“ diesem Thema sich persönlich annähern.
  Diesseits von Morbidität oder Depression sind all diese Gedichte angespannt kraftvoll und lebendig. Sie benennen, was zu benennen ist. Das ist alles, aber Odile Caradec tut dies mit einer sehr eigenen Stimme - mit einem Tonfall, der einem konstanten Klang sehr nahekommt -, die entspannt die Untiefen der Worte auslotet, um diese dann treffend zu setzen. Eines nach dem anderen.
  Das letzte Gedicht in dieser wahrhaft konsistenten Zusammenstellung trägt den Titel „Die letzte Rakete des Feuerwerks“, so die Lektüreerfahrung in eins zu setzen ist mit dem Titel dieses gut siebzig Gedichte darbietenden bilingualen Bandes: „In schöner schwarzer Erde“.

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