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Sándor Márai
Die Möwe
(1948)

Piper
2009
Übersetzt von Christina Kunze
245 Seiten
ISBN-13: 978-3-492-05208-5
€ 16,90


Von Sascha Todtner am 26.03.2009

 „MAN IST IMMER AUF DEM WEG ZU DEM ANDEREN, DER EINEN KÜSSEN WIRD.?“
 
  Seit dem Sensationserfolg der „Glut“ von Sándor Márai im Jahre 1999 verlegt der Münchner Piper Verlag jedes Jahr ein neues Buch des ungarischen Autors. Gleich seinen anderen Werken dreht sich auch in diesem Buch alles um die ewigen Themen von Liebe, Tod und Wiederkehr im márai’schen Weltbild von Melancholie und Traurigkeit.
 
  Der Aufbau des Romans folgt in den groben Zügen denen seines Erfolgsromans und Bestsellers „Die Glut“. Nach einer kurzen Einleitung wird die Handlung zu einem Monolog bzw. Dialog zwischen den beiden Hauptpersonen der Geschichte, dem Ministerialbeamten und der scheinbar auferstandenen Geliebten.
 
  Die Handlung setzt im Ministerium, in dem der namenlose Erzähler gerade die Eintrittserklärung Ungarns in den 2.Weltkrieg schreibt, ein, als ihm eine junge Frau, Aino Lainen (mit dem sprechenden Namen: Einzige Welle), angekündigt wird, welche um ein Gespräch bittet. Im Moment, in dem Lainen eintritt, glaubt der Ministerialbeamte seine Geliebte wiederzuerkennen, die vor Jahren Suizid begangen hat. Entgegen seiner rationalen Gesinnung lädt er die Dame spontan in die Oper ein um sie nach der Vorstellung zu sich nach Hause zu bitten.
 
  Im Laufe des Gesprächs im nächtlichen Zimmer werden die Parallelen zur „Glut“ unverkennbar. Es wird über die Verwandtschaft von Völkern, von verlorener Liebe, von der Austauschbarkeit des Menschen, vom Tod, von Verpflichtung und Verrat, den ewigen philosophischen Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem Unsinn der Liebe gesprochen. Zarte Bande werden geknüpft, die zu einem Kuss führen, der alles verändert und doch befindet sich in den Hinterköpfen der drohende Krieg, der ein jedes Glück gefährdet.
 
  Sándor Márai hat einen Klassiker in Manier Stefan Zweigs, Robert Musils und Josef Roths, ja man möchte sogar behaupten in Art Thomas Manns oder Franz Kafkas geschrieben. Die der Zeit typische Melancholie wird im vorliegenden Roman zur Vollendung gebracht. Am Ende steht für die Protagonisten die Verzweiflung und für den Leser die Hoffnung möglichst bald im Bücherregal ein weiteres Werk Sándor Márais zu finden.

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