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Gerhard Kofler
Tacuino su Nuova York a distanza / Notizbuch über New York aus der Entfernung

Wieser Verlag
2007
Übersetzt von Leopold Federmair
200 Seiten
€ 12,95


Von Alemanno Partenopeo am 21.05.2008

  Auch wenn der 2. Untertitel dieses „Notizbuches“ weniger sympathisch ist, da er auf den Ort wo diese Eintragungen geschrieben wurden, nämlich eine Filiale einer amerikanischen Kaffeehauskette in der Theobaldgasse, Bezug nimmt, konnte ich diesem „Tagebuch“ doch einiges abgewinnen. Tatsächlich sind es „nur“ 100 Eintragungen, was den Autor dazu bewogen haben mag, den Titel „Notizbuch“ dem Titel „Tagebuch“ vorzuziehen, doch vom Charakter der Notizen her, würde ich doch auf „Diario“ bestehen. Auch wenn es nur Eintragungen für 100 statt 365 Tage enthält, ein „Ein-Drittel-Tagebuch“ sozusagen, ist von den beschriebenen Inhalten her die Bezeichnung „Diario“ für mich zutreffender: „Eine Liebe zu New York, dem Ort, an dem so viele Liebe und Hass durchlebten, jetzt aber mein Ort der Erinnerung, Gewirr von Spuren vielleicht zu dem Aufenthalt von drei ewigen Tagen, geleitet von Anna Laura und von Kevin begleitet.“
 
  Doch bevor er sich zurückzieht will er noch bei Katzs Delikatessen delikat essen, etwas Delikates eben, das man in New York nicht so leicht findet, außer, man streift auf Raubtierpfoten durch die Häuserschluchten Manhattens: in Gedanken, denn New York ist nur mehr eine verblassende Erinnerung, die keinesfalls vergehen soll und so ruft allein die Nennung seines Namens so manche Assoziationen wach. Ist doch unsere ganze europäische Kulturgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg eine einzige Anhäufung von Filmzitaten aus Hollywood (das in L.A. liegt) und sei es nur, wie im obigen Fall, eines Woody Allen. Kofler schreibt: „nonostante tutti i chiaramenti, riprendo le serpentine feline“ („trotz aller Aufklärungen begebe ich mich wieder auf Raubkatzen-Serpentinen“) und er entdeckt ein New York von Wien aus gesehen, voller Anspielungen auf die Literatur, den Film, das Leben in Mitteleuropa oder ganz einfach die Raubkatzen. „Come un felino dunque giro e torno“ und so ist auch sein Schreibstil durchmischt von allerlei Verschiedenheiten und Anspielungen. Aus der Entfernung lässt es sich bekanntlich schärfer und genauer betrachten, als wenn man mittendrin steht und welcher Ort eignete sich besser für einen Rückzug als Wien. Von Wien aus die Welt betrachten? Von Wien aus New York betrachten?
 
  Für meine Zwecke war besonders die Zweisprachigkeit dieses – nun denn - „Tacuino“ genannten Werkes ausschlaggebend. Obwohl der geborene Südtiroler natürlich auch Deutsch spricht, hat er seine Notizen auf Italienisch geschrieben und sie von Leopold Federmair (sehen Sie eine Rezension eines Buches von ihm auf unserer Buchseite) übersetzen lassen. Das Buch ist in einer wunderschönen Ausgabe mit Lesezeichen ediert und gebunden, so dass Sie es auch ohne weiteres auf eine Reise - nach Wien oder nach New York - mitnehmen können. Zusätzlich ist nämlich Platz gelassen für eigene Ergänzungen und Anmerkungen, Notizen eben.
 
  Gerhard Kofler wurde 1949 in Bozen/Italien geboren und lebte und arbeitete als Freier Schriftsteller, Literaturkritiker und Generalsekretär der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung in Wien. Er schrieb Lyrik und Essays in Italienisch und Deutsch, sowie einen Gedichtband in spanischer Sprache und zwei Sammlungen in neapolitanischem Dialekt. Bisher erschienen 13 Gedichtbände und ein Band in Kurzprosa. Mehrere Literaturpreise und Stipendien. Gerhard Kofler starb am 2. November 2005 in Wien, ein Jahr nach Beendigung vorliegenden Notizbuches.
  Im Wieser Verlag sind außerdem - zweisprachig - erschienen: „Poesie di mare e terra“ (2000), „Poesie di mare, terra e cielo“ (2003) und „Tacuino delle ninfee“ (2005).

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