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Will Eisner
New York
The Big City

W. W. Norton Publishing
2008
139 Seiten
$ 17,95


Von Alemanno Partenopeo am 13.05.2008

  “Its trash and treasures”, also der Müll und die Schätze der Millionenstadt New York erfahren hier ihre Huldigung und Will Eisner lässt keinen Zweifel daran, dass er zu den Erfindern der “Graphic Novels” gehört. Nicht umsonst wird ein jährlicher Comic Book Award auch nach seinem Namen benannt. Will Eisner (1917-2005) lebte jahrzehntelang selbst in New York und hat vor allem seine Bewohner genauestens studiert und porträtiert. Da gibt es die Straßenmusiker, die so gut “gebucht” sind, dass sie von einem Gig zum anderen Rennen müssen und den angebotenen Vertrag eines Majors infolgedessen leider ausschlagen müssen. Oder die Sprayer, die nichts in Bahnhöfe einsteigen und Züge farblich umgestalten, endlose Metrofahrten durch die Tunnels von New York mit illustrierten Gedankenblasen, die die Welt der Autokommunikation auf die Hörner nimmt.
 
  Manche Zeichnungen kommen auch ganz ohne Worte aus, die “Strips” sind manchmal auch nur eine Seite lang und lassen sich auch ohne Englischkenntnisse leicht dechiffrieren. Wer New York einmal gesucht hat, wird auch die Funktion der Stiegen vor den Wohnhäusern bewundert haben: sie dienen oft als Theatersessel für das Leben, das sich vor ihnen auf der Strasse abspielt. “The City” ist tatsächlich ein riesengroßes Theater und wer sich einmal auf diese Stiegen einen Moment lang niedergesetzt hat, wird bestätigen, dass die Szenen, die Will Eisner illustriert hat, sich auch tatsächlich abspielen. In New York ist tatsächlich alles möglich, die Stadt ist eine einzige Bühne.
 
  Will Eisner zeigt auch die Armut, die sich hinter den Hydranten verbirgt, macht in einfachen, aber umso aussagekräftigeren Bildern die wahre Kriminalität ersichtlich, die darin besteht, eben diese Hydranten mit Schlössern abzuriegeln. Oder er erzählt uns einfach eine Liebesgeschichte anhand eines in einen Abfluss geschwemmten Liebesbriefes. Es sind einfache und manchmal auch ergreifende Bilder, dabei spielt auch ein gewisser Voyeurismus eine Rolle, der zwar eine Vergewaltigung vor der eigenen Haustüre vom Fenster aus gerne beobachtet, nicht aber zur Anzeige bringt: denn es herrscht die Angst vor, die Angst, der Kriminelle könnte sich eines Tages rächen. Und so werden die Vorhänge wieder zugezogen, um von Will Eisner erneut wieder ausgezogen zu werden: er richtet den Scheinwerfer auf die unangenehmen Seiten der Millionenstadt New York, aber auch auf ihre Alltäglichkeiten, die gleichsam erschütternd wie aufklärend wirken können.

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