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Massimo Carlotto
Die dunkle Unermesslichkeit des Todes

Tropen Verlag bei Klett-Cotta
2008
Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel
188 Seiten
ISBN-13: 978-3-608-50200-8
€ 19,90


Von Alemanno Partenopeo am 28.02.2009

  Die Geschichte einer Rache. Wer kennt dieses Gefühl nicht, ungerecht behandelt worden zu sein und sich gerne dafür rächen zu wollen, aber nicht zu wissen wie. Carlottos Buch sollte keineswegs als Anleitung dazu verstanden werden. Seine Intention ist nämlich eine ganz andere: wer sich auf die Rache einlässt, die meist sogar noch brutaler ausfällt, als die zuvor erlittene Ungerechtigkeit, wird selbst zum Verbrecher, lässt sich auf des Niveau des Unrechts hinunterziehen und findet meist nicht einmal wirkliche Genugtuung dafür. Wozu also?
 
  „Die dunkle Unermesslichkeit des Todes“ wird aus zwei Perspektiven erzählt. Die eine ist die des Mörders, Raffaello, der um Gnade und aufgrund seiner Krebserkrankung um vorzeitige Haftentlassung bettelt. Der andere ist Silvano, der ihm diese gerne gewährt, unter der Voraussetzung, dass er ihm den Komplizen verrät. Silvano wurde nämlich zum Opfer eines traurigen Schicksals: bei dem Banküberfall von Raffaello und seinem Komplizen verlor er Frau und Kind und seither ist sein Leben nicht mehr so wie es war. Nichts ist mehr so wie es war. Massimo Carlotto beschreibt das Schicksal der beiden in einer realistischen, teilweise sehr harten und auch vulgären Sprache. Der Autor macht sich zum Anwalt der Opfer, die dazu verurteilt sind, diese Rolle ihr Leben lang zu spielen, indem er seinen Protagonisten Silvano diesen Kreislauf einmal durchbrechen lässt.
 
  Silvano wird nun selbst zum Täter und auf welche Art und Weise ist nicht nur spannend zu lesen, sondern tatsächlich auch nachvollziehbar geschildert. Aber Carlotto weiß auch, sich in das Gehirn des Bankräubers und Mörders einzuklinken, wir lernen ihn vom inneren seiner Zelle aus kennen, doch am Ende ist ausgerechnet er es, der die moralische Instanz verkörpert. Diese unerwartete Wendung, die den Leser verblüffen wird, kann hier natürlich nur angedeutet werden, in jedem Fall kann aber von Spannung bis zur letzten Seite gesprochen werden. Das Resümee des Amokläufers Silvano, dem ursprünglichen Opfer, kann also nur lauten: „Die Dunkelheit umfängt meinen Geist immer noch, die Vergangenheit hört nicht auf, mich zu verfolgen, doch bin ich wenigstens etwas gelassener und bewusster.“ Den wahren Sinn dieser Worte wird sich der Leser am Ende auf der Zunge zergehen lassen und wohl von jedweden Ressentiments gegen irgendjemanden sofort abschwören...
 
  Am Ende stellt man sich dann natürlich die Frage, ob Rache wirklich etwas bringt. Man will entschädigt werden für etwas, was einem ein anderer genommen hat. Sicherlich ist die Situation, als Verbrechensopfer zur Untätigkeit verdammt zu sein, unerträglich. Doch manchmal ist es besser zu warten und zu ertragen, als in einem grenzenlosen Racherausch um sich zu schlagen. Wer Geduld hat, wird am Ende sehen, dass ohnehin jeder seine gerechte Strafe erhält, auch ganz ohne dass man sich selbst als gerechter Richter aufspielt. Wer an die ausgleichende Gerechtigkeit glaubt, wird Carlottos Konsequenz fast amüsieren, auch wenn das Thema dieses Kriminalromans ganz bestimmt nicht zum Lachen ist, umso mehr aber die Konstruktion der Geschichte. Harter Stoff jedenfalls und für Krimifans ein unbedingtes Muss.

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