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Alan Campbell
Scar Night
Die Kettenwelt-Chroniken 1
(2006)

Goldmann
2007
Übersetzt von Jean Paul Ziller
608 Seiten
ISBN-13: 978-3-442-46270-4
€ 12,-


Von Alfred Ohswald am 02.06.2008

  Alan Campbells Fantasy-Epos spielt in einer recht düsteren Welt. Im Mittelpunkt steht eine Stadt über einem Krater oder eher einem tiefen Loch, die mit riesigen Ketten in ihrer Position gehalten wird. Im Abgrund wohnt die von den Bewohnern und der mächtigen Kirche angebetete Gott, dem auch die Verstorbenen überantwortet werden. Allerdings nur, wenn sich noch Blut im Körber befindet. Blutlose Körper sind ihrer Seele verlustig gegangen und dürfen nicht dem Abgrund überantwortet werden. Diese Stadt mit dem Namen Deepgate liegt mit allen umliegenden Völkern praktisch permanent im Krieg, den sie mit ungehemmter Brutalität führt und ihre technologische Überlegenheit rücksichtslos ausspielt.
  Hauptfigur des Romans ist eine Art Engel namens Dill, ein Mensch mit Flügeln, der einer langen Linie dieses Geschlechts angehört und eine wichtige Funktion in der Kirche hat. Einst waren sie mächtige Streiter der Kirche, doch weil Dill der letzte seines Geschlechts ist, werden seine Aufgaben auf zeremonielle Tätigkeiten beschränkt. Ihm ist es sogar untersagt, zu fliegen.
  Es gibt noch ein weiteres, geflügeltes Wesen in Deepgate, doch das ist ein sehr viel mächtigerer und dunklerer Engel, der seit Jahrhunderten erfolglos von den Assassinen gejagt wird. Das Schicksal wird die beiden Engel und eine junge Assassine zusammen in den Abgrund bist vor das Angesicht des dort hausenden Gottes führen.
  Gleichzeitig wendet sich der Chefalchemist der Stadt, Entwickler ihrer unmenschlichen chemischen und biologischen Kampfmittel, gegen die Stadt, nachdem er eine Art Elixier der Unsterblichkeit entdeckt hat. Mit Hilfe der Wüstenstämme in der Umgebung und einer rätselhaften, uralten Maschine, wird er zu einer fast unüberwindlichen Bedrohung.
 
  Campbells düstere Welt schaffte es spielend, die Leser in ihren Bann zu ziehen. Ohne rasch oder überhaupt umfassend über alle Hintergründe dieser Welt aufgeklärt zu werden, stehen die Leser fasziniert vor diesen opulenten, an Hieronimus Bosch erinnerndes Gemälde.
  Diese „Zutat“ ist also perfekt gelungen und da das Kennenlernen einer fremdartigen Welt im Fantasy-Genre – ähnlich wie in der Science-Fiction-Literatur – einen wichtigen Teil des Reizes dieser Literaturgattung ausmacht, ist diese „Zutat“ ein nicht zu unterschätzender Faktor.
  Natürlich spielen Handlung und interessante Charaktere und Erzählstil auch eine wichtige Rolle und besonders die Charakterzeichnung recht extremer Figuren lässt nicht zu Wünschen übrig. Hart an der Grenze zur Karikatur bleiben sie doch überzeugend. Campbell ist nicht den sonst in der Fantasy gern gewählten einfachen Weg gegangen, einfach einen abgrundtief schlechten Bösewicht zu schaffen, der keinerlei Motivation benötigt, um die Welt mit Dunkelheit und Chaos zu überziehen und schon mit der Namenswahl keinen Zweifel an seiner Gesinnung aufkommen lässt. Nur der Gott im Abgrund macht hier eine Ausnahme, vielleicht aber nur, weil man eigentlich kaum etwas über seinen Hintergrund erfährt.
  Der Titel des Epos zieht sich als eine Art Motto durch den Roman. Nicht nur die Stadt hängt an Ketten, auch die Charaktere sind oft bildlich oder auch real aneinander gekettet. Oft unwillig, sind sie vom Schicksal auf Gedeih und Verderb an eine andere Figur gebunden.
  Der Roman hat zwar ein richtiges Ende, es sind aber noch zwei weitere Teile angekündigt.

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