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Appollo / Lewis Trondheim
Insel Bourbon 1730

Reprodukt
Übersetzt von Kai Wilksen
288 Seiten
ISBN-13: 978-3-938511-87-9
€ 17,-


Von Alemanno Partenopeo am 16.01.2009

  Monsieur Despentes und sein junger Adlatus Raphael reisen in die Südsee, um den letzten Dodo-Vogel zu retten und für ihre Forschungen nach Frankreich zu bringen. Auf der Insel Bourbon gelandet, stoßen sie aber statt auf die gewünschten Vögel auf die Piraten und auf Marrons, die einen Aufstand planen, um „Labuse“, einen Piraten, zu befreien. In diesem Kreuzfeuer zwischen die Fronten geraten, geht es natürlich auch noch um Liebe, Ehre und Tugendhaftigkeit, denn Raphael ist fest davon überzeugt, dass die Piraten ehrenhafte und freiheitsliebende Menschen seien, die niemandem etwas zuleide tun wollten. Bald jedoch wird auch Raphael eines besseren belehrt und zwar von der aufmüpfigen Tochter des amnestierten Monsieur Robert, die sich am liebsten gerne selbst den Marrons ausliefern würde, da sie die Herrschaft der Weißen auf der Insel Bourbon verurteilt. „Jeden Tag werden schwarze Männer und Frauen ihrer Heimat entrissen, um auf Bourbon zu leiden und zu sterben“, sagt Virginie an einer Stelle. „Das ist der Preis für den Kaffee, den sie in Europa trinken“. Der historische Hintergrund ist also sowohl die Verschleppung der Madegassen (Mocambique) auf die Kaffeeplantagen der Karibikinseln als Sklavenarbeiter, als auch die Pirateninseln, die Freistaaten, die es ja wirklich gegeben haben soll, wo Freibeuter aller Länder hausten und ihre Bälle feierten oder zumindest Schätze versteckten…
 
  Wie man es von Lewis Trondheim gewohnt ist, spielen wieder allerhand Tiere in Menschengestalt eine Rolle und es fehlt auch nicht an lustigen und ironischen Appellen an die Moral oder die Gerechtigkeit und Seitenhieben auf die „political Correctness“. Schließlich muss bald auch Raphael einsehen, dass es mit dem Ehrbegriff der Piraten nicht weit her ist, auch wenn er es natürlich nicht zugeben will. Auf dem Piratenball kommt es zu einem würdigen Showdown, in dem er nicht nur erfährt, dass er nicht tanzen kann, sondern auch, dass er von zu romantischer Natur ist und deswegen wohl auch zu nichts zu gebrauchen ist. „Mafate“, der Geist der Insel, entpuppt sich bald als Wesen aus Fleisch und Blut und dieser lehrt dem Knaben so manche Lektion: „Deine Ziele leiten deine Moral und deine Moral rechtfertigt deine Ziele“, sprach`s und verschwand im Vulkaninneren. Ein Abenteuer das aus Seemannsgarn gesponnen ist und dem es weder an Phantasie noch an Liebe, Romantik oder Enthusiasmus für die gute Sache mangelt. Auch wenn die Dodos am Ende unentdeckt bleiben und unsere Helden, Monsieur Despentes und Raphael mit leeren Händen zurückkehren, ganz ohne etwas kehrt man dennoch nie zurück: Raphael ist zu einem jungen Mann geworden.
 
  Appollo, 69er Jahrgang, lebt zwar nicht auf Bourbon, aber auf Reunion, ein französisches Übersee-Departement, das vor allem durch seinen Vanille-Export bekannt wurde. Der Autor ist sowohl Professor für Moderne Literaturwissenschaft als auch Herausgeber verschiedener Comics, was ihm 2003 den begehrten Preis von Angouleme einbrachte. Er war es auch, der Lewis Trondheim auf das von ihm organisierte Comicfestival nach Reunion einlud. Gemeinsam machten sie sich bald an die Arbeit des hier vorliegenden Sittenbildes der Piraterie des 18. Jahrhunderts auf der Insel Bourbon, dessen Übersetzung ins Deutsche durch die Kulturabteilung der französischen Botschaft in Berlin gefördert wurde.
 
  Lewis Trondheim, 64er Jahrgang, hatte in den 90er Jahren den Comic-Verlag „L`Association“ mitbegründet und bereits mehrere hundert Comicalben veröffentlicht, die berühmtesten darunter sind sicherlich „Donjon“ und „Herrn Hases haarsträubende Abenteuer“. 2005 wurde er vom französischen Kulturminister zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ ernannt und im Jahr darauf den großen Preis von Angouleme.

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