Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Don & Petie Kladstrup
Champagner
Die dramatische Geschichte des edelsten aller Getraenke

Klett-Cotta
2007
Übersetzt von Dietmar Zimmer
319 Seiten
€ 21,50


Von Alemanno Partenopeo am 13.04.2008

  Monarchen, Könige und Kaiser tranken ihn einst und heute bekommt man ihn bei Aldi/Hofer sogar knapp unter 12 Euro: den Champagner. Die Erfolgsgeschichte eines Getränks wurden von zwei amerikanischen Korrespondenten in Frankreich verfasst und wartet nicht nur mit einigen amüsanten Geschichten auf, sondern auch ein paar zeitgenössischen Fotos. Die Pariser Weltausstellung 1900 zum Beispiel: ein Heißluftballon trägt auf seinem edlen Tuch die Werbeschrift „Mercier“ und in der Gondel befindet sich eine mehr oder weniger erschreckte und beschwipste Gesellschaft. Der Ballon hatte sich nämlich gelöst und die muntere Gesellschaft musste in den kalten Lüften Frankreichs ausharren, bis sich der Anker endlich in den Baumwipfeln Belgiens verfing. Erst jetzt konnten die steif gefrorenen Gäste aus dem Ballon klettern und als die belgischen Zollbeamten in der Gondel ausgerechnet Champagner fanden, musste eine Strafe für illegale Alkoholeinfuhr bezahlt werden. Eine Werbung, wie sie nicht einmal ein Edward Bernay besser erfinden hätte können.
 
  Dennoch ist Mercier heute fast in Vergessenheit geraten. Es dominieren andere Champagnermarken. Nicht zuletzt deswegen, weil sie die besseren Werbeleute hatten und sich nicht auf Gratis-Werbung wie Mercier (siehe oben) verließen. Der deutsche Kaiser soll seinen Reichskanzler Bismarck mehrmals ermahnt haben, deutschen Sekt statt französischen Champagner zu trinken, doch dessen Patriotismus „endete knapp vor seinem Magen“, wie er zu sagen pflegte. Bis es eines Tages, bei einer Schiffstaufe, dem Kaiser selbst passierte: Moet hatte die Flaschen zur Schiffstaufe ausgetauscht und so wurde das deutsche Schiff vom Kaiser Wilhelm persönlich mit französischem Champagner getauft. Dieser zeigte sich natürlich empört und zog sofort seinen Botschafter aus Frankreich zurück, die Werbung jedoch konnte er nicht wieder rückgängig machen: Moet und Chandon gehört auch heute noch zu den berühmtesten Champagner der Welt. Vielleicht ist dies ja auch gerade ausgerechnet dem „deutschen“ Kaiser zu verdanken.
 
  „Alors vieux! Tu esperais prendre la Champagne!Ben, en attendant, prends un bouchon!...“ schleuderten die Franzosen zur Verteidigung den Deutschen während des Ersten Weltkrieges entgegen und überraschenderweise zerstörten die Deutschen auf ihrem Vormarsch zwar halb Belgien, nicht jedoch die Champagne. Ihnen war wohl klar, dass es sich um einen profitablen Schatz handelte und da sie den Krieg ohnehin gewinnen würden – wie sie glaubten – wäre es dumm gewesen, diese Erde zu zerstören, auf der der zukünftige Reichtum Deutschlands wuchs. Kurzum: die Deutschen verschonten die Champagne, wie die Autoren schreiben, und rückten bis 40 km vor Paris vor. Das „Wunder der Marne“ war der Abzug der Deutschen, die sich geschlagen gaben, und das wurde natürlich auch mit Champagner gefeiert, ausgiebig. Die deutschen Soldaten aber, die ihren Sieg schon vor der Schlacht gefeiert hatten, lagen - zur Ernte bereit -sturzbesoffen in den Schützengräben. Sie hatten zu oft auf „ihre“ Champagne angestoßen und kamen nun ins Kriegsgefangenenlager der Franzosen, auf Wasser und Brot gesetzt.
 
  Natürlich war der Krieg in Wirklichkeit weniger lustig, die Autoren schreiben auch über die Zerstörung der Kathedrale von Reims durch die Deutschen, und die Ruinen die von der Stadt überblieben und ihr den Titel „Märtyrerstadt“ eintrug. Als die Truppen einsehen mussten, dass Weihnachten - wie ursprünglich erwartet - niemand zu Hause sein würde, feierten sie Weihnachten an der Front. Und tatsächlich sollen sich die verfeindeten Linien dabei auch verbrüdert haben und sich - mit Champagner natürlich - auf den baldigen eigenen Sieg zugeprostet haben. Das „Weihnachtswunder vom 24.12.1914“ sollte aber zumindest den Siegeszug des Champagners beschleunigen, ihn kannte bald alle Welt, als französische Eleganz und Lebenskultur über den dumpfen Teutonismus triumphierte und bei den Pariser Vororte-Friedensverhandlungen ein neues Europa aus den Angeln gehoben wurde und daraufhin mit Champagner begossen wurde.
 
  Don & Petie Kladstrup leben in Frankreich und kamen als amerikanische Korrespondenten nach Europa, sie hatten bereits von verschiedenen Ländern der Welt berichtet, bevor sie sich in der Champagne niederließen. Über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen sie auch in ihrem gewählten Heimatland, Frankreich, da sie bereits ein Weinbuch publiziert haben, das sich den Franzosen darunter widmet. „Wein und Krieg“ wurde ein Bestseller und war 2004 bereits in der 6. Auflage. Ihr Champagnerbuch ergab sich aus den Recherchen zum Wein und ist ebenso prickelnd und amüsant am besten bei einem Glas desselben zu lesen. „Meine Herren, in diesem kurzen Augenblick zwischen Krise und Katastrophe, lassen Sie uns ein Glas Champagner trinken“, meinte Paul Claudel, aber auch davor und danach gibt es kein Getränk, das einen so edel „untergehen“ lässt. Und das nicht nur in der Ballsaison…

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.