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Ulrike Marie Meinhof
Die Würde des Menschen ist antastbar
Aufsätze und Polemiken

Wagenbach
2008
189 Seiten
€ 10,90


Von Alemanno Partenopeo am 01.05.2008

  „Kulturmuff, Remilitarisierung, kruder Ökonomismus, Revanchismus, Minoritätenhetze“ mit diesen Worten fasst Wagenbach in seinem Nachwort alles das zusammen, wogegen sich die Zeitschrift „konkret“, deren Redakteurin die Meinhof lange Zeit war, in ihren Texten gewandt hatte. Die Neuherausgabe dieser Texte der Meinhof kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn viele wollen ja „Zurück zu den Wurzeln!“, die Wurzeln - in diesem Falle die O-Texte - auf die sich auch Frau Ebbinghaus bezieht. (Sehen Sie bitte die Rezension dazu auf dieser Buchseite, indem Sie den Namen der Autorin oder den Titel als Stichwort in unsere Suchleiste eingeben, danke!)
 
  Die hier abgedruckten Texte entstanden zwischen 1955 und 1965 und „konkret“ hatte seine hohe Auflage von 200.000 Stück sicherlich auch der Meinhof zu verdanken, die pointiert Dinge aussprach, an die sich sonst keiner rangewagt hätte. Die Kolumnen der Meinhof liessen sich – so der Herausgeber – „lesen wie eine Geschichte der verpassten Möglichkeiten der Bundesrepublik, als Portrait einer Erstarrung, aber auch als eine Geschichte der politischen Wende, als Geschichte einer selbstbewusst werdenden Linken“.
 
  Anfangs verletzte diese „Neue“ Linke die Regeln des Anstands nämlich nur sehr zaghaft, wie Wagenbach weiss, erst als ihre Stimme kein Gehör gefunden habe, habe sie sich allmählich radikalisiert und zu anderen Mitteln als der des friedlichen Protests gegriffen. Die Enttäuschung über die grosskoalitionäre SPD trug ihr übriges dazu bei, sich auf der Strasse zu artikulieren und sich in einer ausserparlamentarischen Opposition (APO) zu manifestieren, wie Wagenbach schreibt. Politik sei endlich aus seinem Zwangskorsett befreit worden und ging endlich alle etwas an, nicht mehr nur die Parteizentralen oder Politiker. Die Kolumnen der Meinhof aus der beschriebenen Zeit würden die Politik in einem Moment festhalten, in dem sie ihre Abstraktheit verloren habe und „Politik“ und „Persönliches“ zusammengebracht wurden. Sie würden aber genau da abbrechen, „wo die ausserparlamentarische Linke von der Zähigkeit und Unbelehrbarkeit der deutschen Verhältnisse eingeholt wurde“, schreibt Wagenbach.
 
  Neben den legendären Texten zur „Warenhausbrandstiftung“, Vietnam, „Enteignet Springer!“, oder einem Text zu Nixon, finden Sie auch „Kolumnismus“ oder „Aktenzeichen XY – aufgelöst“ (sic!) in dieser Kolumnensammlung. Die intellektuelle und sprachliche Kapazität dieser Autorin ist mindestens so berüchtigt wie Baader-Meinhof berühmt. Dass die Meinhof viel mehr zu bieten hatte als die ganze RAF zusammen, zeigt diese Textsammlung zur „Vorgeschichte“ von 1968.

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