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Barbara Rohregger
Shifting Boundaries
Social Security in the Urban Fringe of Lilongwe City, Malawi

Shaker Verlag
2006
310 Seiten
ISBN-13: 978-3832254384


Von Bernhard Bouzek am 12.07.2008

  Die Städte in Afrika südlich der Sahara sind die mit Abstand am schnellsten wachsenden der Welt. Der Urbanisierungsgrad beträgt 40%, wobei 72% der Stadtbewohner unter meist prekären Umständen in sogenannten informellen Siedlungsgebieten leben.
  In ihrer Fallstudie beschäftigt sich die Autorin mit einem in der Mitte der 1990er Jahre entstandenen Stadtteil der malawischen Hauptstadt, dem Sektor 7. Nach methodologischen Überlegungen und einem kompakten Abriss der Politischen Ökonomie Malawis, wird empirisch den Kernfragen nachgegangen, in wie weit sich herkömmliche (modernistische) Erklärungsmuster auf die heterogene soziale Situation einer afrikanischen Stadt anwenden lassen.
  Aufgrund der intensiven Feldforschung konnten von Barbara Rohregger die komplexen und dynamischen Elemente des sozialen Netzwerkes der hier siedelnden Bevölkerung exemplarisch herausgearbeitet werden. Die meisten Menschen in dieser durch Landflucht entstandenen urbanen Zone müssen sich auf ein Netzwerk formeller und informeller Erwerbstätigkeit stützen, wobei städtische Kleinlandwirtschaft, Nutztierhaltung und Handel von überlebenswichtiger Bedeutung sind. Soziale Handlungsmuster erfolgen dabei analog zur Verfügbarkeit bzw. zur Kontrolle über materielle Ressourcen. Auf wissenschaftlicher Ebene genügen Beschreibungen sozialer Lebenswelten wie modern/traditionell oder urban/rural immer weniger für diese neuen sozioökonomischen, auf dem Prinzip der Reziprozität basierenden Systeme. Gerade nicht-staatliche Netzwerke, die auf Verwandtschaft, Freundschaft, Nachbarschaft und Religion basieren und durch die Migration neu definiert werden, bilden ein soziales Kapital, dem im Kontext schwindender staatlicher Steuerungsmöglichkeiten in Zukunft mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.
  Barbara Rohregger hat mit dieser Analyse einer malawischen Übergangsregion zwischen Stadt und Land einen wesentlichen Beitrag für ein verbessertes Verständnis der Wirkungsweise sozioökonomischer Sicherungssysteme in Entwicklungsländern geleistet.

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