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J.Latacz / Th.Greub / P.Blome / A.Wieczorek (Hrsg.)
Homer
Der Mythos von Troia in Dichtung und Kunst

Hirmer
2008
400 Seiten
ISBN-13: 978-3-7774-3965-5
€ 120,-


Von Alemanno Partenopeo am 02.06.2008

  Die gleichnamige Ausstellung läuft in Basel noch bis zum 17.8. 2008 und in Mannheim im Reiss-Engelhorn-Museum ab dem 13.9.2008 bis 18.01.2009. Der hier vorliegende prächtige illustrierte Katalog ist in Hardcover gebunden, hat 250 Farbabbildungen und bietet die verschiedensten Perspektiven auf Homer: sowohl in rezeptionsgeschichtlicher als auch historischer und archäologischer Hinsicht.
 
  Der aus Smyrna (heute Izmir/Türkei) stammende Erzähler der „Ilias“ und „Odyssee“ hatte nicht nur geographische Ortskenntnis (Troia liegt 200km Luftlinie von Smyrna entfernt), sondern wohl auch einige narrative Vorkenntnisse genossen. Nur mehr die wenigsten glauben nämlich an die geniekultische Legende, dass Homer die Ilias völlig neu erfunden hätte. Es muss schon Vorläufer einer bestimmten oralen Erzähltradition gegeben haben, auf die Homer dann aufbauen konnte, wobei ihm bei der Niederschrift dann das vereinheitlichte griechische Alphabet sicherlich zu Hilfe kam. Wilhelm Christ drückte es 1905 bereits so aus: „Der Dichter, der so Grosses und Vollendetes schuf, der mit solcher Leichtigkeit und Meisterschaft die Sprache handhabte, kann nicht der erste gewesen sein, er muss (…) eine ganze Reihe von Vorgängern gehabt haben, durch die erst der sprachliche Stoff geformt und der Boden geebnet wurde, auf dem sich der stolze Bau der großen homerischen Dichtungen erheben konnte.“
 
  Was uns bei Homer entgegentritt sei eine starke Verschmelzung von mündlichen und schriftlichen Elementen. Er repräsentiert auch eine Übergangsphase, indem er nämlich sowohl mündlich als auch schriftlich sei, wie Latacz betont. Und genau darin bestünde auch die Unnachahmbarkeit des Dichters, dass er die beiden Erzählmodi zu verschmelzen wusste wie kein anderer.
 
  Der zweite Teil des vorliegenden Ausstellungskataloges widmet sich den Schauplätzen der Dichtung Homers, Kleinasien, die Ägäis und Griechenland in der Bronzezeit. Diese Orte werden sowohl durch Karten als auch Fotos und gezeichnete Rekonstruktionen illustriert und beschrieben. Natürlich spielt auch der Schauplatz „Troia“ eine Rolle, wobei ironischerweise darauf Bezug genommen wird, dass man diese Stadt zwar heute auf Landkarten finden könne, diese aber noch lange kein Hinweis darauf sei, dass damit auch wirklich der Schauplatz der Ilias gemeint sei. Einigkeit besteht unter den Forschern zumindest bezüglich der Tatsache, dass das unter dem hethitischen Namen Wilusa bekannte Troia , die Hauptstadt eines gleichnamigen Landes gewesen sei, das mit Griechenland und dem Hethiterreich im Clinch stand und schließlich unterging. Und dieser Stoff sei in der Ilias von Homer verarbeitet worden. Ein weiteres Unterkapitel beschäftigt sich dann noch mit den mehr realen Schauplätzen der Odyssee: Ithaka, Pylos uns Sparta.
 
 
  Im Dritten Teil wird Homers Dichtung, Ilias und Odyssee, auf ihren Aufbau und ihren Inhalt untersucht und analysiert. Als Illustrationen werden sowohl Graphiken als auch Abbildungen antiker Vasen, die die Geschichte erzählen, verwendet. Joachim Latacz bezieht sich auf die Ilias und Stephanie West auf die Odyssee. Der Odysseus der Odyssee sei derselbe Held wie in der Ilias, jedoch sei er noch viel „polytroper“ (vielgewandter). Im Hinblick auf seine Eigenschaften erkenne man durchaus auch die Helden unserer Zeit wieder, schreibt Stephanie West. „Mut, Entschlossenheit, Selbstbeherrschung und Intelligenz, verbunden mit einem gewissen Geschick, zu täuschen, wenn es die Situation verlangt“. „Denn es ist nichts Kräftigeres und Besseres als dieses: dass einträchtigen Sinns in den Gedanken haushalten Mann und Frau – sehr zum Leide den Bösgesinnten, zur Freude aber den Wohlgesinnten, doch meisten spüren sie es selber.“ (Homer 6.182-185)
  Die Rezeption der homerischen Dichtung in Griechenland, Etrurien, Rom, Byzanz, im Mittelalter und der Neuzeit nehmen den Mittelteil dieses umfangreichen Prachtbandes ein. Als Abschluss finden Sie noch den Katalogteil und einen Anhang mit Glossar, Bibliographie und Autoren- resp. Bildnachweisen. Die Leihgeber für die zahlreichen und unschätzbaren „Schaustücke“ dieser Ausstellung stammen unter anderem vom KHM Wien, aus der Prager Nationalgalerie, dem Römischen Nationalmuseum, aus dem Vatikan, zahlreichen deutschen und weiteren italienischen Städten, sowie Olympia und Mykonos sowie Theben und natürlich auch aus Basel.

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