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Raymond Federman
Pssst! Geschichte einer Kindheit

Weidle Verlag
2008
Übersetzt von Andrea Spingler
204 Seiten
ISBN-13: 978-3938803103
€ 23,-


Von Volker Frick am 22.01.2009

  Dieses Buch erschien im Original 2008, die Übersetzung folgte erfreulich schnell, denn im vergangenen Jahr erschien doch auch „Mein Körper in neun Teilen“. Rechtzeitig zum 80sten Geburtstag des Autors, der zwar seither einer Niere verlustig gegangen ist, nicht aber seines Humors. Wo immer jemand beginnt zu lachen, trocknet anderswo jemand seine Tränen. „Das Buch ist für meine Mutter“ steht auf dem hinteren ausgezeichneten (tatsächlich als einer der schönsten des vergangenen Jahres), ausgezeichnetem Buchumschlag, aber auch seine beiden Schwestern und sein Vater tauchen in diesem Buch auf, sind ihre Protagonisten, wie doch in den meisten der Bücher dieses Autors, in absentia.
  War es doch seine Mutter, die ihn, den Jungen Raymond, ihren Sohn, in den Wandschrank sperrte und „Pssst!“. Das war gleichzeitig das letzte, was er von ihr gehört hat. Seine Eltern und seine beiden Schwestern sind, wie er in einem Interview sagte „Auschwitz durch den Schornstein entkommen“. Raymond war 14 Jahre alt als seine Mutter ihm das Leben rettete, und alles, was danach geschah, hat er in seinen Büchern erzählt. Auf ureigenste Art. Jener Roman aber, der die Zeit nach diesem 16. Juli 1942 erzählt, harrt, obwohl in einer Hörspieladaptation zu Ohren gebracht, noch immer seiner Übersetzung,
  „Pssst!“ ist nun alles andere als die Geschichte nur einer Kindheit, denn wenn Federman entlang seiner Kindheit, seinen Erinnerungen an seine Kindheit schreibt, so scheint doch auf ein Bild der Zeit, eben: einer Kindheit im 20. Jahrhundert. Als ich von Raymond Federman „Die Nacht zum 21. Jahrhundert“ (1988, im Original 1982) las, wähnte ich mich in einem Roman der Zukunft, dessen (nur für die Übersetzung erfundene) Untertitel „Aus dem Leben eines alten Mannes“ irritierte. Nun hat Raymond Federman das erzählerische Antidot abgeliefert, die Geschichte einer Kindheit als ein gediegenes Alterswerk, souverän in Stilistik, Sprache und Sentiment, lakonisch lebensnah und lustig. Federman zu entdecken gebiert Lebensfreude. Deswegen spare ich mir die Schilderung : Nacherzählung. Lesen Sie, entdecken Sie. Du auch.

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